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Schweiz : Der Notenbankchef und das liebe Geld

  • -Aktualisiert am

SNB-Chef Philipp Hildebrand soll erst im Nachhinein von den Devisentransaktionen seiner Frau erfahren haben Bild: AFP

In der Schweiz ist der Präsident der Nationalbank in die Schlagzeilen geraten. Es geht um angebliche Insider-Geschäfte seiner Frau mit Devisen. Aber wie gerieten die Kontodaten eigentlich an die Öffentlichkeit?

          3 Min.

          Diesen Jahresanfang hat sich Philipp Hildebrand sicher nicht gewünscht. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) steht inmitten eines Wirbels, von dem man nicht weiß, wer am Ende davon erfasst wird. Begonnen hatte alles mit einer Mitteilung des Bankrats der SNB einen Tag vor Heiligabend. Das Aufsichtsgremium der Nationalbank berichtete - für die Öffentlichkeit völlig überraschend - von „Gerüchten aus unbekannter Quelle“, die sich aber nach Prüfungen der Eidgenössischen Finanzkontrolle und von Pricewaterhouse Coopers, des Wirtschaftsprüfers der SNB, als haltlos herausgestellt hätten. Die Gerüchte waren brisant, bezogen sie sich doch auf angebliche Insider-Geschäfte mit Devisen in der Familie des Notenbankpräsidenten.

          Am vergangenen Wochenende legten zwei Sonntagszeitungen nach. Dort stand aber der Aspekt im Vordergrund, Christoph Blocher, Spitzenpolitiker der rechtskonservativen SVP und Intimfeind Hildebrands, habe Mitte Dezember mit der Regierung in Bern Kontakt zu dem Insider-Verdacht aufgenommen und Unterlagen über ein Hildebrand-Konto bei der Bank Sarasin in Basel vorgelegt. Am Dienstag behauptete dann das Boulevardblatt „Blick“ unter Bezug auf ein Treffen mit einem Informanten, die Hildebrands hätten im Oktober einen Devisengewinn von 60.000 Franken (50.000 Euro) realisiert.

          Blocher: Zeit zum Schweigen

          Der Betrag entspräche ungefähr sechs Prozent des Jahressalärs, das Philipp Hildebrand 2010 bezog. Die Entwirrung des Knotens wird nicht leichter dadurch, dass die Beteiligten fast unisono schweigen. Die Nationalbank hat sich seit dem 23. Dezember nicht mehr geäußert, die Regierung bestätigt ohne Namensnennung nur den Erhalt von „entsprechenden Informationen“ im Dezember.

          Laut der Schweizer SonntagsZeitung war es Christoph Blocher, ein früherer Justizminister und jetziger Vize-Präsident der Schweizerischen Volkspartei, der
die Regierung im Dezember informierte.

          Die Bank Sarasin hat mittlerweile einen Mitarbeiter entlassen, der Daten über die Devisentransaktionen offengelegt hat. Der Mitarbeiter aus der IT-Abteilung der Bank habe Unterlagen einem der Schweizerischen Volkspartei (SVP) nahe stehenden Anwalt gegeben, teilte die Bank am Dienstagabend in Basel per E-Mail mit. Der Anwalt habe in der Folge ein Treffen mit Nationalrat Christoph Blocher arrangiert. Dieses Treffen habe am 11. November stattgefunden. „Der Mitarbeiter hat heute gegenüber der Bank sein kriminelles Fehlverhalten offen gelegt”, schrieb die Bank. Der Mitarbeiter habe sich bereits am 1. Januar 2012 der Kantonspolizei Zürich gestellt. Das arbeitsvertragliche Verhältnis zwischen der Bank Sarasin und dem Mitarbeiter sei sofort aufgelöst worden.

          Blocher selbst will sich bislang nicht dazu äußern. Er hatte am Montag am Rande einer öffentlichen Veranstaltung gesagt: „Es gibt eine Zeit zu reden und eine Zeit zu schweigen. In dieser Sache ist für mich jetzt Zeit zu schweigen.“ Bestätigt wurde vom Bankrat, dass Kashya Hildebrand, die Frau des Nationalbankpräsidenten, am 15. August amerikanische Dollar gekauft hatte.

          Die amerikanisch-pakistanische Galeristin in Zürich tauschte dabei dem Vernehmen nach 500.000 Franken und nutzte hierfür das gemeinsame private Konto bei Sarasin. Ihr Geschäftskonto liegt hingegen angeblich bei der UBS. Außerdem wurde ein kleiner Betrag für das Konto der Tochter getauscht. Die Familie Hildebrand pflegt persönliche Kontakte in die Vereinigten Staaten. Zugleich war schon damals auch für Außenstehende wahrscheinlich, dass die Nationalbank eine Kursgrenze zum Euro verhängen würde und dies mit einer Aufwertung der Gemeinschaftswährung und indirekt des Dollar verbunden sein würde. In einem intern nicht unumstrittenen Entscheid legte die SNB dann am 6. September den bis heute geltenden Mindestkurs von 1,20 Franken zum Euro fest.

          „Kein Missbrauch von privilegierten Informationen“

          Nach Informationen der F.A.Z. erfuhr Philipp Hildebrand erst im Nachhinein von den Devisentransaktionen seiner Frau. Der Bankrat schrieb hierzu am 23. Dezember, der SNB-Präsident habe die Geschäfte nach Erhalt der Bankbestätigung am nächsten Tag unverzüglich dem Compliance-Verantwortlichen der Nationalbank gemeldet. Ob und wann ein Devisengewinn durch Rücktausch realisiert wurde, bleibt im Dunkeln. Laut dem Bankrat hat Hildebrand am 15. Dezember von den Gerüchten erfahren; Gewährsleute meinen, durch eine Anfrage der Regierung. Danach habe er unverzüglich das Aufsichtsgremium informiert und seine finanziellen Verhältnisse offengelegt. Auf Basis der bis 21. Dezember dauernden Prüfungen erklärte dann der Bankrat zwei Tage später, „dass keine unzulässigen Transaktionen vorgenommen wurden und kein Missbrauch von privilegierten Informationen erfolgt ist“. Damit hätte Hildebrand keine internen Regeln verletzt.

          Das Regelwerk hält die Nationalbank allerdings unter Verschluss. Mit seiner Mitteilung vom 23. Dezember wollte der Bankrat offenbar einer Veröffentlichung aus anderer Quelle vorbeugen.

          Der 48 Jahre alte Nationalbankpräsident mit Banker-Erfahrung hat sein Amt Anfang 2010 angetreten. Die danach massiv ausgeweiteten Devisenkäufe zur Begrenzung der Franken-Stärke haben nicht zuletzt bei Blocher Opposition hervorgerufen, die in eine regelrechte Kampagne gegen Hildebrand mündete. Aber auch mit seiner Bankenkritik und der Eindämmung des Großbankenproblems machte sich der SNB-Chef nicht nur Freunde, vor allem nicht in der UBS. Umso größer ist sein Ansehen im Ausland. Im November wurde Hildebrand Vizepräsident des einflussreichen Financial Stability Board (FSB). Das Gremium ist bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel angesiedelt.

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