https://www.faz.net/-gqe-vcng

Schwache Auftragslage : Siemens stimmt auf schwieriges 2010 ein

Dunkle Wolken über dem Siemens-Himmel Bild: ddp

Siemens hat wegen der schlechten Auftragslage pessimistische Töne angestimmt. Der Konzern hält aber am Gewinnziel für 2009 fest. Denn die eigentliche Wucht der Krise trifft nächstes Jahr.

          2 Min.

          Siemens hat wegen der schlechten Auftragslage pessimistische Töne angestimmt und stellt die Märkte zumindest mittelfristig auf härtere Zeiten ein. Finanzvorstand Joe Kaeser hatte sich am Dienstagabend auf einer Investorenkonferenz in New York im Vergleich zu früheren Auftritten etwa auf der Bilanzpressekonferenz im November sehr viel gedämpfter geäußert. Die Kernbotschaft gegenüber den Analysten lautete nun: Richtig ernst wird es im Jahr 2010, wenn sich die Effekte aus der erwarteten Auftragsschwäche in diesem Jahr in geringen Umsätzen und Erträgen niederschlagen. Damit verbunden sind weitere Gegensteuerungsmaßnahmen – etwa mit einem neuerlichen Kapazitätsabbau in der Lichtsparte Osram. Die Siemens-Aktie gehörte am Mittwoch mit mehr als 10 Prozent Kursverlust zu den großen Verlierern.

          Rüdiger Köhn
          (kön.), Wirtschaft

          Kaeser bestätigte aber auch indirekt die Ergebnisprognose für das aktuelle Geschäftsjahr. Danach will der Münchener Industrie- und Elektronikkonzern das operative Ergebnis aus den drei Kernsektoren Industrie, Energie und Medizintechnik in diesem Jahr um rund 20 Prozent auf 8 bis 8,5 Milliarden Euro steigern. „Solange wir keinen neuen Ausblick geben, gilt der alte“, sagte Kaeser in New York. Bereits im November hatte Siemens-Vorstandsvorsitzender Peter Löscher überraschend diese Prognose wiederholt, als bereits die Krise ihre Kreise zog. Er nannte das Ziel allerdings ambitionierter. Löscher begründete die Zuversicht mit dem hohen Auftragsbestand von 85 Milliarden Euro per Ende September 2008.

          In den letzten beiden Monaten 2008 hat sich die Lage zugespitzt

          Ein Unternehmenssprecher hob am Mittwoch hervor, dass angesichts der im Jahresverlauf zu erwartenden schwierigen Wirtschaftsentwicklung neben den bereits eingeleiteten Sparmaßnahmen in Verwaltung und Vertrieb sicherlich zusätzliche Hebel genutzt werden müssten. Das gilt etwa für die angekündigten Einsparungen im Einkauf mit einem Jahresvolumen von 42 Milliarden Euro. Zudem werden, wie im November angekündigt, 50 Prozent des Investitionsbudgets von Quartal zu Quartal geprüft, während die andere Hälfte bereits festgelegt ist.

          Siemens-Chef Peter Löscher
          Siemens-Chef Peter Löscher : Bild: dpa

          Die Aufträge sind besonders wegen der schwierigen Lage im Industriegeschäft im Auftaktquartal für das neue Geschäftsjahr 2008/2009 eingebrochen. Siemens hat einen Rückgang in den Bestellungen von rund 8 Prozent auf 22,2 Milliarden im ersten Quartal angekündigt. Damit hat sich die Lage in den letzten beiden Monaten des Jahres 2008 zugespitzt. Denn im November hatte Siemens noch keine negativen Auswirkungen auf die Auftragslage oder Stornierungen von Aufträgen ausmachen können.

          Besonders hart hat es wohl die Industriesparte getroffen

          Besonders hart muss es die Industriesparte getroffen haben, wo der Auftragseingang in zweistelliger Prozenthöhe zurückgegangen sein soll. Besonders in der Industrieautomation muss es geradezu einen Einbruch gegeben haben, da die Kunden mit Blick auf ihre Auftragssituation nun erst einmal die Lager abbauen würden, anstatt neu zu bestellen. Ebenso stehen Industriedienstleistungen (Industrial Solutions) erheblich unter Druck. Als Lösungsanbieter etwa für die Stahlindustrie spürt die Sparte die Zurückhaltung im Kapazitätsaufbau und die Verschiebung von Investitionen.

          Im Kernsektor Medizintechnik macht sich unvermindert das schwache Geschäft in den Vereinigten Staaten als größtem Medizintechnikmarkt bemerkbar. Schlimmer noch: Finanzvorstand Kaeser rechnet nun im wichtigen Markt für bildgebende Systeme (Röntgengeräte, Computertomographen) mit einem Überschwappen der Nachfragerückgänge auf die anderen großen Weltmärkte Asien und Europa.

          Der Energiebereich präsentiert sich noch relativ stabil. Dort habe es keine nennenswerten Stornierungen gegeben, auch wenn die Kunden stärker auf die Preise achten würden. Konkret hat Kaeser schon weitere Maßnahmen für Osram angekündigt, die bereits 660 Arbeitsplätze abbauen will. Das Geschäft schwäche sich weiter ab, weshalb Rückstellungen für einen weiteren Kapazitätsabbau im Jahresverlauf notwendig werden würden.

          Für das erste Quartal stellte Kaeser einen Zuwachs von rund 5 Prozent im Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal (18,4 Milliarden Euro) in Aussicht. Das operative Ergebnis werde deutlich über dem Vergleichswert von 1,67 Milliarden Euro liegen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Französische Fischerboote vor der Küste von Jersey am Donnerstagmorgen

          Brexit-Streit vor Jersey : Wenn Paris und London Kriegsschiffe entsenden

          Die Regierungen rufen nach einer gütlichen Einigung, üben sich aber in militärischen Drohgebärden. Ein französischer Fischer will es wissen: „Wir sind bereit, die Schlacht von Trafalgar noch einmal zu führen.“
          Redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist? Der frühere Nationaltorhüter Jens Lehmann.

          Rassismus und Moral : Lehmann und Aogo

          Erst fliegt Jens Lehmann eine rassistische Nachricht um die Ohren, dann setzt es bei Dennis Aogo aus. Das sorgt für eine Kaskade der Aufregung. Was steht an deren Ende?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.