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Schrumpfkur im Investmentbanking : Credit Suisse streicht 5300 Stellen

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Die Schweiz ist das Land der Banken. Die große Stunde der Investmentbanker ist aber auch hier längst vorbei Bild: REUTERS

Nach einem Milliarden-Verlust im vierten Quartal will Credit Suisse elf Prozent des Personals einsparen, vor allem Investmentbanker. Ob Bayern LB oder UBS - Schrumpfkuren des Investmentbankings sind schon fast an der Tagesordnung. Und Finanzkreise diskutieren schon eifrig über die nächsten Kandidaten.

          Die Schweizer Großbank Credit Suisse spart nach einem Reinverlust von drei Milliarden Franken im vierten Quartal 2008 elf Prozent ihres Personals ein. Credit Suisse baut nach Angaben vom Donnerstag weltweit 5300 Stellen ab. Zusätzlich verlieren 1400 Vertragsbedienstete ihre Stelle. Die Entlassungen betreffen vor allem das Investment Banking und sollen bis Mitte 2009 abgeschlossen sein. Die Bank verspricht sich davon eine Kostenentlastung von rund zwei Milliarden Franken oder neun Prozent des Geschäftsaufwands. Das Minus sei wegen „widriger Marktbedingungen sowie Kosten im Zusammenhang mit dem Risikoabbau, vor allem im Investment Banking“ entstanden, teilte das Kreditinstitut am Donnerstag mit.

          Der Arbeitsplatzabbau soll bis Mitte 2009 weitgehend abgeschlossen sein und gemeinsam mit weiteren Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz rund zwei Milliarden Franken einsparen. Dies entspreche rund neun Prozent der für 2008 zu erwartenden Kosten, hieß es.

          Private Banking arbeitet noch erfolgreich

          Wie die Credit Suisse weiter mitteilte, belaufen sich die Einmalkosten für die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen auf rund 900 Millionen Franken. Sie sollen mehrheitlich im vierten Quartal 2008 verbucht werden und sind in dem bisherigen Quartalsverlust von drei Milliarden Franken noch nicht enthalten. Aufgrund des hohen Fehlbetrags sollen Verwaltungsratspräsident, Konzernchef und der Leiter der Investmentbanking-Sparte keine variable Vergütung für 2008 erhalten.

          Das Private Banking arbeite ungeachtet der Hiobsbotschaften weiterhin erfolgreich und verzeichnete im vierten Quartal per Ende November „ansprechende“ Neugeldzuflüsse, hieß es weiter von Credit Suisse. Bei anhaltend stabilen Kundendepots und einer „sehr soliden“ Finanzierung verfüge die Credit Suisse weiter über eine „sehr gute“ Kapitalausstattung und erwartet für Ende 2008 eine Kernkapitalquote von rund 13 Prozent.

          Schrumpfkuren im Investmentbanking beinahe an der Tagesordnung

          Stellenstreichungen und radikale Schrumpfkuren im Investmentbanking sind derzeit beinahe an der Tagesordnung. Nicht zuletzt der direkte Konkurrent der Credit Suisse, die größte Schweizer Bank UBS hat längst angekündigt, die Zahl der Arbeitsplätze im Investmentbanking bis Jahresende von 19.000 auf 17.000 reduzieren zu wollen.

          Die Schweizer sind keineswegs eine Ausnahme, wenn es um Schrumpfkuren im Investmentbanking geht. Erst vor wenigen Tagen hatte die schwer angeschlagene Bayerische Landesbank bekanntgegeben, dass sie konzernweit mehr als jede vierte Stelle streichen will. Bis 2013 sollen 5600 der insgesamt 19.200 Stellen im Konzern entfallen. Künftig soll das Geschäftsmodell auf den Säulen Mittelstand, Großkunden, gewerbliches Immobiliengeschäft und Privtakunden ruhen. Das umstrittene Investmentbanking, das der Bayern LB während der Finanzkrise massive Belastungen beschert hatte, soll aufgegeben werden.

          Anfang dieser Woche war zudem bekannt geworden, dass die weltweite Finanzkrise auch Goldman Sachs hart erwischt hat. Medienberichten zufolge wies das New Yorker Finanzinstitut im abgelaufenen Quartal einen Verlust von bis zu zwei Milliarden Dollar aus. Es wäre seit dem Börsengang vor knapp zehn Jahren das erste Mal, dass Goldman Sachs rote Zahlen schreibt. An der Wall Street gilt es als offenes Geheimnis, dass Stellenstreichungen im Investmentbanking auch hier stattfinden werden. Normalerweise trennt sich Goldman Sachs zum Jahresende immer von 5 Prozent der Mitarbeiter, in diesem Jahr werden es wohl doppelt so viele werden, heißt es in der New Yorker Finanzwelt.

          Die Welle der Stellenstreichungen im Investmentbanking trifft möglicherweise sogar die Deutsche Bank. An der Wall Street und in der Londoner City kursieren Meldungen, wonach rund 900 der hochbezahlten Arbeitsplätze beim deutschen Branchenprimus gestrichen werden sollen, das wären knapp 10 Prozent der Bereiche Global Markets und Global Banking oder gut 6 Prozent der gesamten Investmentbankingsparte. Auch der Standort Frankfurt werde nicht gänzlich ungeschoren davon kommen, vermuten Marktbeobachter.

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