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Die Antwort auf die NSA : Kauft Schreibmaschinen

Hier hört garantiert niemand mit Bild: dpa

Dank der Enthüllungen über weltweite Spionagetätigkeiten rüsten Konzerne und Behörden wieder auf die alte Technik um. Die wenigen verblieben Hersteller freuen sich über das unverhoffte Geschäft.

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          Im kalten November 2012 machte sich Edward Bryan an die letzten Handgriffe. Noch eine kleine Schraube, noch ein paar leichte Drehungen, die letzte Justierung des Farbbandes, dann war eine Ära am Ende. Im walisischen Werk der japanischen Brother-Gruppe ging vor anderthalb Jahren Europas letzte Schreibmaschine vom Band. Bryan hatte sie gefertigt. Sein Werk steht heute im Wissenschaftsmuseum von London, und Schreibmaschinen sind wieder gefragt.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Nicht mehr in der ganz großen Masse“, sagt Sven Elvert von der deutschen Traditionsmarke Olympia, „aber in feinen kleinen Größenklassen“. Seit den Enthüllungen rund um das millionenfache Abhören, Ausspähen und Manipulieren des digitalen Datenverkehrs in den Kommunikationsnetzen der Welt habe die Nachfrage nach Schreibmaschinen angezogen. Behörden und Konzerne zählen zu den Kunden. „Momentan erleben wir einen regelrechten Run auf die Maschinen“, sagt Rolf Bonnen von der Bandermann GmbH in Kaarst bei Düsseldorf.

          Auch der NSA-Ausschuss könnte Kunde werden

          Bandermann hatte vor zehn Jahren die Schreibmaschinenproduktion von Triumph Adler gekauft und neu ausgerichtet. Heute setzt die Firma rund 10.000 Maschinen im Jahr ab, dreimal so viele wie der amerikanische Konkurrent Swintec und genauso viele wie der deutsche Wettbewerber Olympia Business Systems Vertriebs GmbH. Mit ihr teilen sich die Bandermanns den deutschen Markt quasi unter sich auf. Die Fertigung ist komplett ausgelagert und nach Asien verlegt; verkauft wird in ganz Europa.

          In Deutschland werden mit Schreibmaschinen im Jahr rund 5 Millionen Euro erlöst. Das verbucht die Computerbranche zwar an einem Vormittag. Doch anders als bei den Kollegen aus den PC-Firmen liegen die Gewinnspannen im Geschäft mit Schreibmaschinen im ordentlichen einstelligen Prozentbereich. Ein lukratives Geschäft mit der Hochtechnologie aus dem Zeitalter der Mechanik – und es erlebt so etwas wie eine Renaissance.

          Nachdem ganze Abteilungen der Geheimdienste der Amerikaner, Russen und Chinesen vor zwei Jahren dazu übergegangen waren, vertrauliche Schriftstücke nicht mehr über Computer, sondern mit Schreibmaschinen zu verfassen, erwägt nun auch der NSA-Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestags diesen Schritt. Das Gremium will seine Kommunikation sicherer machen. Selbst über die Verwendung einer Schreibmaschine werde nachgedacht, sagte der Ausschussvorsitzende Patrick Sensburg. Die Hersteller horchen auf.

          Nakajima ist der letzte große Hersteller

          Vor fünf Jahren noch hatten Firmen wie der einstige indische Großhersteller Godrej and Boyce ihre Fabriken geschlossen, die Lager ausgekehrt und die letzten Maschinen verramscht. Was vor ziemlich genau 300 Jahren mit einem Patent des British Patent Office für den Ingenieur Henry Mill begann und 150 Jahre später durch den Tiroler Peter Mitterhofer massenmarkttauglich gemacht worden war, schien am Ende zu sein. 2009 verkaufte die Branche noch knapp eine halbe Million Maschinen. Heute sind die alten Maschinen nicht nur eine Rarität, sie gelten auch als besonders sicher. Sicherer als jede Sicherheitssoftware und sicherer als jeder Computer, heißt es bei der Tokioter Nakajima All Co. Ltd. Nachdem die japanische Brother Industries die Produktion in Europa beendet hatte und die indische Godrej and Boyce heute ganz auf Präzisionsinstrumente setzt, ist Nakajima der letzte große Hersteller von Schreibmaschinen in der Welt.

          Der Konzern aus Tokio stellt vom Taschenrechner bis zum Diktiergerät, vom Computerbildschirm bis zum Drucker so ziemlich alles her, was im Büroalltag zum Einsatz kommt. Schreibmaschinen stehen seit ein paar Monaten wieder weiter oben auf der Wunschliste der Kunden. So betreibt Nakajima ein Schreibmaschinenwerk in Indonesien. Es fertigt dort sowohl unter eigenem wie auch unter fremden Namen. Die Kundenliste ist lang und geheim. An ein Ende oder einen Ausstieg aus dem Geschäft denken die Japaner nicht. Kein Wunder: In diesem Jahr könnten die Verkaufszahlen erstmals wieder mehr als eine viertel Million betragen.

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