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Schon wieder Kartellverdacht : Razzia bei Zementherstellern

  • Aktualisiert am

Razzien gab es unter anderem in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Staaten Bild: dpa

Zum dritten Mal in eineinhalb Jahrzehnten steht die europäische Zementindustrie unter Verdacht, gegen das Verbot von Kartellabsprachen verstoßen zu haben. In Deutschland sind Marktführer HeidelbergCement und die Nummer zwei, Dyckerhoff, von der Razzia betroffen.

          Zum dritten Mal in eineinhalb Jahrzehnten steht die europäische Zementindustrie im Verdacht, gegen das Verbot von Kartellabsprachen verstoßen zu haben. Die EU-Kommission durchsuchte Büros praktisch aller großen Zementherstellern in Europa, wie die führenden Unternehmen der Branche am Dienstag bestätigten. In Deutschland sind Marktführer HeidelbergCement und die Nummer zwei, Dyckerhoff, von der Razzia betroffen.

          Eine Dyckerhoff-Sprecherin bestätigte in Wiesbaden, dass es dabei um Kartellverstöße gegangen sei, sagte aber: „Wir sind ziemlich zuversichtlich, keine Verstöße begangen zu haben.“ HeidelbergCement-Chef Bernd Scheifele kündigte an, mit den Behörden zu kooperieren. „Meine persönliche Einschätzung ist, dass es um Zementimporte nach Großbritannien geht.“ Dort hatte HeidelbergCement vor einem Jahr den Konkurrenten Hanson übernommen.

          EU will keine Details nennen

          Die EU bestätigte die Durchsuchungen wegen Kartellverdachts, wollte aber weder die betroffene Unternehmen noch die genauen Vorwürfe nennen. Razzien gab es unter anderem in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Staaten. Schon 2003 hatte das Bundeskartellamt ein Bußgeld von 660 Millionen Euro gegen die Branche verhängt - damals das höchste Kartellbußgeld überhaupt(siehe Kartellamt verhängt 660 Millionen Euro Bußgeld gegen Zementkartell). HeidelbergCement musste allein 252 Millionen Euro zahlen. Viele der Sünder waren damals Wiederholungstäter: 1994 hatte die EU Zementhersteller bestraft, weil sie den Markt unter sich aufgeteilt und illegal Information ausgetauscht hatten.
          Zement ist ein genormtes Produkt, so dass die Hersteller sich nicht über Qualität, sondern normalerweise nur über den Preis voneinander absetzen können.

          Wie damals ist die französische Lafarge-Gruppe - heute weltweit die Nummer eins - im Visier der Wettbewerbshüter. Auch die Nummer zwei, die auch in Deutschland relativ stark vertretene Schweizer Holcim, und die mexikanische Cemex, räumten Durchsuchungen ein. Die später in Cemex aufgegangene Readymix hatte sich dem Bundeskartellamt 2002 als Kronzeuge zur Verfügung gestellt und war deshalb glimpflich davongekommen. Die Bonner Kartellwächter warfen der Branche die Absprache von Preisen und Produktionsmengen vor. Sie hätten den Markt gebietsweise unter sich aufgeteilt und Importe verhindert. Bei Gericht sind auch noch Schadenersatzklagen im Auftrag von Zementverbrauchern anhängig.

          Cemex hatte am Dienstag mitgeteilt, sein Zementwerk im britischen Barrington wegen des Konjunkturflaute zu schließen. Vor allem in Großbritannien und Spanien ist der Häusermarkt fast zusammengebrochen, worunter die Branche leidet.

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