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Schokoladenindustrie : Asiatische Schleckermäuler

  • -Aktualisiert am

Auf die sich ankündigende steigende Nachfrage aus den asiatischen Ländern gilt es sich schon jetzt vorzubereiten. Bild: AFP

Kakao- und Schokoladenhersteller wie der Schweizer Marktführer Barry Callebaut haben eine Schwierigkeit: Asiaten essen immer mehr Süßigkeiten. Doch der Rohstoff kommt aus Westafrika. Nun versuchen die Produzenten mit Macht, Asien zu erobern.

          Lachlan Monsbourgh trägt Strohhut, Stiefel und hat ein breites Lächeln im Gesicht. Die Mückenschwärme, die ihn umkreisen, nimmt er nicht wahr. „Das hier ist unser Freilichtlabor – hier arbeiten wir daran, Kakaoplantagen so effektiv wie möglich zu betreiben“, sagt der Australier, während er gebückt unter den enggepflanzten Bäumen auf der Plantage in Malaysia hindurch schreitet. Dies ist es, was sein Arbeitgeber Barry Callebaut von dem Agrarwissenschaftler Monsbourgh verlangt: Die Kakaogewinnung in Asien soll höhere Erträge abwerfen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Der Schweizer Schokoladenkonzern ist vor dem Agrarkonzern Cargill weltweit Marktführer im Geschäft mit der braunen Bohne. Seine Schokolade oder Kakaobutter sind für Verbraucher fast nie zu entdecken. Und doch finden sie sich als Zutaten in den Produkten von fast allen Herstellern: im Magnum-Eis genauso wie in Bensdorp Kakao, in Nutella, Mars-Riegeln oder Cadbury-Schokolade, aber auch in Cremes von Body Shop.

          Nachfrage steigt mit dem Erstarken der Mittelklasse

          „Auf jeden Fall brauchen wir mehr Kakao in der Region“, sagt Ee Kim Seng. Er führt das Barry-Callebaut-Geschäft mit Kakaopulver, -masse und -butter in Asien. Im malaysischen Johor Bahru betreiben die Schweizer eine ihrer größten Kakaofabriken. In drei Schichten wird hier rund um die Uhr gearbeitet. Auf der anderen Seite der nahen Grenze, im Stadtstaat Singapur, stellen sie Schokolade für den Wachstumsmarkt her und führen eine Trainingsküche für Hersteller und Küchenchefs. „Die Mittelschicht in Asien wächst, und damit wächst auch die Nachfrage“, wischt Ee alle Bedenken mit Blick auf den Markt vom Tisch. „Allein das Marktwachstum bringt uns durchschnittlich 6 Prozent jährlich. Unser Vorstand aber erwartet ein höheres Wachstum von uns, mindestens 8 Prozent. Und zwar durch Übernahmen, organisches Wachstum dank gesteigerter Produktivität und dank Innovationen.“

          Der Nachholbedarf ist offensichtlich: Derzeit machen die Schweizer 43 Prozent ihres Umsatzes in Europa, 26 Prozent in Amerika und 28 Prozent entfallen auf das extra ausgewiesene Geschäft mit dem Kakao. Der Wachstumsmarkt Asien-Pazifik aber trägt gerade einmal 4 Prozent zum Umsatz bei. Dabei weist die Wachstumskurve steil nach oben: Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre legte Barry Callebaut hier gut 14 Prozent zu. Dabei wuchs der Schokoladenabsatz in Indonesien um 15 Prozent im vergangenen Jahr, der in China einstellig.

          Der wichtigste Bereich ist die „Compound“-Schokolade, die Billigschokolade, die stark zulegt und mehr als 60 Prozent Anteil ausmacht. Im Markt für hochwertige Schokolade aber liegen die Margen mit 8 bis 10 Prozent deutlich höher als im „Compound“-Sektor mit 2 bis 3 Prozent. Mit dem Erstarken der Mittelklasse dürfte der Anteil der Schokolade in Asien immer stärker zulegen. Die Nachfrage nach Kakaoprodukten werde in Asien in den nächsten zehn Jahren um durchschnittlich 8 Prozent jährlich steigen, sagt auch Fay Fay Choo, Direktorin für das nachhaltige Kakaogeschäft bei Mars in Asien.

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