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Schokolade : Ritter Sport will seinen eigenen Kakao

Ritter-Sport-Plantage in Nicaragua Bild: Unternehmen

In Nicaragua nimmt eine Riesenplantage Gestalt an. Dort will Ritter Sport Kakao für seine Schokoladen selbst anbauen. Der grün angehauchte Firmenchef steht mit der Idee nicht alleine da.

          Schokoladenhersteller kaufen den benötigten Kakao üblicherweise von Zulieferern – inzwischen geht der Trend zur eigenen Pflanzung. In Nicaragua nimmt eine Riesenplantage von Ritter Sport Gestalt an, die den Angaben zufolge zu den größten zusammenhängenden Kakaoanbaugebieten der Welt zählt. 2012 kaufte das Unternehmen im Osten des mittelamerikanischen Landes rund 2000 Hektar Land. Heute sind dort auf einer Fläche von 120 Hektar rund 100.000 Kakaobäume gepflanzt. Von 2017 an soll „El Cacao“ den ersten Kakao für Ritter-Sport-Schokolade liefern. Langfristig will der Produzent aus dem baden-württembergischen Waldenbuch 30 Prozent seines Bedarfs an Kakaomasse von dort decken.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ritter sieht die Plantage als Teil eines fast 25-jährigen Engagements in Nicaragua. Seit 1990 unterstützt das Familienunternehmen nicaraguanische Kleinbauern beim nachhaltigen Anbau von Kakao. Der grün angehauchte Firmenchef Alfred Ritter betont den sozialen Aspekt: „Als Industrienation und besonders als Schokoladehersteller stehen wir in der Verantwortung, die sozialen und ökologischen Bedingungen im Kakaoanbau zu verbessern.“ Freilich steckt dahinter auch eine handfeste ökonomische Überlegung. Unter den Herstellern kursiert die Sorge, ob es auch in Zukunft ausreichend nachhaltig angebauten Kakao auf dem Weltmarkt gibt. „Deshalb gehen wir bewusst diesen ungewöhnlichen und nicht ganz einfachen Weg“, sagt Ritter.

          Auf der Plantage sind mehr als 150 Mitarbeiter beschäftigt. Sie haben bisher rund die Hälfte der notwendigen Infrastrukturmaßnahmen auf dem einstigen Brachland umgesetzt. Dazu gehört der Bau von Wegen und Brücken, die Installation eines Abwassersystems sowie die Errichtung von Sozial- und Wirtschaftsgebäuden. In einer eigenen Baumschule werden aktuell rund 400.000 kleine Kakaobäume herangezogen. Insgesamt investiert Ritter Sport jährlich rund fünf Millionen Euro in „El Cacao“, „Cacaonica“ und weitere Projekte zum Anbau nachhaltigen Kakaos.

          Alfred Ritter

          Ritter Sport steht mit seinem Engagement nicht alleine da. Auch Konzerne wie Barry Callebaut oder Ferrero sind verstärkt in der Gewinnung eigener Rohstoffe aktiv. Die Italiener etwa setzen auf mehr Haselnüsse aus eigenem Anbau. Zuletzt hat der Süßwarenhersteller dafür in Serbien Land gekauft; auch in Kanada und Australien ist der Nutella-Produzent entsprechend aktiv. Barry Callebaut übernahm seinen Lieferanten Biolands, um Zugang zu nicht organisierten Kakao-Bauern in Ost- und Westafrika zu erhalten.

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