https://www.faz.net/-gqe-9ux1u

Schnelles Internet : Vodafone will viel mehr als nur das Gigabit

Hannes Ametsreiter, Vorstandsvorsitzender von Vodafone Deutschland Bild: dpa

Funklöcher, 5G-Auktion, Bürokratie: Vodafones Deutschlandchef ärgert sich. Und plädiert trotzdem für mehr Zuversicht und Tempo.

          4 Min.

          Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, wie schlimm die Lage ist, dann lieferte ihn kürzlich die ARD. Eine „Tagesschau“-Reporterin wollte von einer Zusammenkunft der Bundesregierung auf Schloss Meseberg berichten. Gerade als sie ansetzte zu erläutern, was die Politik gegen die mangelhafte Mobilfunkversorgung auf dem Land zu tun gedenkt, brach der Live-Kontakt ab. „Unsere Schalte zum Anti-Funkloch-Treffen des Bundeskabinetts in Meseberg wurde leider unterbrochen. Der Grund: offenbar ein Funkloch“, twitterte das ARD-Team im Anschluss.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wessen Netz da so öffentlichkeitswirksam versagte, ist nicht überliefert. Bekannt ist jedoch, dass sich die Mobilfunkunternehmen selbst mehr denn je über die sogenannten weißen Flecken ärgern und stets Besserung geloben. „Wir alle kennen sie, die berühmten Funklöcher im Netz“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Tim Höttges, in einem Weihnachts- und Neujahrsvideo 2019. Und verspricht: „Wir hören erst dann auf, wenn jedes einzelne dieser Funklöcher geschlossen ist.“ Ähnlich formuliert es die Konkurrenz. „Wir bauen so viel, wie wir noch nie gebaut haben“, sagt Vodafones Deutschlandchef Hannes Ametsreiter im Gespräch mit der F.A.Z. „Denn wir wissen: Die Netze in Deutschland müssen besser werden.“

          Schlechte Rahmenbedingungen

          Im zu Ende gehenden Jahr hat Vodafone nach eigenen Angaben 7400 LTE-Bauprojekte geschafft. „Und das Tempo geht so weiter“, versichert Ametsreiter. Die Botschaft hören die Kunden wohl; allein, es fehlt das richtige Umfeld. Sagen zumindest die Mobilfunker. „Die Rahmenbedingungen für den Netzaufbau sind schlecht“, klagt der Vodafone-Chef. Und rechnet vor: Deutschland habe mit 18 bis 24 Monaten die längsten Genehmigungsprozesse in ganz Europa. „Ich brauche heute circa zwei Jahre, um eine Mobilfunkstation zu bauen. In Österreich dauert das sechs Monate.“

          Zur überbordenden Bürokratie hierzulande gesellen sich nach Einschätzung der Branche auch noch falsche politische Richtungsentscheidungen. Schon vor zwei Jahrzehnten seien mit der UMTS-Frequenzauktion die Weichen falsch gestellt worden. Im Jahr 2000 flossen für Frequenzlizenzen fast 51 Milliarden Euro in die Kassen des Staates. Dieses Geld fehle bis heute für den Netzausbau, klagt die Telekommunikationsindustrie unisono. Im Jahr 2019 habe man mit 5G den Fehler wiederholt, heißt es. Am Ende kostete diese Versteigerung die beteiligten vier Unternehmen Telekom, Vodafone, Telefónica und Drillisch 6,55 Milliarden Euro. „Mit dem Geld der 5G-Auktion hätte man in Deutschland 50.000 neue Mobilfunkstationen bauen können. Wir hätten alle weißen Flecken schließen und die Funkloch-Debatte beenden können. Die Chance hat Deutschland vertan“, ärgert sich Vodafone-Manager Ametsreiter. Ein Gefühl, das er mit Telekom-Mann Höttges teilt: Der lässt im Video der Anschaulichkeit halber Euroscheine durch einen Schredder laufen.

          Kooperation soll Funklöcher stopfen

          Indes vermeidet es die Branche, nur zu klagen. Man setzt im nächsten Jahr auf Zusammenarbeit in Sachen Infrastruktur. „Die Kooperation, mit Telefónica und der Deutschen Telekom gemeinsam weiße Flecken in unwirtschaftlichen Regionen zu schließen, ist ein großer Schritt in die richtige Richtung“, findet Ametsreiter. Im November hatten die drei Konzerne angekündigt, künftig im Ausbau ihrer Mobilfunknetze eng zusammenzuarbeiten. Geplant ist laut Absichtserklärung, bis zu 6000 Standorte koordiniert aufzubauen und zu nutzen. Vor allem eine umfassende Versorgung entlang der Verkehrswege soll damit gewährleistet werden. Dies war den Betreibern im Rahmen 5G-Auktion auferlegt worden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          CSU-Chef Markus Söder

          Kanzlerfrage bei der Union : Söder überholt Merz

          Bayerns Ministerpräsident hat unter potentiellen Kanzlerkandidaten der Union inzwischen mit Abstand den größten Zuspruch. Friedrich Merz und Armin Laschet sind laut einer Umfrage weit abgeschlagen.
          Ungebrochene Nachfrage: Ein Kurier liefert in New York City Amazon-Pakete aus.

          Der Gigant und die Krise : „Amazon ist fast schon systemrelevant“

          Die Handelsplattform versorgt die Kunden in Corona-Zeiten mit dem Wichtigsten und baut ihre Marktanteile aus. Doch das Wachstum bringt auch Probleme mit sich. Noch ist nicht klar, wie der Onlinehandel nach der Krise aussehen wird.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.