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Schnelles Internet : Telekom-Chef schimpft mit der Konkurrenz

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Telekom-Chef Timotheus Höttges spricht auf der Hauptversammlung in Köln an diesem Mittwoch zu mehr als 2000 Aktionären. Bild: dpa

Die Deutsche Telekom will mit der sogenannten Vectoring-Technologie Millionen Menschen ans schnelle Internet anschließen. „Wir bauen aus, während andere nur jammern“, sagt ihr Chef.

          Telekom-Chef Tim Höttges verteidigt seine umstrittenen Pläne für den Internet-Ausbau in Deutschland. „Wir bauen aus, während andere nur jammern“, sagte er an diesem Mittwoch auf der Hauptversammlung des Konzerns in Richtung der Telekom-Konkurrenten.

          Der Konzern habe eine Milliarde Euro eingeplant, um sechs Millionen Wohnungen in Deutschland mit schnellerem Internet zu versorgen und könne schnell loslegen. Was jetzt noch fehle, sei das Okay der Politik.

          Umstritten ist das Vorhaben wegen der sogenannten Vectoring-Technologie, die dabei zum Einsatz kommen soll. Nach dem Ausbau müssten Rivalen wie Stadtnetzbetreiber, die ebenfalls DSL-Anschlüsse anbieten, in den betroffenen Gebieten das Feld räumen.

          „Kunden in den Vordergrund“

          Die Konkurrenz läuft deshalb seit einem Jahr Sturm gegen das Projekt. Die Kritik verhallte in Deutschland weitgehend, doch vor einer Woche mischte sich die EU-Kommission ein und nimmt den Telekom-Plan nun ganz genau unter die Lupe.

          Die Brüsseler Behörde könnte das Vorhaben nach der bis zu drei Monate langen Prüfung durchwinken, ändern oder vorerst stoppen. „Wir sollten die Kunden in den Vordergrund stellen und nicht die Frage, welche Konkurrenten auf unser Netz zugreifen dürfen“, sagte der frühere Telekom-Finanzchef dazu.

          Gleichzeitig hat Höttges im Clinch um die Pläne noch einen Trumpf in der Hinterhand. Denn ohne den Vectoring-Ausbau wird es der Bundesregierung nach Ansicht von Experten schwer fallen, in jedem deutschen Haushalt in zwei Jahren einen Internet-Anschluss von 50 Megabit in der Sekunde (MBit/s) zu garantieren. „Wenn die Genehmigung aus Brüssel für Vectoring kommt, kann allein die Telekom 90 Prozent der Menschen mit schnellem Internet versorgen“, sagte der 53 Jahre alte Spitzenmanager.

          Aktionäre sparten trotz des Streits um den Internet-Ausbau nicht mit Lob, da sich der Kurs der Telekom-Aktie in den vorigen drei Jahren auf 16 Euro verdoppelte. Davor war die einstige Volksaktie über Jahre nicht vom Fleck gekommen. „Sie haben uns Telekom-Aktionäre aus der Depression geholt“, sagte Marc Tüngler vom Kleinaktionärsverein DSW. Der Telekom sei es schon lange nicht so gut gegangen.

          Zu verdanken ist die gute Stimmung auf dem Gesellschafter-Treffen mit 2000 Aktionären vor allem dem amerikanischen Geschäft der Bonner. Der Konzern-Betriebsgewinn legte deshalb im ersten Quartal um 12,9 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro zu.

          Der Vorstand hält an der Prognose für dieses Jahr fest: 2016 soll die Kennzahl 21,2 Milliarden Euro erreichen nach knapp 20 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Ausgeklammert sind in der Prognose die Ausgaben für neue Mobilfunkfrequenzen. In den Vereinigten Staaten läuft seit Ostern eine solche Auktion. T-Mobile US steigert mit und muss wahrscheinlich Milliarden auf den Tisch legen.

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