https://www.faz.net/-gqe-11d2l

Schmiergeldaffäre : Siemens kommt in Amerika billig davon

  • Aktualisiert am

Kooperation mit den Strafverfolgern wird honoriert Bild: ddp

In der milliardenschweren Korruptionsaffäre will der Siemens-Konzern eine Strafzahlung von 800 Millionen Dollar an die amerikanischen Behörden akzeptieren. Der Aufsichtsrat trifft sich an diesem Montag, um sich damit zu beschäftigen.

          2 Min.

          Die Ermittlungsverfahren gegen Siemens in den Vereinigten Staaten stehen unmittelbar vor dem Abschluss. Schon an diesem Montag dürfte ein Richter in Washington die Vorschläge von Justizministerium und Börsenaufsicht (SEC) absegnen. Der Elektrokonzern müsste demnach wegen seiner früheren Schmiergeldzahlungen in aller Welt 800 Millionen Dollar Strafe zahlen. Damit käme das Unternehmen deutlich billiger davon, als es selbst befürchtet hatte.

          Die amerikanischen Behörden honorieren vor allem die Kooperation von Siemens mit den Strafverfolgern, wie aus den amtlichen Dokumenten hervorgeht. Positiv angerechnet werden außerdem die rigorosen Aufräumarbeiten, die Aufsichtsratschef Gerhard Cromme und der von ihm installierte neue Vorstandsvorsitzende Peter Löscher in Gang gesetzt haben. So weisen die Aufseher ausdrücklich auf die Schadensersatzforderungen hin, die Siemens gegen frühere Manager erhoben hat - bis hin zum einstigen Vorstandsvorsitzenden Heinrich von Pierer. Die entsprechenden Verhandlungen, die derzeit die Anwälte beider Seiten miteinander führen, dürften sich allerdings noch mindestens bis November kommenden Jahres hineinziehen, ist im Umfeld von Siemens zu hören.

          Strafe wegen Verletzung von Buchführungspflichten

          Siemens selbst wird nach dem Willen der Ermittler nicht wegen Bestechung bestraft, sondern nur wegen Verletzung von Buchführungspflichten und mangelnder Kontrollen. Damit könne der Konzern ungehindert weiter auf dem amerikanischen Markt agieren, heißt es von der Unternehmensspitze. Dort ist man „außerordentlich erfreut“ über die Milde der Amerikaner.

          Entlastet sieht sich dem Vernehmen nach auch Chefaufseher Cromme, der in der Hochzeit der Schmiergeldaffäre dem Prüfungsausschuss (audit committee) vorsaß. Denn in einer Aktennotiz haben die amerikanischen Aufseher ausdrücklich festgehalten, der Vorstand habe das Gremium teilweise falsch unterrichtet.

          Am Montag Nachmittag europäischer Zeit kommt der Siemens-Aufsichtsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen - gleichzeitig mit der Verhandlung des amerikanischen Bundesrichters. Der Korruptionsfall hat das Unternehmen schon rund 2,5 Milliarden Euro gekostet - vor allem für den Einsatz von Rechtsanwälten und Wirtschaftsprüfern. Dazu kamen Steuernachzahlungen und eine Geldbuße von 201 Millionen Euro, mit der die Münchner Justiz vor allem illegale Gewinne in der Telekomsparte abgeschöpft hat. In der Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres 2007/08 hat das Unternehmen für die Folgen des Bestechungsskandals eine Milliarde Euro reserviert. Damit bleibt jetzt noch einiger Spielraum für etwaige weitere Strafzahlungen in Deutschland.

          Weitere Themen

          Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist Video-Seite öffnen

          Greenwashing : Warum nachhaltiges Investieren so schwer ist

          Grüne Investitionen erobern die Finanzmärkte. Mehr als 300 Milliarden Dollar flossen 2020 in „nachhaltige“ Anlagen und brachen damit den Rekord des Vorjahres. Doch wirklich "grün" zu investieren, ist schwieriger als es klingt.

          Die Zukunft der Globalisierung

          Gedenken an Herbert Giersch : Die Zukunft der Globalisierung

          Die Corona-Pandemie beendet die Globalisierung nicht. Doch sie wird sich in den nächsten Jahren grundlegend verändern. Eindrücke vom Symposium anlässlich des 100. Geburtstags von Herbert Giersch.

          Topmeldungen

          Ausmaß der Zerstörung: eine Straßenkreuzung in Cholon, Israel

          Gewalt in Nahost : Hamas feuert 130 Raketen auf Tel Aviv

          Militante aus dem Gazastreifen feuern am Abend mehr als hundert Raketen auf Zentralisrael. Im Großraum Tel Aviv kommt es immer wieder zu schweren Explosionen. Mindestens ein Mensch stirbt.
          Ende einer Quälerei: In wenigen Tagen werden Präsident Keller und Generalsekretär Curtius (links) den Deutschen Fußball-Bund verlassen.

          Keller, Curtius und Koch : Befreiungsschlag beim DFB

          Präsident Fritz Keller zieht sich zurück, Friedrich Curtius gibt auf, Rainer Koch verzichtet auf eine Wiederwahl: Fast die gesamte Führung des DFB macht den Weg frei für einen Neuanfang.
          Die EZB erwartet eine steigende Inflation. Allerdings meint sie, der Anstieg sei nur vorübergehend.

          Steigende Preise : Was Sparer zur Inflation wissen müssen

          Alles rund ums Bauen wird teurer, aber auch viele Lebensmittel und vor allem Heizöl und Benzin. Steigt mit dem Abklingen der Pandemie die Inflation? Und wie können sich Sparer rüsten?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.