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Schmiergeldaffäre : Brasilianischer Konzern Odebrecht zu Milliardenstrafe verurteilt

  • Aktualisiert am

An vier von zwölf Stadien, die für die Fußballweltmeisterschaft 2014 gebaut oder renoviert wurden, war Baukonzern Odebrecht beteiligt. Bild: AP

Der Baukonzern Odebrecht ist in einen gigantischen Korruptionsskandal verstrickt, der sogar die brasilianische Regierung ins Wanken bringt. Nun hat ein amerikanisches Gericht eine Sanktion verhängt.

          Der brasilianische Mischkonzern Odebrecht ist in den Vereinigten Staaten wegen eines Schmiergeldskandals zu einer Strafe von rund 2,6 Milliarden Dollar verurteilt worden. 2,39 Milliarden Dollar sollen in Brasilien gezahlt werden, 93 Millionen Dollar an die Vereinigten Staaten und weitere 116 Millionen Dollar an die Schweiz, sagte Richter Raymond Dearie am Montag in New York. Odebrecht soll Schmiergeld in Höhe von 788 Millionen Dollar in zwölf Ländern - vor allem in Lateinamerika - gezahlt haben, um so an lukrative Aufträge heranzukommen. Das Geld soll zum Teil über amerikanische Banken geflossen sein.

          Die Zahlung stellt einen Vergleich zwischen brasilianischen, amerikanischen und Schweizer Behörden dar, der bereits im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht worden ist. Damit versucht der Baukonzern Odebrecht sich im Ausland wieder für künftige Aufträge in Stellung zu bringen, die bislang wegen der Korruptionsvorwürfe gestoppt wurden. Weitere Vergleiche strebt Odebrecht demnach in Argentinien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Peru, Mexiko, der Dominikanischen Republik, Venezuela, Panama und Portugal, berichtet die BBC.

          Umfangreiche Ermittlungen in Brasilien

          In Brasilien selbst machte das Oberste Gericht vergangene Woche den Weg für Korruptionsermittlungen gegen zahlreiche Minister und Dutzende Parlamentsabgeordnete frei. Zu den Politikern gehören der Kabinettschef von Präsident Michel Temer sowie der Außen-, Handels- und Landwirtschaftsminister. Auch führende Oppositionspolitiker sind betroffen, darunter die Ex-Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva und Dilma Rousseff. Die Ermittlungen gründen sich auf Aussagen von Odebrecht-Mitarbeitern. Den Politikern wird vorgeworfen, gegen den Erhalt von Schmiergeldern geholfen zu haben, an Aufträge des staatlichen Ölkonzerns Petrobras zu kommen.

          Den Ermittlern sollen Beweise vorliegen, dass beim Bau der Sportstadien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien ebenfalls illegal Gelder geflossen seien. Odebrecht hat mindestens vier der zwölf WM-Stadien gebaut. Zahlreiche Politiker haben die Anschuldigungen zurückgewiesen und die Aussagen der Odebrecht-Mitarbeiter als unglaubwürdig bezeichnet.

          Der Korruptionsskandal um die staatlich kontrollierte Ölgesellschaft Petrobras zieht in Brasilien seit zwei Jahren immer weitere Kreise. Der Petrobras-Konzern, der allein für zehn Prozent aller Investitionen in Brasilien verantwortlich war, musste zahlreiche Großprojekte stoppen. Fast alle großen Bauunternehmen in Brasilien stehen unter Anklage, den Staat durch Preisabsprachen bei Aufträgen von Petrobras und anderen Staatsunternehmen um Milliarden betrogen zu haben.

          Bestechungsgelder von zwei Milliarden Dollar sollen in die Taschen von korrupten Managern und Politikern sowie in die Kassen der Parteien geflossen sein. Neben ehemals führenden Politikern sitzen emblematische Unternehmer wie Marcelo Odebrecht, der frühere Chef des größten brasilianischen Baukonzerns, in Haft.

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