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Schmiergeld-Affäre : Siemens erwartet eine Milliarde Euro Strafe

  • Aktualisiert am

Siemens bildet schon einmal Rückstellungen Bild: Tobias Schmitt

Seit Monaten verhandelt Siemens mit der amerikanischen Börsenaufsicht über eine Strafe im Schmiergeld-Skandal. Jetzt hat der Münchener Elektrokonzern erstmals die zu erwartende Strafe für seine Verfehlungen geschätzt. Von einer Milliarde Euro ist die Rede.

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          Auf diesen Moment hatten alle Beobachter von Siemens seit Monaten gewartet: Der Münchener Mischkonzern schätzt erstmals die zu erwartende Strafe für seine Schmiergeld-Verfehlungen ab. Auf 1 Milliarde Euro sollen sich demnach die Zahlungen belaufen. In dieser Höhe bildet Siemens vorsorglich schon einmal Rückstellungen. Das ist weniger als befürchtet.

          Die amerikanische Börsenaufsicht SEC dürfte den größten Batzen einfordern. Die Behörde gilt als unerbittlich bei der Ahnung von Fehlern und entsprechend groß war die Sorge. Doch auch in anderen Ländern - allen voran Deutschland - ermittelt die Justiz wegen der dubiosen Zahlungen von 1,3 Milliarden Euro, mit denen sich Siemens vielfach Aufträge erkauft hat.

          Entwarnung für die Anleger

          Eine Strafe über 1 Milliarde Euro klingt im ersten Moment zwar viel. Doch für Börsianer war die Siemens-Meldung vom Mittag eher eine Entwarnung. Denn die Spekulationen über die zu erwartende Summe lauteten alleine für die SEC über 3, 4 oder 5 Milliarden Euro. Entsprechend erleichtert reagierten die Anleger und griffen bei der Aktie zu.

          Dass Siemens gerade jetzt mit der Sprache herausrückt, kommt nicht von ungefähr. Am Donnerstag nächster Woche legt das Unternehmen seine Jahresbilanz vor und versucht bis dahin, möglichst viele Lasten noch mitzunehmen. Der Hintergrund ist ein steuerlicher: Zu Jahresbeginn hatte der Verkauf des Autozulieferers VDO den Gewinn in schwindelerregende Höhen getrieben. Je niedriger nun das Ergebnis am Ende des Jahres, desto weniger Geld muss Siemens an den Fiskus überweisen.

          „Keine große Überraschung“

          Die Summe, die das Unternehmen bislang für die Schmiergeld-Affäre berappt hat, darf sich allerdings kein Aktionär vor Augen führen. Knapp 800 Millionen Euro kosteten Anwälte und Berater, die Siemens auf der Suche nach schwarzen Konten auf den Kopf gestellt haben. Gut 600 Millionen Euro sind bereits für Strafen fällig geworden. Und dann war da noch das Finanzamt, dass eine halbe Milliarde gefordert hat, weil Siemens mit seinem Geld anders umgegangen ist als in der Steuererklärung vermerkt.
          Nun kommt also noch 1 Milliarde auf die 1,9 Milliarden schon gezahlten Euro oben drauf. Die Aufregung hielt sich aber nach all den Monaten voller Enthüllungen in Grenzen. Ein Börsianer kommentierte lapidar: Das sei doch „keine große Überraschung“.

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