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Schlecker spart : Zeitkonten statt Bankkredit

So schlimm jedenfalls scheint die Lage zu sein, dass Schlecker nun offenbar seine Beschäftigten als billige Geldquelle entdeckt hat Bild: ddp

Schleckers Umsatz geht rapide zurück: Die Lage scheint so schlimm zu sein, dass das Unternehmen nun seine Beschäftigte als billige Geldquelle entdeckt - und zahlt keine Überstunden mehr aus. Damit befinde es sich in bester Gesellschaft, teilt Schlecker mit.

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          Anton Schlecker ist kein bisschen müde, auch mit 65 Jahren nicht. „Morgens um 6.45 Uhr sitze ich im Büro. Meine Frau kommt meist ein bisschen später. Abends um 19 Uhr gehen wir dann wieder nach Hause. Unsere Arbeit ist unser Leben.“ So beschrieb Schlecker Anfang des Jahres in einem seiner seltenen Interviews seinen Arbeitsalltag und fügte hinzu: „Ich bin topfit.“ Tatsache ist: Anton Schlecker hat allen Grund, sich intensiv um sein Imperium zu kümmern, sonst zerfällt es. „Seit 2004 verlieren wir in Deutschland, unserem mit Abstand wichtigsten Markt, an Umsatz“, räumte Schlecker ein. Und offenbar wird es immer schlimmer. In den ersten vier Monaten 2010 habe Schlecker in Deutschland 16 Prozent weniger umgesetzt als im Krisenjahr zuvor, berichtet Wolfgang Twardawa von der Konsumforschungsgesellschaft GfK. Im ersten Halbjahr habe Schlecker hierzulande 1,2 Millionen Haushalte als Käufer verloren.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Weil Schlecker mit Zahlen knausert, lässt sich die Situation nicht genauer beschreiben. So schlimm jedenfalls scheint die Lage zu sein, dass Schlecker nun offenbar seine Beschäftigten als billige Geldquelle entdeckt hat. Während es bisher üblich war, dass die meist nur in Teilzeit beschäftigten Mitarbeiterinnen ihre Überstunden im nächsten Monat ausbezahlt bekamen, hält die Filialkette aus dem schwäbischen Ehingen das Geld für die Überstunden seit Juni zurück (siehe Schlecker zahlt keine Überstunden aus).

          Arbeitszeitkonten gängige Praxis

          Bei insgesamt 38.000 Beschäftigten in Deutschland summiert sich schnell ein Millionenbetrag. Die Frage, wie hoch die Summe ist, beantwortet das Unternehmen jedoch nicht. Stattdessen wird erklärt, dass man sich mit einer solchen Aktion doch in bester Gesellschaft befinde. Arbeitszeitkonten seien doch mittlerweile gängige Praxis, heißt es in einer allgemein gehaltenen schriftlichen Stellungnahme, die diese Zeitung als Antwort auf konkrete Fragen erhielt: „Dies ist in keiner Weise unanständig, da wir sehr großen Wert darauf legen, dass sämtliche geleisteten Mehrstunden erfasst werden und den Mitarbeitern im Rahmen der Lohn- und Gehaltsabrechnung jeweils der Stand des Arbeitszeitguthabens ausgewiesen wird.“

          Anton Schlecker auf einem Archivbild aus dem Jahr 1999

          Indes, geregelt ist nichts. Die Mitarbeiter wissen nicht, wann und wie das Zeitguthaben wieder ausgeglichen wird, ob und wie es verzinst ist und wie das Guthaben abgesichert ist. Bis zum vergangenen Freitag erklärte die untere Führungsebene von Schlecker sogar noch gegenüber den Betriebsräten, es handele sich um einen Fehler, die Summe werde im August ausbezahlt. Erst als Schlecker gegenüber dieser Zeitung die Einrichtung von Arbeitszeitguthaben als Grund für die Nichtauszahlung der Überstunden nannte, wurde klar, dass die Sache System hat.

          Imageverluste gefährden das Unternehmen

          Verhandlungen darüber oder auch nur Gespräche mit Betriebsrat oder Gewerkschaften gab es nicht. Für die 52 Mitglieder des Schlecker-Gesamtbetriebsrats ist die Sache jedenfalls eine Steilvorlage für den Gang zum Arbeitsgericht Ulm. „Arbeitszeitkonten sind ein Fall für die harte Mitbestimmung, schon weil bisher die Auszahlung üblich war“, erklärt Achim Neumann, der im Vorstand der Gewerkschaft Verdi für Schlecker zuständig ist. „Ich verstehe das nicht, Schlecker hat eine Rechtsabteilung, die das Betriebsverfassungsgesetz rauf- und runterbeten kann.“ Und er fügt hinzu: „Der Versuch, bei Schlecker endlich Normalität einkehren zu lassen, wird damit von Schlecker selbst torpediert.“

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