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Schlecker spart : Zeitkonten statt Bankkredit

Vielleicht ist es für Normalität auch viel zu spät. Das Misstrauen der Beschäftigten sitzt tief, und die Abscheu der Kunden gegenüber einem so erkennbar unsozialen Arbeitgeber wird offenbar mittlerweile zum existentiellen Problem für die Filialkette. Sogar bei Schlecker selbst räumt man das ein. So schreibt Marketingdirektor Uwe Blank dieser Zeitung, dass „Schlecker seit vielen Monaten stark unter Imageverlusten leidet, die das Unternehmen und damit auch Arbeitsplätze gefährden.“ Das Unternehmen gefährdet? Rückfragen beantwortet Schlecker nicht: Fehlt es gar an Liquidität? Werden die Überstunden deshalb nicht ausbezahlt? Vor einem halben Jahr jedenfalls hat Anton Schlecker ganz anders gesprochen: „Ich kann Ihnen versichern, dass wir keine Bankschulden haben. Unsere Immobilien, also die Bürogebäude, die Lager und Kaufhäuser, sind unbelastet“, sagte er gegenüber dem „Manager Magazin“. Ob sich seit dem Interview im Januar die Lage so dramatisch verschlechtert hat? Er glaube, aktuell rede man bei Schlecker die eigene Lage schlecht, um bei den Beschäftigten Angst zu erzeugen - dann könnten ungünstige Regelungen leichter durchgesetzt werden, meint Verdi-Mann Achim Neumann, ohne selbst Näheres zu wissen. Nur, dass die Familie Schlecker in der Liste der reichsten Deutschen mit 2,7 Milliarden Euro Vermögen aufgelistet sei, fällt ihm noch ein.

Warenbestellungen kommen nur noch unvollständig an

Die Beschäftigten machen sich derweil ihre eigenen Gedanken. Ihr sei aufgefallen, berichtet eine Mitarbeiterin, dass seit einiger Zeit die Warenbestellungen unvollständig ankämen. Was das zu bedeuten hat? Sie weiß es nicht, weiß nur, dass es in anderen Filialen auch so ist. Den Kunden, die vor leeren Regalen stehen, kann sie keine Erklärung liefern. Und sie weiß auch, dass sie wird leiden müssen, wenn der Umsatz in ihrer Filiale deswegen zurückgeht und sie so die Zielvorgaben nicht einhält: Dann, so berichtet sie, kürze Schlecker das Stundenkontingent für die jeweilige Filiale. Folge: Die Probleme verschärfen sich.

Was in der Schlecker-Zentrale gegen den Umsatz- und Kundenschwund getan wird, lässt sich nur in der Rückschau betrachten - denn über die Strategie ist mangels Öffentlichkeitsarbeit wenig bekannt. Eine Reaktion war seit Ende 2008 die Einrichtung von Schlecker XL-Filialen. Mit modernen Läden mit breiterem und tieferem Sortiment, mittlerweile 360 an der Zahl, wollte man es den kleineren, aber kräftig wachsenden Konkurrenten DM, Rossmann und Müller gleich tun. Der Schuss aber ist nach hinten losgegangen, wie der GfK-Experte Wolfgang Twardawa meint: „Früher war Schlecker vielleicht nicht besonders attraktiv für die Kunden, aber wenigstens war er zu Fuß erreichbar, um die Ecke, eine Art Tante Emma selbst im kleinen Ort. Jetzt muss man sich ins Auto setzen, das tut man dann doch nicht.“

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