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Schlecker : Die Chronik von Aufstieg und Fall

  • -Aktualisiert am

Tristes Bild: Mit Schlecker ist es endgültig vorbei Bild: dapd

Die Geschichte der Schleckers könnte einen Kinofilm füllen: Erst baut Vater Anton ein Imperium auf. Die Kinder werden entführt und können sich befreien. Die Eltern werden wegen Dumpinglöhnen verurteilt - und am Ende bricht alles zusammen. Eine Chronik.

          Die Drogeriekette Schlecker aufzubauen, dauerte mehr als 30 Jahre - der Verfall dauerte nur 4.

          1944 Anton Schlecker wird in Ulm geboren.

          1965 Schlecker, von Beruf gelernter Metzger mit Meistertitel, steigt in die Firma seines Vaters ein, eine Fleischwarenfabrik mit mehreren Metzgereien. Im selben Jahr eröffnet er in Ehingen ein SB-Warenhaus.

          1970 Schlecker heiratet. Anton Schlecker zieht mit Ehefrau Christa und den Kindern Lars und Meike in die neu erbaute Familienvilla in Ehingen.

          1974 Die Preisbindung für Drogerieartikel wird aufgehoben. Statt kleinerer Drogeriefachgeschäfte können nun auch Ketten nach dem Discount-Prinzip eröffnet werden. In dieser Zeit gründet auch Götz Werner seine DM-Drogeriemärkte.

          1975 Anton Schlecker gründet in Kirchheim/Teck seine erste Drogerie. Das Unternehmen expandiert rasch. Nach zwei Jahren gibt es bereits 100 Schlecker-Drogerien.

          1984 Nach nur neun Jahren wird bereits die tausendste Drogerie eröffnet.

          1987 Die Expansion ins europäische Ausland beginnt mit der Eröffnung von Märkten in Österreich. Es folgen in den nächsten Jahren Spanien und die Benelux-Länder (1989), Frankreich (1991), Italien (1999) und ab 2000 Dänemark und Polen (2004), Tschechien und Ungarn (2005) und Portugal (2006).

          Die Schlecker-Kinder werden entführt

          22. Dezember 1987 Die Kinder Meike und Lars werden entführt. Die Entführer erpressen 4,9 Millionen Euro Lösegeld. Die Jugendlichen können sich selbst befreien. Die Täter allerdings werden erst im Folgejahr gefasst. Seit diesem einschneidenden Erlebnis zieht sich die Familie immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück. Die Verschwiegenheit der Kette soll auch in diesem Ereignis begründet sein.

          Von 1990 an Mit dem Fall der Mauer weitet die Schleckerkette mit enormem Tempo ihr Geschäft nach Ostdeutschland aus.

          1994 Die Gewerkschaft HBV erhebt schwere Vorwürfe gegen Schlecker. Das Unternehmen zahle unter Tarif, betreibe Scheinarbeitsverhältnisse, behindere Betriebsratswahlen und schikaniere Mitarbeiter. Die Staatsanwaltschaft durchsucht den Firmensitz in Ehingen. Diese Anschuldigungen werden in den nächsten Jahren in ähnlicher Form immer wieder erhoben.

          1995 Schlecker verfügt über rund 5800 Filialen und beschäftigt 25.000 Mitarbeiter.

          Anton Schlecker zeigte sich nicht oft - aber 1999 tauchte er vor Gericht auf und sagte als Zeuge aus. Damals wurde die Entführung seiner Kinder verhandelt.

          Die Eltern werden verurteilt

          1998 Anton Schlecker und seine Ehefrau Christa werden vom Amtsgericht Stuttgart zu jeweils 10 Monaten auf Bewährung verurteilt. Sie haben über Jahre ihren Mitarbeitern eine tarifliche Bezahlung vorgetäuscht.

          2007 Übernahme der insolventen Osnabrücker Drogeriekette Ihr Platz. Auf einen Schlag kommen damit rund 700 Filialen hinzu. Schlecker verfügt damit über mehr als 14400 Geschäfte in 17 Ländern. Allerdings stimmen Umsatz und Ertrag nicht.

          2008 Schlecker macht nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen trotz eines Umsatzes von 7,4 Milliarden Euro mehr als 50 Millionen Euro Verlust.

          Die Kinder steigen ins Unternehmen ein

          2010 Der Umgang mit den Mitarbeitern bringt Schlecker erneut in die Kritik. Medien berichten von Überwachungskameras, Leiharbeitsverträgen und schlechter Bezahlung. Der Ansehensverlust macht sich auch in den Geschäftszahlen bemerkbar. Der Umsatz sinkt auf 6,5 Milliarden Euro, die Verluste wachsen. Um positive Schlagzeilen bemüht, holt Anton Schlecker seine Kinder Lars und Meike in die Führung des Unternehmens. Ein neues Bild der Offenheit soll das angekratzte Image aufpolieren. Mit 2,3 Milliarden Euro Privatvermögen gehören die Schleckers zu den reichsten Familien Deutschlands.

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