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Schlechte Investitionen in Amerika : Thyssen wird seine Probleme nicht los

  • -Aktualisiert am

Thyssens Stahlwerk in der Sepetiba-Bucht bei Rio de Janeiro Bild: dpa

Der Stahlkonzern Thyssen-Krupp ist sein Amerikageschäft immer noch nicht los. Weitere Wertverluste könnten die Folge sein. Auch auf anderen Baustellen kommt das Unternehmen kaum voran.

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          Im größten deutschen Stahlkonzern Thyssen-Krupp ist die Geschäftsentwicklung in diesem Jahr zweitrangig. Den einst stolzen Dax-Konzern bedrohen jenseits der Tagesgeschäfte zwei Krisenherde: der Rückzug aus der Produktion in Amerika und ein weiterer, höchst schadenträchtiger Skandal mit Preisabsprachen bei Produkten für die Autoindustrie.

          Seit das Unternehmen im November 2012 den halben Vorstand vor die Tür setzte, dann mit knapp 5 Milliarden Euro einen Rekordverlust veröffentlichte und eine Kulturrevolution ankündigte, fährt der Börsenkurs Achterbahn. Der Treibsatz für die Kurssprünge nach oben und unten heißt Steel Americas. Gebannt schaut die Öffentlichkeit deshalb auf die Verhandlungen zum Verkauf der Stahlhütte in Brasilien und der Walzwerke in Alabama in den Vereinigten Staaten. Denn hier schlummern noch immer große Gefahren.

          Verliert die Krupp-Stiftung die Kontrolle?

          Der von Heinrich Hiesinger geführte Vorstand hat nach Abschreibungen in Milliardenhöhe auf diese gewaltigen Fehlinvestitionen beschlossen, das Horror-Kapitel Steel Americas noch in diesem Geschäftsjahr 2012/2013 (Stichtag 30. September) zu beenden. Das Problem: Spekulationen, dass damit ein weiterer gewaltiger Abschreibungsbedarf verbunden sein könnte, der dann die Zufuhr neuen Eigenkapitals erzwingen und die Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung die Rolle als Ankeraktionär kosten würde, werden immer konkreter.

          Der gescheiterte Amerika-Ausflug hängt damit wie ein Damoklesschwert über dem Schicksal des Stahl- und Investitionsgüterkonzerns. Seit 2006 hat Thyssen-Krupp für die beiden Werke 12 Milliarden Euro in Form von Investitionen und zum Verlustausgleich aufgewendet. Nach mehreren gewaltigen Wertkorrekturen - davon allein 4,4 Milliarden Euro im vergangenen Geschäftsjahr - steht Steel Americas nun noch mit 3,9 Milliarden Euro in den Büchern. Im Zuge dieser Abschreibungen sind im vergangenen Geschäftsjahr die Nettofinanzschulden auf 5,8 Milliarden Euro aufgebläht und die Eigenkapitalquote auf 11,8 Prozent glatt halbiert worden.

          Diffuse Nachrichtenlage

          Fast jede neue Wasserstandsmeldung zum Stand der Verkaufsverhandlungen bewegt den Kurs der Thyssen-Krupp-Aktie. Dabei ist die Nachrichtenlage höchst diffus. Die Gerüchte reichen von „kein einziges ernsthaftes Angebot“ bis zu verbindlichen Geboten nahe den Buchwerten. Dazwischen liegen Milliarden - und damit entsprechende Abschreibungserfordernisse. Am glaubhaftesten sind wohl Verhandlungen mit dem von Benjamin Steinbruch geführten brasilianischen Stahlkonzern CSN Companhia Siderurgica Nacional.

          Inzwischen gilt die CSN zumindest in der brasilianischen Presse als einziger Bieter für beide Standorte. Dabei werden höchst unterschiedliche Gebote kolportiert. Bestenfalls soll CSN 3,9 Milliarden Dollar bieten. Andererseits soll es auch noch Verhandlungen mit der Arcelor-Mittal geben, deren Chef Lakshmi Mittal wiederholt starkes Interesse an den Walzwerken in Alabama erklärt hat. Für diesen Standort soll Mittal im Konsortium mit Nippon Steel und Sumitomo Metal angeblich ein verbindliches Angebot über 2 Milliarden Dollar aufrechterhalten.

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