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Teilerfolg für Hedgefonds : Schlappe für Aareal Bank

Die Zentrale der Aareal Bank in Wiesbaden Bild: dpa

Aktionär Petrus setzt sich auf der Hauptversammlung mit seiner Kritik an der Vorstandsvergütung durch. Nicht immer eine gute Figur macht die Aufsichtsratsvorsitzende. Marija Korsch kann aber ihren Posten behaupten.

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          Mit einer Fülle von Fragen zu den Reisekosten durch Flüge und Dienstwagen und vor allem zu den Gehältern, Boni und Pensionen des Vorstandes haben Aktionäre der Aareal Bank Vorstand und Aufsichtsrat in Atem gehalten. Nach mehr als fünfeinhalb Stunden virtueller Hauptversammlung musste der Aufsichtsrat mit der Vorsitzenden Marija Korsch am Dienstag eine Niederlage hinnehmen. Nur 37 Prozent der Aktionäre stimmten für das vom Aufsichtsrat beschlossene Vorstandsvergütungssystem. Doch dem Hedgefonds Petrus Advisers, der mit 9,6 Prozent der Aktien einer der beiden größten Eigner Aareals ist, ging es eigentlich um mehr.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Petrus wollte zusammen mit dem Schweizer Vermögensverwalter Teleios, dem rund 7 Prozent der Aareal-Aktien zugerechnet werden, drei von acht Aufsichtsräten der Kapitalseite, darunter die Vorsitzende Marija Korsch, abwählen. Mit stattdessen drei neuen Aufsichtsräten wollte Petrus den Vorstand anschließend zu einer Strategieänderung zwingen und den Komplettverkauf der IT-Sparte Aareon durchsetzen. Doch die Abwahl der drei Aufsichtsräte Korsch, Christof von Dryander und Dietrich Voigtländer, die für Petrus für die hohen Vorstandsgehälter verantwortlich sind, scheiterte. Von 55 Prozent des Grundkapitals, das an der Abstimmung teilnahm, sprachen Korsch 69 Prozent ihr Vertrauen aus.

          Deka unterstützt Kritik

          Dabei hat Petrus’ Kritik am Vorstandsvergütungssystem durchaus bei weiteren Aktionären verfangen. Die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka Investment, die ähnlich viele Aareal-Aktien besitzt, hält „die Vergütung im Branchenvergleich für unangemessen“. Für das Jahr 2020 haben die sechs Aareal-Vorstandsmitglieder 5,9 Millionen Euro Festgehalt und 3,7 Millionen Euro variabel („Boni“) erhalten – obwohl die Bank erstmals seit 2005 einen Jahresverlust einfuhr und die Aktie wegen schwacher Wertentwicklung vom M-Dax in den S-Dax abstieg.

          AAREAL BANK

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          Wie Korsch ausführte, habe der Vorstand dennoch die ihm im Jahr 2020 zuvor gesteckten Ziele zu 70 Prozent erreicht. In die variable Vergütung sei auch mit 20 Prozent ein Faktor („Modifier“) eingeflossen, der für vom Vorstand nicht zu verantwortende verschlechterte wirtschaftliche Aussichten vorgesehen sei. Die Corona-Pandemie sei eine solche Ausnahme, argumentierte Korsch. Darüber hinaus erklärte sie, die Boni für 2020 erhalte der Vorstand nicht nur für seine Leistung in dem einen Jahr. Vielmehr fließe in die Boni die Zielerreichung der vergangenen drei Jahre ein. Die Aareal Bank wolle den Vorstand gemessen am langfristigen Unternehmenserfolg entlohnen. Vertreter von Petrus dagegen kritisierten, dass jedes Vorstandsmitglied Aareals bis zu 5,5 Millionen Euro im Jahr verdienen könne.

          Korsch entgegnete, dabei handele es sich um einen theoretischen Fall. Die Angemessenheit der Vergütung werde sichergestellt durch einen Vergleich mit ähnlichen Unternehmen aus Dax, M-Dax und S-Dax („Peer Group“). Korsch legte aber nicht offen, wer die Vergleichsunternehmen sind. Sie nannte aber den Wirtschaftsprüfer HKP als externen Vergütungsberater, der den Aufsichtsrat unterstützt und die Angemessenheit der Vorstandsgehälter bestätigt habe. Petrus dagegen hatte umfangreich argumentiert, dass Aareal die höchsten Vorstandsgehälter aller Banken zahlt – etwa auch im Vergleich mit Hauptrivale Deutsche Pfandbriefbank.

          Korsch sagte außerdem, sie habe vor der Einführung mit allen maßgeblichen Aktionären das Vorstandsvergütungssystem diskutiert. Die Aufsichtsratsvorsitzende beantwortete aber nicht die Frage, bei welchen Aktionären es auf Zustimmung gestoßen ist. Nachdem das Vergütungssystem am Dienstag auf der Hauptversammlung von einer deutlichen Mehrheit abgelehnt wurde, kündigte Korsch nun einen veränderten Vorschlag an, über den die Aktionäre spätestens auf der nächsten ordentlichen Hauptversammlung im Jahr 2022 abstimmen sollen.

          Suche nach neuem Chef

          Dann wird es auch einen neuen Vorstandsvorsitzenden geben. Hermann Merkens hatte im November wegen einer schweren Krankheit sein Amt ruhen lassen, inzwischen ist klar, dass er nicht zurückkommt. Die Suche nach einem neuen Vorstandschef unter internen und externen Kandidaten sei in fortgeschrittenem Stadium und werde von ihr mit Hochdruck, aber auch mit der gebotenen Sorgfalt vorangetrieben, sagte Korsch.

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