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Schiffsbauer : Vor dem Untergang

  • -Aktualisiert am

Geht bei vielen Schiffsbauern bald das Licht aus? Bild: dpa

Den Werften droht der Absturz: Der größte deutsche Schiffsbauer Wadan wankt bereits, seit Oktober 2008 hat keine deutsche Werft mehr einen Auftrag bekommen und die Banken geben kein Geld. Nun soll auch dieser Branche der Staat helfen.

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          Die Wadan-Werften in Wismar und Warnemünde sind für Mecklenburg-Vorpommern das, was man gemeinhin als Leuchttürme bezeichnet: Mit 2360 Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Region, mit 168 Auszubildenden eines der letzten Bollwerke vor der endgültigen Vergreisung eines Landstrichs.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Gehen auf dem Turm nun bald die Lichter aus - und auch in der ganzen Branche? Die Finanzkrise trifft die deutschen Werften mit voller Wucht. Weil es nicht mehr viel zu transportieren gibt und in ein paar Jahren ohnehin weltweit eine Überkapazität an Schiffstonnage auf viel zu wenig Nachfrage trifft, bestellen die Reeder keine neuen Schiffe. Der größte deutsche Schiffsbauer Wadan wankt bereits. Ganze zwölf Aufträge sind derzeit noch im Bestand, das letzte Schiff soll im dritten Quartal 2010 ausgeliefert werden. „Wir brauchen in absehbarer Zeit neue Bestellungen“, sagt ein Sprecher.

          Die Banken winken ab - zu risikoreich

          Bis dahin will allerdings erst die Gegenwart überlebt werden: Weil Werften den Bau der Schiffe fast vollständig selbst vorfinanzieren müssen, braucht Wadan frisches Kapital, um die noch bestellten Schiffe überhaupt bauen zu können. Doch die Banken winken ab: Risiko - nein danke. Im vergangenen Dezember sprang das klamme Land mit einem Darlehen von 60 Millionen Euro ein. Für die zwölf ausstehenden Schiffe braucht Wadan darüber hinaus die stolze Summe von 180 Millionen Euro.

          Ein Fall für die Bundesregierung, an deren Spitze mit Angela Merkel eine Frau steht, der die maritime Wirtschaft am Herzen liegt - und ihr Wahlkreis in Stralsund. „Die Kanzlerin hat viel mit den Banken über das Problem geredet“, heißt es in Berlin. „Das ist Chefsache.“ Doch Machtworte helfen nicht. Der größte Schiffsfinanzierer HSH Nordbank japst derzeit selbst nach Luft und tritt bei der Kreditvergabe kräftig auf die Bremse. Tiefes Misstrauen schlug der Regierungskoordinatorin für maritime Wirtschaft Dagmar Wöhrl (CSU) entgegen; als sie sich kürzlich mit den schiffsfinanzierenden Banken traf. Also schnürte sie am Wochenende in Genshagen vor den Toren der Hauptstadt den versammelten Schiffbauern ein dickes Paket staatlicher Fürsorge.

          Staatsgarantien für die Schiffsbauer

          So sind die Werften als einzige gesonderte Branche explizit im Konjunkturpaket II genannt und dürfen unter den Rettungsschirm des Bundes schlüpfen, der ihre Kredite für die Bauzeitfinanzierung zu 90 Prozent absichert. Die Zinssubvention, nach der der Bund den Banken die Differenz zahlt, falls der Zinssatz den vereinbarten übersteigt, dürfen die Werften nun auch nachträglich in Anspruch nehmen. Das Volumen für Hermes-Bürgschaften, mit denen der Staat die exportierenden Bootsbauer vor dem Zahlungsausfall ihrer ausländischen Kunden schützt, wird um 80 auf 300 Millionen Euro ausgeweitet.

          Die Kreditlaufzeit aus dem KfW-Programm kann jetzt statt drei Jahren auch ein Jahr betragen, das ist wichtig für die Bauzeitfinanzierung der Schiffe. „Wir müssen den Werften helfen, das andere Ufer zu erreichen“, sagt Wöhrl. 23.000 Beschäftigte zählen die Bootsbauer, in den Zulieferbetrieben sind es 75.000. Viele Werften hätten ihr Überleben nicht mehr allein in der Hand.

          Seit Oktober kein einziger Auftrag mehr

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