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Schifffahrt : Stau auf den Weltmeeren

Auf ungewissem Kurs Bild: Archiv

Schwere Stürme wirbeln den Fahrplan der Reeder durcheinander. Containerfrachter rund um den Globus erreichen ihr Ziel verspätet. Und weil die Lieferketten so eng verzahnt sind, stöhnen auch die Spediteure an Land.

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          Der Seetransport ist ein kompliziertes Geschäft. Jedes Zahnrad muss perfekt ineinander greifen, damit Waren aus allen Teilen der Erde rechtzeitig ihr richtiges Ziel erreichen. In diesen Tagen ist das weltumspannende Geflecht aus Schiffstransport, Lastwagenverkehr und Schienenlogistik kräftig durcheinander geraten. Containerfrachter rund um den Globus erreichen ihr Ziel teils mit mehreren Tagen Verspätung. Spediteure stöhnen und auf den Terminals der Hafenbetriebe stapeln sich die Container. „So etwas haben wir in dieser Form noch nicht erlebt“, sagte der Vorstand des Marketingvereins des Hamburger Hafens, Axel Mattern, am Donnerstag vor Journalisten.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Das Problem betrifft die wichtigste Lebensader im Welthandel, die Schifffahrtsroute von Asien nach Europa. Über diesen Weg transportieren riesige Containerfrachter jedes Jahr Abermillionen Stahlboxen. Reedereien wie Maersk oder Hapag-Lloyd lassen ihre Schiffe hier zu Fahrplänen pendeln, die so eng gestrickt sind, dass Kunden aus der Industrie mehrmals täglich ihre Produkte in Richtung China oder von dort aus nach Deutschland oder Polen schicken können.

          Wirbelsturm auf dem Indischen Ozean

          Auslöser für die Probleme auf dieser bedeutenden Strecke waren mehrere Unwetter auf See. So tobte auf dem Indischen Ozean über mehrere Tage ein tropischer Wirbelsturm. Auch vor den Küsten Frankreichs und Englands machten heftige Böen den Frachtern zu schaffen. Die Verspätung, welche die Pötte dadurch eingefahren haben, heben nun die weitere Lieferkette aus den Angeln.

          Kleine Zubringerschiffe, die Container von großen Frachtern übernehmen und zum Beispiel in die Ostseeregion weitertransportieren, können die Stahlboxen nicht rechtzeitig aufladen und müssen teils im Hafen liegenbleiben. Zugleich stapeln sich auf den Terminals von Unternehmen wie der Hamburger Hafen und Logstik AG (HHLA), dem größten Hafenbetrieb der Stadt, die Container für den Export, weil diese nicht rechtzeitig abgeholt werden.

          In den Häfen stapeln sich die Container

          Ein Sprecher der HHLA sagte, man arbeite daran, den Rückstand aufzuholen. Für die HHLA ist das alles lästig. Sie ächzt ohnehin unter steigenden Kosten, weil die abzufertigenden Schiffe immer größer werden und die heiß ersehnte Elbvertiefung juristisch blockiert ist. Die Aktie der HHLA hat in den vergangenen Jahren rund 40 Prozent an Wert verloren und kostet zurzeit noch 19,31 Euro.

          In anderen großen Häfen, etwa in Rotterdam und Antwerpen ist die Situation ähnlich. Auch dort stapeln sich die Stahlboxen. Früher hätten Reeder das Problem gelöst, indem sie ihre Schiffe schlicht schneller fahren ließen oder zusätzliche Frachter losschickten, um die verlorene Zeit wieder hereinzufahren. Doch angesichts hoher Treibstoffpreise und der seit sechs Jahren andauernden Schifffahrtskrise vermeiden sie nun die damit einhergehenden Zusatzkosten.

          Im Februar wurde die britische Küste von einer Sturmserie getroffen
          Im Februar wurde die britische Küste von einer Sturmserie getroffen : Bild: AFP

          Die Industriekunden und die Spediteure sind genervt. Ihre logistischen Abläufe beruhen auf den Fahrplänen der Reeder. „Das ist ärgerlich und ein großes Problem für unsere Kunden“, sagt Markus Lingohr, zuständiger Manager für Luft- und Seefracht der Spedition Hellmann. In seiner Branche rechnen nicht wenige damit, dass die Mehrkosten am Ende bei den Speditionshäusern und den Endkunden hängenbleiben. Schließlich sind die Stürme wohl als höhere Gewalt zu sehen, die nicht den Reedern anzulasten ist.

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