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Schifffahrt : Schwimmende Sicherheitsrisiken auf dem Rhein

  • -Aktualisiert am

Rhein bei Leverkusen Bild: dpa

Osteuropäische Matrosen und Kapitäne strömen auf den Rhein. Französisch, Deutsch oder Niederländisch beherrschen sie oft nicht. Auch Sparmaßnahmen im Wasserschutz und Bauarbeiten an Brücken sorgen für Probleme.

          6 Min.

          Auf dem Rhein, Europas wichtigster Wasserstraße, wird es wahrscheinlich noch über Jahre Sicherheitsprobleme geben. Vor allem aufgrund der Osterweiterung der Europäischen Union, insbesondere der Öffnung des Arbeitsmarkts, strömen viele osteuropäische Matrosen und sogar einige Kapitäne auf den Rhein, die nicht mehr ausreichend eine der offiziellen Rheinsprachen Französisch, Deutsch oder Niederländisch beherrschen. Auch mit Englisch sieht es oft nicht besser aus. Zudem haben die zuständigen Behörden große Schwierigkeiten, zu überprüfen, ob die ihnen vorgelegten Fahrtenbücher und ähnliche Dokumente echt sind. Es gilt als ein offenes Geheimnis in der Branche, dass man sich zur Zeit in Osteuropa alle Dokumente kaufen kann, die man haben möchte. Es besteht daher die Gefahr, dass unerfahrenes oder gar unfähiges Personal die Schiffe führt.

          Das ist ein Problem, weil bei Unfällen und anderen Zwischenfällen die Kommunikation und die Streckenkenntnis mitentscheidend sind, ob es bei einem harmlosen Unglück bleibt oder zu einer Katastrophe kommt. Die beiden Entwicklungen zeigten sich schon in den Unfallzahlen. In einem Protokoll der Prüfungskommissionen für das Rheinpatent, dem Rheinführerschein, aus dem Jahr 2011 ist vermerkt, dass über 50 Prozent der Unfälle durch menschliche Fehler verursacht werden, die in vielen Fällen auf ein Verständigungsproblem zurückzuführen seien. Aus der für die Sicherheit des südlichen Teils des Rheins bis kurz vor Bonn zuständigen Revierzentrale Oberwesel der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes heißt es, dass es immer wieder zu Unfällen aufgrund von Sprachschwierigkeiten oder unzureichender Streckenkenntnis komme. Die Mitarbeiter der größten Rheinschleuse in Iffezheim bei Baden-Baden berichten, dass schon Schiffe, die aufgrund eines Unfalls umdrehen sollten, es nicht getan haben, weil sie die Funksprüche nicht verstanden hätten.

          Vergabe der Fahrtenbücher nicht kontrollierbar

          Die für die Verordnungen des Rheins länderübergreifend zuständige Zentralkommission für die Rheinschifffahrt mit Sitz in Straßburg bestätigt diese Probleme. „Wir sind uns bewusst, dass es in den vergangenen Jahren Sprachschwierigkeiten gegeben hat“, sagt Hans van der Werf, Generalsekretär der Zentralkommission. Die Sprachprobleme seien deutlich in der Fachpresse kommuniziert worden, und die Branche sei sich dessen nun auch bewusst, sagt van der Werf. „Ich schließe aber nicht aus, dass es noch Verbesserungsbedarf gibt.“

          Auch das zweite Problem, die womöglich fehlende Streckenkenntnis, streitet er nicht ab. „Wir sind momentan nicht in der Lage, zu kontrollieren, wo jemand seine Fahrtenbücher her und ob er nicht an anderer Stelle schon einmal ganz andere Dokumente vorgelegt hat.“ Die Vergabe dieser Dokumente sei nicht so offiziell wie die Vergabe eines Passes. „Wir können nicht verneinen, dass das zu gewissen Problemen führt.“ Eine Elektronisierung der Verwaltung und ein damit einhergehender Abgleich der Daten sei in Arbeit, es werde aber noch Jahre brauchen, bis es so weit sei. Auch werde über Erweiterungen der offiziellen Rheinsprachen um Englisch und vieles mehr diskutiert.

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