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Schifffahrt : Bedrohlicher Pakt der Giganten

Ganz schön mächtig: Die „Maersk McKinney Møller“ ist das größte Containerschiff der Welt Bild: AFP

Unter dem Titel P3 schmieden die größten Container-Reedereien der Welt eine Allianz, die etlichen deutschen Unternehmen das Genick brechen könnte. In der Branche herrscht Entsetzen.

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          Zuerst gibt es Pilzsuppe, danach eine mit Honig glasierte Vierländer Ente, dazu Rotkohl und Kartoffelknödel. Ihr Dessert dürfen sich die mehr als 450 Gäste, die sich am Donnerstag kommender Woche in Smoking oder Abendkleid zum traditionellen Reederessen im alten Börsensaal der Handelskammer Hamburg einfinden, am Buffet selbst aussuchen. Zwischendurch lauschen sie der Ansprache ihres Reeder-Verbandspräsidenten Michael Behrendt (Hapag-Lloyd) und der Gastrede von EU-Parlaments-Präsident Martin Schulz.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Was auch immer Behrendt und Schulz zu erzählen haben. An den langen, weiß gedeckten Tischen im Saal wird immer wieder ein Begriff zu hören sein: P3. Dabei handelt es sich nicht um einen norddeutschen Ableger der Münchener Edeldiskothek P1. Das Kürzel steht für eine Großallianz in der Containerschifffahrt. Die Branchenriesen Mærsk, MSC und CMA CGM wollen auf den großen Rennstrecken zwischen Asien und Europa vom nächsten Frühjahr an eng kooperieren. Schon die Ankündigung dieses Vorhabens war eingeschlagen wie eine Bombe. Schließlich ist es noch gar nicht so lange her, dass sich diese drei Containerriesen aus Dänemark, der Schweiz und Frankreich bis aufs Messer bekriegten. Die Wunden waren tief und die Verluste so hoch, dass sie sich zu einem Strategiewechsel entschlossen und nun gemeinsame Sache machen wollen. Sie gründen ein Gemeinschaftsunternehmen, das von London aus die Flotte steuern soll.

          Für das Trio sind die Aussichten vielversprechend. Für den Rest der Branche verheißt die neue Eintracht indes nichts Gutes. Insbesondere unter den leidgeprüften deutschen Reedern herrschen Angst und Schrecken. Vielen droht die Übernahme oder das Aus.

          Wettbewerbshüter alarmiert

          Mærsk, MSC und CMA CGM sind die drei größten Container-Linienreedereien der Welt. Mit einer Flotte von fast 1500 Schiffen bringen sie Autoteile aus Deutschland, Turnschuhe aus China und Früchte aus Brasilien zu Verbrauchern und Unternehmen rund um den Globus. Wie groß die Bedeutung dieser drei Reedereien für den Welthandel ist, zeigt ein Blick auf die Marktanteile. Gut 40 Prozent aller Güter, die in Stahlcontainern zwischen Asien und Europa transportiert werden, landen auf einem Schiff der drei Marktführer. Auf der Handelsroute über den Atlantik nach Amerika ist ihr Stück vom Kuchen fast ebenso groß. Und im Containerverkehr auf dem Pazifik zwischen Asien und Amerika vereinen sie immerhin fast ein Viertel des Marktes auf sich. Insgesamt, so schätzen Fachleute, haben die drei Unternehmen im vergangenen Jahr allein auf ihren wichtigsten Ost-West-Verbindungen Güter im Wert von 1,5 Billionen Dollar transportiert. Das entspricht in etwa dem Bruttoinlandsprodukt von Australien.

          Bild: F.A.Z.

          Dass diese Giganten nun den Schulterschluss proben, ruft die Wettbewerbshüter auf den Plan. „Wir müssen sicherstellen, dass die geplante Allianz nicht den Konsumenten, der maritimen Wirtschaft und dem Welthandel schadet“, sagt der Vorsitzende der zuständigen amerikanischen Aufsichtsbehörde Federal Maritime Commission (FMC), Mario Cordero. Er hat die Wettbewerbshüter aus Europa und China aufgefordert, gemeinsam über die Auswirkungen von P3 zu diskutieren. Dieses Spitzentreffen soll am 17. Dezember stattfinden.

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