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Schifffahrt : Bedrohlicher Pakt der Giganten

Entsetzen bei kleinen Reedereien

Die erwarteten Einschnitte haben es in sich. Momentan haben Mærsk, MSC und CMA CGM auf den Strecken, die sie fortan gemeinsam bedienen wollen, nach eigenen Angaben rund 300 Frachter im Einsatz. Dazu gehören Schiffe wie die „Mærsk McKinney Møller“, der größte Containerfrachter der Welt mit Platz für mehr als 18.000 Stahlboxen. In der geplanten Allianz sollen noch 252 Pötte übrig bleiben, also etwa ein Fünftel weniger als jetzt. Dieser Abbau ist möglich, weil die Frachter wegen der momentanen Konjunkturflaute auf wichtigen Märkten und der lähmenden Überkapazität in der Schifffahrt oft ohnehin nicht bis an die Oberkante vollgepackt sind. Indem die Marktführer nun auf den Hauptrouten im internationalen Seehandel ihre Kapazitäten bündeln, können sie Schiffe aus dem Markt nehmen.

Für die krisengeschüttelten Vermieter solcher Schiffe ist das eine große Gefahr. Die Beratungsfirma MDS Transmodal hat berechnet, dass zurzeit lediglich die Hälfte der Schiffe von Mærsk, MSC und CMA CGM auf der Route zwischen Asien und Europa den Unternehmen selbst gehört. Die andere Hälfte ist gemietet. In der ohnehin schon stark reduzierten Flotte der P3-Allianz dürfte der Anteil der Mietschiffe auf nur noch ein Viertel fallen, glauben die Fachleute.

Von dieser Auslese werden die deutschen Schiffsvermieter überdurchschnittlich stark betroffen sein. „Durch P3 geraten viele Charterreeder noch stärker unter Druck“, urteilt der HSH-Schifffahrtsexperte Christian Nieswandt und fügt hinzu: „Diese Allianz befeuert die Konsolidierung in der Containerschifffahrt. Die Zahl der Insolvenzen wird weiter steigen.“ Das ist nicht nur für die Reeder, sondern auch für Tausende Zeichner von Schiffsfonds eine verheerende Botschaft. Denn mit deren Geld wurde ein großer Teil der überdimensionierten deutschen Handelsflotte finanziert. Nach Angaben der Deutschen Fondsresearch sind seit Beginn der Schifffahrtskrise vor fünf Jahren bereits 210 Fondsschiffe in die Insolvenz gefahren.

Akut gefährdet sind vor allem kleinere Reedereien, die nur mit drei oder vier Schiffen im Markt unterwegs sind – wie zum Beispiel die H.H. Shipping GmbH aus Jork, einer Elbgemeinde im Alten Land südwestlich von Hamburg. Die Inhaberin Petra Heinrich, welche die Reederei in siebter Generation führt, ist entsetzt über die Pläne der Branchenriesen: „Die wollen den Markt beherrschen.“ Sie glaubt, dass die ohnehin katastrophal niedrigen Charterraten durch P3 noch weiter fallen. „Und am Ende bleiben die kleinen Reeder auf der Strecke.“ Heinrich ist auch Vorsitzende des Reedervereins Unterelbe, in dem sich 47 kleinere Firmen mit insgesamt 390 Seeschiffen zusammengetan haben: „98 Prozent unserer Mitglieder haben wirtschaftliche Probleme, viele von ihnen stehen kurz vor der Insolvenz.“ Während die Banken den kleinen Unternehmen den Stecker zögen, seien die Großreeder „too big to fail“, zürnt Heinrich.

Nieswandt drückt es so aus: „Die Starken werden stärker und die Schwachen schwächer.“

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