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Schifffahrt : Bedrohlicher Pakt der Giganten

Branchenkenner rechnen jedoch nicht damit, dass die Kartellbehörden P3 zu Fall bringen. „Wir glauben, dass die drei beteiligten Reedereien ihre Pläne in wesentlichen Zügen durchsetzen können“, sagt Christian Nieswandt, Leiter der Schiffsfinanzierungsparte der HSH Nordbank. Allianzen sind in der Schifffahrt bisher erlaubt, solange dabei die Preise nicht abgesprochen werden.

Drastische Folgen für deutsche Branche

Mærsk & Co. sind sich ihrer Sache jedenfalls sehr sicher: Ihre Fahrpläne für 2014 haben sie schon aufeinander abgestimmt. Tatsächlich können die drei Reedereien ihren Kunden fortan mehr direkte Verbindungen und eine höhere Liefertermintreue versprechen. Der entscheidende Vorteil gegenüber den Wettbewerbern liegt allerdings auf der Kostenseite: „Das Rennen wird bei den Kosten pro Box gemacht“, sagt Nieswandt. Hier kann das Trio einiges herausholen, nämlich durch die Zusammenlegung von Verwaltungsfunktionen, vor allem aber durch die bessere Auslastung der Schiffe, deren Zahl in Summe verringert wird.

Die entscheidende Frage ist nun, ob die großen drei ihre erhöhte Marktmacht dazu nutzen werden, die Transportpreise (Frachtraten) zu erhöhen. Danach sehnen sich im Grunde alle in der Branche. Denn die Frachtraten sind auf einem so niedrigen Niveau, dass derzeit kaum ein Linienreeder Geld verdient. Dank der verringerten Kosten könnten Mærsk, MSC und CMA allerdings versucht sein, die Raten niedrig zu halten mit dem Ziel, die Konkurrenten im Verfolgerfeld über den Abgrund zu drücken. Das würde dann auch die Malaise der beiden deutschen Spitzenreiter, Hapag-Lloyd sowie die zur Oetker-Gruppe gehörende Hamburg Süd, verschärfen – zumal deren Anlauf für eine Fusion Ende März gescheitert war.

Noch härter als die Linienreeder könnte es indes die Vermieter von Handelsschiffen (Charterreeder) treffen, die in Deutschland den weit überwiegenden Teil der Branche repräsentieren. Solche Unternehmen vermieten Frachter, die in der Vergangenheit oft mit dem Geld von Anlegern über geschlossene Schiffsfonds finanziert wurden, an die internationalen Linienreedereien wie Mærsk, MSC und Hapag-Lloyd. Diese lassen die Schiffe dann zum Beispiel auf den großen Handelsrouten zwischen Asien, Europa und Amerika pendeln. Durch die geplante Allianz der drei Marktführer wird die ohnehin schon schwache Nachfrage nach Mietfrachtern weiter sinken. Denn die drei Containerriesen werden wohl vor allem solche Schiffe in die Allianz einbringen, die ihnen selbst gehören. Da zugleich unter dem Dach von P3 insgesamt weniger Frachter gebraucht werden, um die gleiche Transportleistung zu erbringen, ist zu erwarten, dass die Bündnispartner ihre Mietverträge für etliche Charterschiffe auslaufen lassen. Deren Besitzer werden dann große Schwierigkeiten haben, einen Anschlussmieter zu finden. Denn nach dem Bestellboom früherer Jahre ächzt die Branche heute unter einem gewaltigen Überangebot an Handelsschiffen.

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