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Schiffbau : Werften funken S.O.S.

Im Dock der Wismarer Wadan Werft Bild: AP

Deutschlands Werften haben ein schlimmes Jahr hinter sich. Aber das Schlimmste steht ihnen noch bevor. Bislang haben sechs Werften Insolvenz angemeldet. Doch es werden noch viel mehr Schiffbauer in Schieflage geraten.

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          Das ist schon ein Dilemma. Da wird man 125 Jahre alt - aber zum Feiern ist eigentlich niemandem zumute. Trotzdem lud der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) am Dienstagabend zum Jubiläums-Empfang ins Hamburger Rathaus. Die Pracht des Großen Festsaals, in dem einst Kaiser Wilhelm II. die Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals gefeiert hatte, kontrastierte auf merkwürdige Weise mit dem Elend in der Branche. Es gab Truthahn-Geschnetzeltes mit Gorgonzolasauce, Seeteufel auf Blattspinat und toskanische Gemüsepfanne mit Kartoffelspalten. Manch einer der rund 250 Gäste dürfte dies als Henkersmahlzeit empfunden haben.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Deutschlands Werften haben ein schlimmes Jahr hinter sich. Aber das Schlimmste steht ihnen noch bevor. Bislang haben sechs Werften Insolvenz angemeldet. Doch es werden noch viel mehr Schiffbauer in Schieflage geraten: "Wir haben das Ende der Insolvenzen noch nicht gesehen", sagt Herbert Aly, der als Chef der Hamburger Werft Blohm + Voss auch im Präsidium des Schiffbauverbandes sitzt. "Der Auftragsbestand der deutschen Werften schmilzt wie Schnee in der Sonne", sagt der VSM-Vorsitzer Werner Lüken, der hauptberuflich die Lloyd-Werft in Bremerhaven führt. Die Reeder bestellen nicht nur keine Schiffe mehr, sie stornieren ihre Aufträge. 60 Schiffe wurden bisher abbestellt - das ist ein Viertel des Auftragsbestands. Vielen Werften geht also die Arbeit aus. Mit dramatischen Folgen.

          Die Staatshilfe hat nicht viel geholfen

          In fünf Jahren, so schätzen Branchenkenner, wird maximal die Hälfte der deutschen Schiffbauer noch am Markt sein. Von den 20 000 Arbeitsplätzen in den Werften und Zulieferbetrieben an Nord- und Ostsee sind wohl nur 10.000 zu retten - wenn überhaupt. Politiker und Gewerkschafter empfinden dies als Horrorszenario, trifft es doch Regionen, die, wie Mecklenburg-Vorpommern, besonders strukturschwach sind. Also klammern sie sich an vage Auftragsaussichten und leiten daraus die Berechtigung für Staatshilfe ab. Doch eine solche Berechtigung gibt es in den meisten Fällen nicht. Viele Schiffbauer sind einfach nicht zu retten. Dieser Realität gilt es sich zu stellen.

          Schon nach der Wende hatte man nicht den Mut, einen Schlussstrich zu ziehen. Die maroden DDR-Werften wurden mit Steuergeldern in Milliardenhöhe saniert. Getragen hat die Staatshilfe nicht. Der großen Werftengruppe in Wismar und Warnemünde, die nach etlichen Besitzerwechseln nun unter Nordic-Yards firmiert, droht das Aus. Die Hegemann-Werften in Wolgast und Stralsund kämpfen verzweifelt ums Überleben.

          Beide Gruppen haben eines gemein: Sie suchten ihr Heil im Bau von Containerschiffen. Doch in diesem Standardgeschäft kann man am Hochlohnstandort Deutschland gegen die übermächtige und technisch mindestens ebenbürtige Konkurrenz aus Korea keinen Blumentopf gewinnen. Dass sie und andere deutsche Werften trotzdem einige Aufträge ergatterten, hing nur damit zusammen, dass die asiatischen Schiffbauer voll ausgelastet waren. Doch infolge der Wirtschaftskrise brachen die Bestellungen der Reeder um 80 Prozent ein. Entsprechend groß sind die Überkapazitäten in der Welt. In Deutschland, da sind sich die Fachleute einig, wird nie wieder ein Handelsschiff bestellt werden.

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