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Schiffbau : Werften funken S.O.S.

Genau mit dieser Begründung hatte Thyssen-Krupp im Oktober vergangenen Jahres den Rückzug aus dem Handelsschiffbau angetreten. Der Konzern verkauft die Mehrheit der traditionsreichen Hamburger Werft Blohm + Voss an die Schiffbaugruppe Abu Dhabi Mar und die Nordseewerke in Emden an die Siag Schaaf Industrie AG. Siag will auf den Werftanlagen fortan schwere Stahlbaukomponenten für Offshore-Windräder produzieren. Eine derartige - von Thyssen-Krupp finanziell stark unterstützte - Konversion hin zu einem zukunftsträchtigeren Industriezweig ist vorbildlich, wird jedoch mit Sicherheit nicht beliebig oft Nachahmer an anderen Werftstandorten finden.

Hinwendung zum Spezialschiffbau

Als Königsweg in eine vielleicht doch noch hoffnungsfrohe Zukunft wird die Hinwendung zum Spezialschiffbau gesehen. Tatsächlich gibt es hierzulande bereits etliche Werften, die sich in Nischen tummeln und bisher ohne größere Blessuren durch die Krise gesteuert sind. Dazu gehören Adressen wie die auf Kreuzfahrtschiffe spezialisierte Meyer-Werft in Papenburg, die Flensburger Schifffahrtsgesellschaft (Fähren, Marineschiffe) oder die Firma Fassmer aus Berne bei Bremen, die Seenotkreuzer, Polizeischiffe und Patrouillenboote baut.

In den Markt für Spezialschiffe zu wechseln ist freilich auch kein Selbstläufer. Dort wird der Wettbewerb in den nächsten Jahren zunehmen, weil sich die koreanischen und chinesischen Werften mangels Auslastung nun auch stärker im Bau von Spezialschiffen versuchen. Der technologische Vorsprung schwindet offenbar schnell: Es fehle nicht mehr viel, so heißt es in der Branche, dann seien auch die Koreaner in der Lage, ordentliche Kreuzfahrtschiffe bauen.

In der Hochphase des Schiffbaus war die Hälfte der Werftkapazitäten in Deutschland mit dem Bau von Containerschiffen ausgelastet. Das ist durch Spezialschiffbau nicht annähernd zu ersetzen. Außerdem sind Werften, die bislang vor allem Containerschiffe gebaut haben, nicht ohne weiteres dazu in der Lage, erfolgreich auf die Konstruktion von High-Tech-Spezialschiffen umzustellen. "Eine solche Konversion ist nicht aus dem Stand heraus machbar", warnt Werftmanager Aly. So gesehen, könnte sich auch der mögliche Auftrag zum Bau von Spezialschiffen für Offshore-Windparks, auf den die Nordic-Yards jetzt hoffen, als Rohrkrepierer entpuppen.

Nicht zielführend sind auch Subventionen, die ohne Rücksicht auf die Zukunftsfähigkeit einer Werft darauf abzielen, Finanzierungslücken beim Bau bestellter Schiffe zu schließen. Denn das bedeutet, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen. Jegliche Staatshilfen für schwachbrüstige Werften verzerren den Wettbewerb. Sie sind eine Ohrfeige für all diejenigen Wettbewerber, die sich schon vor Ausbruch der Krise mit Weitsicht und unter Schmerzen an die tatsächlichen Marktverhältnisse angepasst haben. Wie die Lloyd-Werft von Werner Lüken. Der VSM-Vorsitzer hat sich rechtzeitig vom Schiffsneubau verabschiedet und konzentriert sich auf das Reparaturgeschäft.

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