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Schiffahrt : Reederei Ahrenkiel steht zum Verkauf

Auf der Suche nach einem neuen Reeder:Chemikalientanker von Ahrenkiel Bild: jalens - joachim affeldt

Das traditionsreiche, aber stark angeschlagene Hamburger Schifffahrtsunternehmen sucht nach finanzstarken Investoren. Zu den Interessenten gehört der Großreeder Erck Rickmers.

          Die Konsolidierung in der krisengeschüttelten Schifffahrtsbranche gewinnt immer mehr an Tempo. Nach Informationen dieser Zeitung steht in Hamburg eine traditionsreiche Reederei zum Verkauf. Dabei handelt es sich um die Ahrenkiel-Gruppe, deren Flotte 37 Handelsschiffe umfasst. Das Unternehmen ist schon seit längerem in einer existenzbedrohenden Schieflage und soll nun ganz oder teilweise an Investoren veräußert werden. Eine Sprecherin der Reederei bestätigte dieser Zeitung, dass Investoren gesucht würden. „Es geht darum, einen Partner zu finden, mit dem wir die Herausforderungen der Schifffahrtskrise gemeinsam überwinden können.“ Darüber hinaus wollte sie sich nicht äußern.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Formal liegt der Verkaufsprozess in der Hoheit der Eigentümerfamilie Ahrenkiel. De facto halten die kreditgebenden Banken, allen voran die HSH Nordbank, die Fäden in der Hand. In den vergangenen Monaten hat sich eine ganze Reihe von Interessenten die in einem Datenraum bereitgestellten Zahlen und Bilanzen der Reederei angeschaut. Dem Vernehmen nach liegen nun drei ernstzunehmende Angebote vor, die aber offenbar noch nicht in Stein gemeißelt sind. „Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren“, heißt es in gutinformierten Kreisen.

          Zu den Übernahme- oder Einstiegsinteressenten zählt nach Informationen dieser Zeitung der Hamburger Großreeder Erck Rickmers, der über sein Unternehmen E.R. Schifffahrt eine Flotte von fast 140 Schiffen betreut und kürzlich erst mit dem Reeder Heinrich Schulte ein Gemeinschaftsunternehmen für den Kauf von notleidenden Frachtern gegründet hat. Ob Rickmers tatsächlich zum Zuge kommt, ist vollkommen offen. Angeblich hat im Moment ein anderer Interessent die Nase vorn.

          Banken wollen größere, professionell aufgestellte Reedereien

          Treibende Kraft hinter dem Verkauf sind die Banken, die auf die Bildung größerer, professionell aufgestellter Einheiten pochen. Die Institute haben zuletzt den Druck auf das mehr als 60 Jahre alte Familienunternehmen des Reeders Christian J. Ahrenkiel erhöht. Wie die meisten Schifffahrtsbetriebe leidet die Reederei unter dem großen Überangebot an Schiffstonnage rund um den Globus und dem damit einhergehenden Verfall der Mietpreise für Handelsschiffe (Charterraten). Diese sind zu niedrig, um die Betriebskosten der Schiffe zu decken, die für den Bau der Frachter aufgenommenen Kredite planmäßig zu tilgen und die Zinslast zu tragen.

          In gut informierten Kreisen hieß es, die Banken zögen den Verkauf an einen Investor aus der Branche vor und würden die Gruppe am liebsten als Ganzes veräußern. Die HSH Nordbank, die als größter Kreditgeber mit einem dreistelligen Millionenbetrag bei Ahrenkiel engagiert ist, hat dabei offenbar auch die Zukunft des Schifffahrtstandortes Hamburg im Blick. Als Landesbank, an der die Hansestadt Hamburg maßgeblich beteiligt ist, tut sie sich schwer, ihre mit den Schiffen besicherte Kredite einfach so fällig zu stellen und Ahrenkiel damit in die Insolvenz zu schicken.

          Die Ahrenkiel-Gruppe beschäftigt 150 Mitarbeiter an Land und 1100 Seeleute auf den Schiffen, die das Unternehmen im eigenen Besitz oder im Management hat. Die 17 Containerschiffe können jeweils nicht mehr als 3400 Standard-Container tragen. Damit gehören sie zu einer Größenklasse, die derzeit besonders unter der Marktschwäche zu leiden hat.

          Rund die Hälfte der Flotte hat Ahrenkiel über das eigene Emissionshaus finanziert. Diese Tochtergesellschaft namens Fondshaus Hamburg hat in großem Stil geschlossene Fonds aufgelegt und bei Anlegern Geld für den Kauf von Schiffen eingesammelt. Aus dem Portfolio mussten allein in diesem Jahr vier Fonds mit fünf Containerschiffen und einem Tanker Insolvenz anmelden. Die fünf Containerschiffe hat inzwischen Bertram Rickmers, der ältere Bruder von Erck Rickmers, zu einem Schnäppchenpreis erworben.

          Christian Friedrich Ahrenkiel hatte die Reederei 1950 gegründet. Er war Vorstandsmitglied der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag), dem Vorgänger der heutigen Hapag-Lloyd AG, Deutschlands größter Linienreederei. Ahrenkiel starb 1993. Sein Sohn Christian J. Ahrenkiel ist mit seiner Holding in Bern heute alleiniger Inhaber der Reederei, die sowohl über Containerschiffe als auch über Massengutfrachter und Tanker verfügt. Seit der Jahrtausendwende ist das Unternehmen als Anbieter von Schiffsbeteiligungen unterwegs. Hier mischte Ahrenkiel kräftig mit, geriet aber ins Schleudern, als der Markt für geschlossene Schiffsfonds in Folge der Finanzkrise nahezu vollständig zusammenbrach.

          Weil Anleger von diesem Zeitpunkt an kaum noch Geld in solche Finanzprodukte stecken wollten, blieb das Emissionshaus auf hohen Verpflichtungen gegenüber den Banken sitzen. Die Institute waren in Vorleistung gegangen und hatten Fremdkapital für neue Schiffe gegeben. Doch plötzlich fehlte das versprochene Eigenkapital der durch die Schifffahrtskrise und eigene Verluste verschreckten Anleger. Damit ist das Finanzierungsmodell zusammengebrochen. Ende 2012 gelang es dem Fondshaus Hamburg nach damaligen Angaben, sich gegen Zahlung einer Gebühr von den einst gewährten Plazierungsgarantien und Bürgschaften zu befreien.

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