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Schering-Übernahme : Bayer bereitet sich auf die zweite Runde vor

  • Aktualisiert am

Bayer-Chef Wenning: „Wir sind vorbereitet für die zweite Runde” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Gespannt und irritiert beobachtet Schering den Bieterwettkampf um das Unternehmen. Die Frist endet um Mitternacht. Bayer rechnet wohl mit einem Scheitern seiner Offerte - und arbeitet an einem neuen Angebot: 88 Euro.

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          Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer erarbeitet unmittelbar vor dem Ablauf der Übernahmeofferte für den Pharmakonzern Schering an diesem Mittwoch um 24 Uhr ein Pflichtangebot. Das bedeutet, daß Bayer noch einmal allen Schering-Aktionären den Erwerb der noch von ihnen gehaltenen Anteile offerieren muß. Das Pflichtangebot werde 88 Euro je Aktie betragen. Konzernchef Wenning sagte am Mittwoch: „Wir sind vorbereitet für die zweite Runde.“

          Bayer verfügt nach eigenen Angaben inzwischen über mehr als 30 Prozent der Schering-Aktien. Die Titel seien zu einem Preis von bis zu 88 Euro erworben worden. Darin enthalten seien auch die von der Allianz veräußerten Anteile. Bayer habe sich zu diesem Vorgehen entschlossen, da davon auszugehen sei, daß Merck seine bisher erworbenen Aktien nicht in dem laufenden Prozeß anbieten werde, heißt es in der Mitteilung weiter. Ein Bayer-Sprecher bezifferte die derzeit unmittelbar von Bayer gehaltenen Schering-Aktien auf etwa 35 Prozent des Grundkapitals des Berliner Pharmakonzerns.

          Am Dienstag abend hat Bayer Klage vor dem amerikanischen Bezirksgericht in New York gegen den Konkurrenten Merck eingereicht. Darin beschuldigt der Leverkusener Konzern Merck, die Schering-Übernahme auf illegale Weise verhindern zu wollen.

          Schering-Chef Erlen: „Bayer ist die bessere Option”

          Erlen will klare Lösung

          Der Vorstand der Schering AG beobachtet mit einer Mischung aus Spannung und Irritation den Bieterwettkampf um sein Unternehmen. Was ein Scheitern der Übernahme durch Bayer auf den letzten Metern bedeuten würde, mag der Vorstandsvorsitzende Hubertus Erlen sich noch nicht genau ausmalen. Das hänge sehr stark von den möglichen Szenarien und vom Verhalten Mercks ab, sagte Erlen im Gespräch mit der F.A.Z. „Es wird aber mit Sicherheit dazu führen, daß wir die begonnene Vorplanung für einen zügigen Integrationsprozeß auf Eis legen müssen. Damit würde sich die Unsicherheitsphase für Mitarbeiter verlängern."

          Dabei allein bliebe es wohl nicht. Schering hätte dann zwei große Großaktionäre, Bayer und Merck, von denen keiner alleine das Sagen hätte. Mögliche Konsequenzen aus einer solchen Konstellation beschrieb Erlen so: "Wir kämen unter Umständen in die mißliche Lage, daß sich zwei starke Shareholder gegenseitig blockieren. Das wäre für das Unternehmen nicht gut." Erlen drang auf eine zügige und klare Lösung im Bieterwettkampf. "Wenn eine endgültige Lösung nicht sichtbar ist, dann kann das Unsicherheit bei den Mitarbeitern, den Kunden und den Kooperationspartnern auslösen." Noch seien solche Irritationen im Geschäftsalltag aber nicht zu spüren.

          Irritiert hatten sich hingegen die Märkte gezeigt, weil ihnen die Plausibilität des Vorgehens von Merck nicht einleuchtete, Schering-Papiere im großen Stil zu erwerben. Der von Analysten debattierten Aufspaltung von Schering, etwa über die Abspaltung der Onkologie, gewann Erlen wenig ab: "Wir haben ein sehr plausibles Portfolio." Schering habe sich nur auf strategische Geschäfte konzentriert und sich von allem getrennt, was nicht dazugehöre. "Es ist sehr schwer vorstellbar, daß man Teile aus Schering herausnimmt, ohne daß man den Wert des Ganzen schädigt."

          Schering bekräftigt Empfehlung für Bayer

          Erlen erneuerte indirekt seine Empfehlung an die Aktionäre, ihre Papiere Bayer anzudienen. "Bayer ist für Schering die bessere Option als Merck. Daran hat sich überhaupt nichts geändert." Bayer habe "sowohl für unserer Aktionäre ein gutes Angebot abgegeben, als auch für das Unternehmen und die Beschäftigten, denen faire und sinnvolle Bedingungen für eine Integration offeriert wurden."

          Die Stimmung in der Belegschaft habe sich in den vergangene Tagen "sicher nicht weiter verbessert, wie dies in den Wochen zuvor der Fall war." Ansonsten lobte er seine Mitarbeiter. "Ich verspüre einen großen Kampfeswillen aller Mitarbeiter. Wir sehen eher, daß die Leute nochmal die Extrameile gehen, als daß sie verharren oder paralysiert wären."

          Erlen verneinte die Frage, ob er mit dem Vorstand von Merck jüngst oder nach der abgelehnten Übernahmeofferte über deren Vorgehen gesprochen habe. Über mögliche Motive des Darmstädter Familienunternehmens mochte er nicht reden. "Ich will hier nicht über Motive spekulieren. Ich kann nur hoffen, daß bei allen Überlegungen auch die Interessen unserer Mitarbeiter, des Unternehmens und unseres Geschäftes berücksichtigt werden." Mehrfach wies er auf eins hin: "Wir würden gerne eine Situation langwieriger Unsicherheit vermeiden."

          „Wünschen wir uns einen zügigen Abschluß“

          Ob und wie sehr sich eine lange Phase der Unsicherheit, vielleicht des Streits der beiden Hauptaktionäre über den richtigen Kurs, negativ auf die ansonsten gute wirtschaftliche Lage Scherings auswirken würde, das hänge "ganz von den Szenarien ab", sagte Erlen. Und: "Deshalb wünschen wir uns einen zügigen Abschluß des Übernahmeverfahrens und eine faire Berücksichtigung der Interessen unserer Stakeholder."

          Die Geschäftslage schilderte er rosarot. Enttäuschungen über verzögerte Zulassungsverfahren aus dem vergangene Jahr seien verarbeitet. "Unsere Zahlen für das erste Quartal waren hervorragend, und ich bin sehr optimistisch, daß wir in 2006 unsere Ziele erreichen werden."

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