https://www.faz.net/-gqe-158wi

Schaeffler und Conti : Die Machtübernahme vor Gericht

  • Aktualisiert am

Soll Aufsichtsratschef von Conti werden: Rolf Koerfer Bild: dpa

Die geplante Machtübernahme Schaefflers im Conti-Aufsichtsrat beschäftigt jetzt auch die Justiz. Schaeffler will Rolf Koerfer zum neuen Aufsichtsratschef von Continental machen. Ein Gericht hat das Vorhaben aber vorerst auf Eis gelegt. Schaeffler will sich das nicht bieten lasen.

          2 Min.

          Die geplante Machtübernahme des fränkischen Familienunternehmens Schaeffler im Conti-Aufsichtsrat beschäftigt jetzt auch die Justiz. Das Landgericht Hannover hat die Bestellung des Schaeffler-Beraters Rolf Koerfer in das Kontrollgremium vorerst auf Eis gelegt. Koerfer sollte dort den Aufsichtsratsvorsitz übernehmen, nachdem der bisherige Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg Ende Januar auf Druck des Großaktionärs Schaeffler von diesem Posten zurückgetreten war.

          Doch Koerfer wird aus dem Aktionärskreis ein Interessenkonflikt vorgeworfen. Das Landgericht Hannover hat seine Bestellung nun vorübergehend außer Kraft gesetzt. Bis 10. März hätten die Continental-Aufsichtsräte jetzt Gelegenheit zur Stellungnahme, sagte ein Sprecher des Landgerichts am Dienstag. Neben Koerfer sollen drei weitere Schaeffler-Vertreter bei Conti Aufsichtsräte werden - darunter auch Firmeneigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler.

          Schaeffler hält an Koerfer fest

          Nach der Entscheidung des Gerichts gab Schaeffler bekannt, die Gruppe werde weiter an Rolf Koerfer festhalten. Ein Interessenkonflikt liege nicht vor. Das Unternehmen werde den Vorgang juristisch prüfen. Letztlich werde ohnehin die Hauptversammlung über die Besetzung des Aufsichtsrats entscheiden, hieß es in der Mitteilung.

          An der Börse legte die Conti-Aktie indes weiter zu. Nach dem Bericht der F.A.Z. über eine mögliche Rückabwicklung des Kaufs des Autozulieferers Continental durch Schaeffler hatte der Kurs der Conti-Aktie bereits am Montag deutlich zugelegt. „Für Conti wäre die Trennung von Schaeffler das Beste“, sagte ein Analyst. Allerdings halte er eine Rückabwicklung der Transaktion für „extrem kompliziert“.

          Nach Informationen der F.A.Z. wird unter den Gläubigerbanken des fränkischen Wälzlagerherstellers Schaeffler diskutiert, alle Conti-Aktien, die derzeit bei Schaeffler liegen, zu übernehmen. Anschließend könnte eine Kapitalerhöhung erfolgen, die den Bankenanteil an Conti möglicherweise wieder auf unter 50 Prozent senkt (siehe Continental: Gespräche über Loslösung von Schaeffler).

          !Eine Rückabwicklung ist durchaus vorstellbar“, sagte dazu der für Schaeffler zuständige Konzernbetreuer der IG Metall, Wolfgang Müller. Am Wochenende hatte sich bereits der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) für eine Trennung von Conti und Schaeffler ausgesprochen.

          Sollten die Banken Conti übernehmen, rücke die Insolvenz und Zerschlagung des Schaeffler-Konzerns noch näher, sagte Müller. Schaeffler hat sich mit der Übernahme der dreimal größeren Continental AG verhoben. Nach eigener Aussage braucht Schaeffler 5 bis 6 Milliarden Euro frisches Kapital. Das Unternehmen ringt derzeit um Staatshilfe. Kommenden Freitag tagt der Conti-Aufsichtsrat.

          Weitere Themen

          Marsaleks Geheimkontakte

          Verbindungen zur FPÖ? : Marsaleks Geheimkontakte

          Seit gut zwei Wochen ist der frühere Wirecard-Manager auf der Flucht. Nun werden neue Details über Jan Marsalek bekannt: Er soll Kontakte in die österreichische Geheimdienstszene haben und könnte in die „Ibiza-Affäre“ verstrickt sein.

          Topmeldungen

          Hochwasserschutz in Venedig : Mose gegen das Meer

          Sie hat sechs Milliarden Euro verschlungen und war Teil eines monumentalen Korruptionsskandals: Die riesige Anlage mit dem Namen des Propheten soll Venedigs Altstadt vor den Fluten schützen und ist so gut wie fertig. Dass sie auch funktioniert, bezweifeln aber viele.

          Bidens Wirtschaftspolitik : Mit Trump-Rhetorik gegen Trump

          Präsidentschaftskandidat Biden skizziert sein Wirtschaftsprogramm: Wie sein Rivale will er mit Protektionismus begeistern – und er verschärft seinen Anti-Wall-Street-Populismus.
          Jan Marsalek: Von dem Ex-Wirecard-Manager fehlt jede Spur.

          Verbindungen zur FPÖ? : Marsaleks Geheimkontakte

          Seit gut zwei Wochen ist der frühere Wirecard-Manager auf der Flucht. Nun werden neue Details über Jan Marsalek bekannt: Er soll Kontakte in die österreichische Geheimdienstszene haben und könnte in die „Ibiza-Affäre“ verstrickt sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.