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Saudischer Ölkonzern : Saudi Aramco und Siemens vor nächstem Deal

Ein Angestellter von Saudi Aramco in Bahrain. Bild: Reuters

Saudi Aramco verkündet bei einer Konferenz Vereinbarungen mit 31 internationalen Unternehmen. Es geht um 27,5 Milliarden Dollar. Siemens-Chef Joe Kaeser war einer der Diskutanten.

          Der Siemens-Konzern kann auf Aufträge aus Saudi-Arabien hoffen. Er hat, wie 30 weitere internationale Unternehmen aus Europa oder den Vereinigten Staaten, auf einer zweitägigen Veranstaltung in Dammam Absichtserklärungen mit dem Ölgiganten Saudi Aramco unterzeichnet. Nach Angaben des größten Erdölkonzerns der Welt stehen hinter den – noch unverbindlichen – Vereinbarungen „kommerzielle Kooperationen“ in einem Volumen von 27,5 Milliarden Dollar oder umgerechnet 24 Milliarden Euro. Fertige Verträge oder konkrete Auftragsvergaben sind noch nicht unterzeichnet.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Am Stammsitz von Saudi Aramco kamen rund 1000 Lieferanten aus dem In- und Ausland zusammen, nachdem es einen Monat zuvor wegen des Mordes an dem Journalisten Jamal Khashoggi im saudischen Konsulat in Istanbul von geladenen ausländischen Repräsentanten Absagen an der Teilnahme einer Investorenforum im Oktober in Riad gehagelt hatte.

          Lehnten Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser und ABB-Chef Ulrich Spiesshofer damals nach langem Zögern die Anreise nach Riad ab, waren sie nun auf dem Lieferantenkonferenz des Kunden Saudi Aramco am Montag und Dienstag präsent – wie viele andere Industrieunternehmen auch. Darunter waren zum Beispiel Schlumberger, Baker Hughes (General Electric) oder Honeywell. Kaeser ist auch auf einem Podium aufgetreten.

          Keine Treffen mit Regierungsvertretern

          Siemens betonte, dass Kaeser mit Vertretern des im Staatsbesitz befindlichen Unternehmens, nicht aber mit Repräsentanten der Regierung Saudi-Arabiens  zusammengetroffen sei. Kaeser hatte immer wieder betont, dass ein Dialog mit Kunden aus Saudi-Arabien auch in schwierigen Zeiten aufrecht erhalten werden müsse.

          Allerdings gehen die Darstellungen über den Charakter der Verträge zwischen den Saudis und Siemens auseinander. Saudi Aramco beziffert die in Aussicht gestellten Geschäfte mit den insgesamt 31 Vertragspartnern anstehenden Aufträge konkret mit 27,5 Milliarden Dollar, die hinter den Absichtserklärungen stehen. Auf einzelne Partner sind die Beträge allerdings nicht herunter gebrochen.

          Ein Siemens-Sprecher betont hingegen, dass hinter dem mit den Münchnern unterzeichneten „Memorandum of Understanding“ kein Wert unterlegt sei und auch kein konkreter Auftrag für bestimmte Produkte dahinter stünde. In der Vereinbarung seien Leitplanken für künftige Zusammenarbeit und Geschäfte vereinbart worden, um so eine lokale Fertigung und Beschaffung nach einer etwaigen späteren Auftragsvergabe zu regeln.

          Saudi Aramco verweist auf Internationalität

          In einer Presseerklärung lässt indes Saudi Aramco, die einen Börsengang vorbereitet, keine Gelegenheit aus, auf die große Investorenkonferenz in Riad wie auch auf die lange Liste internationaler Vertretern bei dem Lieferantentreffen in Dammam hinzuweisen. Die Teilnahme der Ausrüster des Konzerns ist allerdings obligatorisch gewesen. Sonst würden Lieferanten Gefahr laufen, keine neuen Geschäfte mehr mit Saudi Aramco abzuschließen; wie überhaupt der Konzern seine Markt- und Einkaufsmacht ausspielt. Denn Ziel der Veranstaltung sei es schließlich, den lokalen Beitrag der zuliefernden Unternehmen deutlich von derzeit ungefähr 50 Prozent auf 70 Prozent im Jahr 2021 zu erhöhen.

          Kaeser zog im Oktober in seiner Begründung für die Absage an der Investorenkonferenz in Riad schon eine Linie zwischen dem kriminellen Vorgehen des Staates einerseits und der Bevölkerung wie auch den „geschätzten Kunden“ andererseits. Da nannte er namentlich schon Saudi Aramco. Das Unternehmen ist Auftraggeber von Dresser-Rand – einer amerikanischen Siemens-Gesellschaft. Dresser-Rand liefert Kompressoren für die Öl-Industrie. Aber auch für die Siemens-Sparte Prozessautomation ist Saudi Aramco ein wichtiger Partner. Die Sparte liefert Steuerungssysteme für die Erdölindustrie.

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