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Gewinn sinkt : Saudi Aramco leidet unter dem Verfall des Ölpreises

Öltanks in Saudi-Arabien: Das Land benötigt nach früheren Angaben einen Ölpreis von 83 Dollar, um den Staatshaushalt ohne Kreditaufnahme zu finanzieren. Bild: Reuters

Obwohl der größte Ölkonzern der Welt im zweiten Quartal drastisch weniger verdient hat, hält er an seiner hohen Dividende fest – und will dafür notfalls sogar Schulden aufnehmen.

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          Der größte Ölkonzern der Welt hält trotz eines drastischen Gewinnrückgangs im zweiten Quartal 2020 an seiner hohen Dividende fest. Saudi Aramco verdiente zwischen Anfang April und Ende Juni 6,57 Milliarden Dollar (5,56 Milliarden Euro), 73,4 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Gleichwohl wird im dritten Quartal für das zweite Quartal eine Quartalsdividende in Höhe von 18,75 Milliarden Dollar gezahlt. Aramco-Chef Armin Nasser bekräftigte zudem am Sonntag für das gesamte Jahr 2020 sollten die Aktionäre 75 Milliarden Dollar an Dividenden erhalten – trotz des Gewinneinbruchs, der schon vor Corona einsetzte.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Saudi Aramco hatte anlässlich seines Börsengangs im Dezember nur 1,5 Prozent seiner Aktien verkauft und ist damit nach wie vor fest in staatlicher Hand. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds wird Saudi-Arabien in diesem Jahr ein Staatsdefizit von mehr als 12 Prozent ausweisen. Saudi-Aramcos Dividenden werden gebraucht. Schon im Juni hatte der Konzern angedeutet, er könne Anleihen begeben, um die Dividenden zu finanzieren. Nasser wies am Sonntag auch darauf hin, dass Saudi Aramco noch über eine nicht gezogene Kreditlinie von 10 Milliarden Dollar verfüge.

          Die schnelle Ausbreitung des Coronavirus habe die Nachfrage nach Öl, Erdgas und Ölprodukten gedämpft, stellte Nasser fest. „Gedämpft“ klingt untertrieben, schließlich sackte im April der Preis für ein Barrel (159 Liter) der amerikanischen Sorte WTI sogar kurzzeitig ins Minus. Saudi-Arabien benötigt nach früheren Angaben einen Ölpreis von 83 Dollar, um den Staatshaushalt ohne Kreditaufnahme zu finanzieren.

          „Das Schlimmste liegt hinter uns“

          Doch anderswo leiden Ölgesellschaften noch stärker unter dem Ölpreisverfall. Als in den Vereinigten Staaten im April viele ausschließlich für das Inland produzierende Fracker angesichts voller Lager ihr Öl unter dem Produktionspreis verkaufen mussten, meldeten viele Konkurs an. Der britische Ölkonzern BP gab für das zweite Quartal einen Verlust von 16,8 Milliarden Dollar bekannt. Zusammen genommen machten die fünf größten westlichen Ölkonzerne Shell, Exxon Mobil, BP, Total und Chevron von Anfang April bis Ende Juni bei einem Umsatz von mehr als 131 Milliarden Dollar ein Minus von 53 Milliarden Dollar. BP und Royal-Dutch kürzten ihre Dividenden.

          Anleger an der Börse nehmen durchaus wahr, dass Saudi Aramco besser durch die Krise kommt als Wettbewerber. Zwar musste Aramco gerade den Titel des wertvollsten börsennotierten Unternehmens dem Elektronikkonzern Apple überlassen, dessen Aktienkurs in diesem Jahr um 50 Prozent zugelegt hat. Der Aramco-Kurs ist aber nur gut 6 Prozent seit Jahresanfang gefallen. Und inzwischen ist der Preis für 159 Liter Öl der Sorte WTI wieder auf 40 Dollar gestiegen – nur noch 30 Prozent weniger als vor einem Jahr. „Das Schlimmste liegt hinter uns“, gab sich Nasser am Sonntag zuversichtlich. „Wir bemerken eine teilweise Erholung des Energiemarktes, da Länder auf der ganzen Welt Maßnahmen ergreifen, um die Beschränkungen zu lockern und ihre Wirtschaft wieder auf Trab zu bringen.“

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