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Satellitenbau : „Galileo ist eine dumme Idee“

Entlassen: Berry Smutny Bild: dpa

Die Veröffentlichung von Wikileaks bringt einen deutschen Manager zu Fall. Beim Bremer Satellitenbauer OHB ist eilige Schadensbegrenzung angesagt: Der Raumfahrtkonzern muss den Eindruck bekämpfen, nicht an den Sinn der „Galileo“-Satelliten zu glauben, die er selbst baut.

          Es war ein informelles Gespräch beim Mittagessen, zu dem sich Berry Smutny am 2. Oktober 2009 mit zwei amerikanischen Botschaftsangehörigen in Berlin einfand. Das Ziel der Mission war klar: Smutny wollte werben für die Produkte seines Raumfahrtunternehmens OHB-System AG, das er seit wenigen Monaten als Vorstandsvorsitzender führte und das, wie alle europäischen Anbieter in dieser Branche, größte Schwierigkeiten hat, im amerikanischen Markt Fuß zu fassen. Doch die vermeintliche Geschäftsanbahnung wurde zu einem Bumerang für Smutny. Der OHB-Aufsichtsrat hat den 48 Jahre alten Manager am Montagabend freigestellt (siehe OHB-System entlässt Vorstandschef). „Wir stellen uns damit schützend vor das Unternehmen, um den Reputationsschaden zu begrenzen“, sagte ein Sprecher des Bremer Konzerns. Allerdings soll Smutny an Eides statt erklärt haben, dass er die Äußerungen nicht gemacht hat.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Über die Enthüllungsplattform Wikileaks sind Inhalte von Smutnys damaligem Gespräch an die Öffentlichkeit gelangt. Den Depeschen zufolge, die Botschafter Philip Murphy im Herbst 2009 unterzeichnet und pflichtschuldig nach Washington gekabelt hat, lästerte Smutny in heftigen Worten über das europäische Satellitennavigationsprojekt Galileo und bezichtigte die Franzosen der Industriespionage. „Galileo ist eine dumme Idee, die vor allem französischen Interessen dient“, hat Smutny nach Angaben der Amerikaner gesagt. Mit Galileo werde das Geld der europäischen Steuerzahler verschwendet. Zudem unterschätze die EU die Komplexität dieses Projekts, dessen Kosten die EU-Kommission inzwischen auf 5,3 Milliarden Euro veranschlagt (siehe Satellitensystem Galileo wird noch teurer). Smutny selbst habe in dem Gespräch einen Anstieg auf rund 10 Milliarden Euro für möglich gehalten, schreibt Murphy in der Depesche.

          Diese Aussagen sind, so sie denn stimmen, deshalb so überraschend, weil Smutny damit seine eigene Arbeit und seinen Arbeitgeber diskreditierte. Denn zu der Zeit des Treffens in Berlin war der Manager selbst in die Verhandlungen über Galileo involviert, die Anfang 2010 in einen Großauftrag für OHB mündeten: Die Bremer bauen 14 der bis zu 32 Satelliten für das Galileoprojekt (siehe Bremer Unternehmen baut erste Galileo-Satelliten). Nach Darstellung der Amerikaner erweckte Smutny also den Eindruck, als wenn OHB zwar gerne das Geld für den Satellitenbau einstreiche, ansonsten das Projekt aber hirnrissig finde. Für OHB ist eine solche Aussage potentiell sehr geschäftsschädigend. Schließlich wird im Verlauf dieses Jahres eine zweite Tranche von Galileo-Sateliten zum Bau ausgeschrieben.

          Schon am vergangenen Freitag distanzierte sich der OHB-Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Fuchs, dessen Familie Haupteigentümer der OHB ist, entschieden von den „irritierenden Äußerungen“, die Smutny in den Wikileaks-Papieren zugeordnet werden. Diese seien mit der Philosophie und den Überzeugungen der OHB unvereinbar. Dabei bezog er sich explizit auch auf die zitierten Aussagen über Frankreich. Dieses Land soll Smutny als „evil empire“ (böses Imperium) bezeichnet haben, das den Deutschen ihre Satellitentechnologie stehle. Die Industriespionage der Franzosen schade der deutschen Wirtschaft mehr als diejenige Chinas oder Russlands. Seit dem Wochenende hat der Druck aus der Branche und der Politik extrem zu genommen. Selbst der mächtige EADS-Chef Louis Gallois soll OHB einen geharnischten Brief geschrieben haben. Diesem Druck hielt OHB nur noch bis zum Montag stand.

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