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SAP : Wird der wichtigste deutsche Softwarekonzern amerikanisch?

Hasso Plattner umgeben von den beiden SAP-Vorstandsvorsitzenden Jim Hagemann Snabe (l) und Bill McDermott (r) Bild: dpa

Der künftig allein regierende Vorstandschef von SAP arbeitet schon von den Vereinigten Staaten aus, seine Kommunikationschefin wird die ehemalige Sprecherin des Verteidigungsministers Rumsfeld. Und Aufsichtsratschef Plattner lebt und lehrt in Kalifornien.

          Der Gründer, Großaktionär und Aufsichtsratsvorsitzende des deutschen Software-Konzerns  SAP, Hasso Plattner, sieht die Zukunft des Unternehmens in Amerika und Asien. „In den alten Tagen von SAP war es egal, wo wir unsere Software programmiert haben“, sagte Plattner der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung - der im Dax notierte Konzern hat seinen Stammsitz im baden-württembergischen Walldorf: „Heute müssen wir global auftreten, um Erfolg zu haben.“ Kreativität und Innovationskraft seien vor allem in den großen Weltmetropolen und im Silicon Valley zuhause. Plattner, der noch knapp zehn Prozent der SAP-Anteile hält, lebt und lehrt selbst in Kalifornien.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die Worte des Aufsichtsratschefs nähren in Deutschland die Sorge vor einer „Amerikanisierung“ von SAP. Erst in der vergangenen Woche hatte der Konzern bekannt gegeben, dass der Däne Jim Hagemann Snabe die Rolle des Ko-Vorstandssprechers von SAP im Jahr 2014 abgibt und sich zur Wahl in den Aufsichtsrat stellt. Damit wird das operative Geschäft von SAP künftig aus Amerika heraus geführt.

          Der künftig allein regierende Vorstandschef Bill McDermott wird aller Voraussicht nach nicht nach Walldorf wechseln, sondern seinen Sitz in den Vereinigten Staaten  behalten. Die Verantwortung für die Produktentwicklung von SAP liegt bereits beim Innovationsvorstand Vishal Sikka mit Sitz im kalifornischen Palo Alto. Auch die Marketing- und PR-Abteilung ist künftig im Silicon Valley angesiedelt. Kommunikationschefin des Konzerns wird die Amerikanerin Victoria Clarke, vormals Sprecherin des amerikanischen Verteidigungsministers Donald Rumsfeld während der Zeit der Bush-Administration.

          Fehlende Offenheit gegenüber Migranten

          Im Geschäftsjahr 2012 stellte SAP in Amerika und Asien fast vier Mal so viele Mitarbeiter ein wie in Europa. Die Entwicklung des Gewinns zeigt die Verschiebung des SAP-Geschäfts nach Übersee in ähnlicher Größenordnung.

          SAP-Gründer Hasso Plattner ist überzeugt, dass es der Konzern künftig schwer haben wird, international gefragte Programmiertalente nach Walldorf zu locken. Die fehlende Offenheit gegenüber Migranten und die fehlenden Austauschmöglichkeiten mit Mitarbeitern großer konkurrierender IT-Unternehmen bezeichnete Plattner in einer Rede an die Walldorfer Belegschaft als „Nachteil“ des Standorts Deutschland.

          In Walldorf sind 12.500 der insgesamt 65.500 SAP-Mitarbeiter beschäftigt. Der deutsche Betriebsrat hatte vergangene Woche die Sorge vor einer Schwächung des deutschen Standorts geäußert. Diese wird auch durch Pläne von SAP befeuert, die Rechtsform des Konzerns kommendes Jahr in eine europäische SE umzuwandeln, was eine Verlagerung des Konzernsitzes in Ausland erleichtern würde. SAP bestreitet jedoch, dass es derartige Abwanderungsgedanken gibt.

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