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SAP : Keine „Sklaven“ und keine „schwarze Listen“

SAP-Zentrale in Walldorf: Der Konzern sei in sehr vielen Ländern aktiv, und niemand in der Belegschaft solle auch nur unterschwellig das Gefühl bekommen, nicht dazuzugehören. Bild: Reuters

Softwarekonzern SAP verbannt diskriminierende Fachbegriffe aus dem Wortschatz. Der Konzern sei in sehr vielen Ländern aktiv, und niemand in der Belegschaft solle auch nur unterschwellig das Gefühl bekommen, nicht dazuzugehören.

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          Master und Slave – Herr und Sklave. So nennen Informatiker eine Programmarchitektur, in der ein Teil der Software, der Master, bevorzugt auf Daten zugreifen kann. Alle anderen Anwendungen, die Sklaven, müssen warten. Der unterschwellige Rassismus dieser Fachsprache sei ihm auch erst vor kurzem bewusst geworden, sagt SAP-Vorstand Jürgen Müller. Er hat beschlossen, das zu ändern.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Die Unruhen in Amerika, die weltweiten Debatten über Diskriminierung und nicht zuletzt die Diskussionen in der eigenen amerikanischen Belegschaft hätten dazu geführt, dass SAP jetzt ein Zeichen setzen werde, sagt Müller im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Konzern sei in sehr vielen Ländern aktiv, und niemand in der Belegschaft solle auch nur unterschwellig das Gefühl bekommen, nicht dazuzugehören. „Wir werden deshalb diskriminierende Fachbegriffe ersetzen.“ Er hoffe, dass der Sprachwandel auch zu einem kulturellen Wandel führe. Aus Sprache entstehe schließlich Wirklichkeit.

          SAP will Vorbild sein

          Konkret geht es nach Müllers Worten um die Begriffe Master/Slave und Blacklist/Whitelist – also Herr und Sklave sowie schwarze und weiße Listen. Zwei Begriffspaare, die gerade für afroamerikanische Mitarbeiter eine besondere Bedeutung hätten. Die Wortpaare sollen je nach Anwendung durch andere Begriffe ersetzt werden, etwa „Sperr- und Erlaubnislisten“ oder „Leitsystem“ und „Folgesysteme“.

          In einem halben Jahr sollen die neuen Sprachregeln nach Darstellung von Müller für alle wichtigen Produkte des Konzerns umgesetzt sein. Es gehe nicht darum, die Funktionen der Programme zu ändern, sondern die Dokumentation, das Trainingsmaterial, die Benutzeroberfläche und die zugehörigen Internetseiten. In Handbüchern werden die Nutzer also künftig aufgefordert, etwa eine IP-Adresse auf die Blockierliste zu setzen, nicht mehr auf die schwarze Liste. Dort, wo es „potentiell einsehbar ist“, will SAP nach Müllers Worten auch den Code ändern, also den Programmtext. Und sollte das Unternehmen noch weitere potentiell diskriminierende Fachbegriffe entdecken, würden auch diese verbannt.

          SAP wolle als größter Softwarekonzern Europas ein Vorbild sein. In Amerika sei das Thema durch die aktuelle Debatte schon präsenter in der Technologie-Industrie. In Amerika auch, wo der Konzern ein knappes Drittel seiner gut 100 000 Mitarbeiter beschäftigt, hat er früh, schon im Juni, öffentlich Stellung bezogen. Und mit explizitem Verweis auf die getöteten Afroamerikaner Rayshard Brooks, George Floyd, Ahmaud Arbery und Breonna Taylor nicht nur die eigene Unternehmenspolitik von Vielfalt und Inklusion öffentlich bekräftigt.

          Zugleich erklärt er, Organisationen finanziell zu helfen, die sich um soziale Gerechtigkeit bemühen, sozial benachteiligte Talente fördern oder Firmengründungen von Afroamerikanern unterstützen. SAP selbst kündigte an, die Zahl der afroamerikanischen Mitarbeiter in Amerika in den nächsten drei Jahren zu verdoppeln. Eine Zahl nannte Müller nicht. „Wir liegen im Branchendurchschnitt, der aber am Anteil der Gesamtbevölkerung gemessen sehr gering ist.“ SAP hat sich zudem der „Stop Hate for Profit“-Kampagne angeschlossen und angekündigt, keine bezahlte Werbung auf Facebook und Instagram zu schalten, solange die beiden Konzerne die Verbreitung von Hassreden nicht stoppten.

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