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Softwarekonzern : SAP trennt sich überraschend von Ko-Chefin Jennifer Morgan

SAP-Ko-Chefin Jennifer Morgan verlässt das Unternehmen Ende April. Bild: AFP

Die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens ist nach gerade einem halben Jahr schon wieder Geschichte. SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner kippt das Modell einer Doppelspitze. In der Krise brauchten Unternehmen eine klare Führung.

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          An Ostern hatte Jennifer Morgan noch optimistische Ostergrüße getwittert. Amerikanisch offen, mit Familienfoto: Sie, die Söhne, der Mann, der Hund. Jetzt ist die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens schon wieder Geschichte. Nach gerade mal einem halbem Jahr gemeinsam mit ihrem „Ko“ Christian Klein an der Spitze von SAP verlässt die 49 Jahre alte Amerikanerin überraschend das Unternehmen.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Die durch die Corona-Pandemie ausgelöste Krise verlange mehr denn je schnelles und entschlossenes Handel eine klare „hierbei unterstützende Führungskultur“, teilte der Konzern in der Nacht auf Dienstag mit. Die Entscheidung zurück zum Modell eines alleinigen Vorstandssprechers sei daher früher gefallen als geplant. Morgan wird SAP mit unbekanntem Ziel schon Ende April verlassen. 

          „Volles Vertrauen“ in Klein

          Der 39 Jahre alte Kein, der Deutschlands wertvollsten Konzern künftig alleine führen wird, beteuerte am Dienstagmorgen, der Abgang habe lediglich die genannten Gründe. Es habe keine Meinungsverschiedenheiten gegeben. Morgan, er und der Aufsichtsrat seien gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass SAP in der aktuellen Situation der Verantwortung nach klarer Führung so besser gerecht werde. Von der laufenden Portfoliorestrukturierung bis hin zur Frage, wie man die Rechenzentren am Laufen halte, müsse SAP zur Zeit sehr viele Fragen von Kunden und Mitarbeitern beantworten. Mit einer neuen, klaren Verantwortung können SAP das besser lösen, sagte Klein.

          Der SAP-Mitbegründer, Großaktionär und Aufsichtsratschef Hasso Platter dankte Morgan in kurzen Worten für ihr Engagement. Der Übergang falle in eine Zeit großer Unsicherheit. „Aber ich habe volles Vertrauen in Christians unternehmerische Visionen und Fähigkeiten, SAP auf dem Weg zu anhaltendem profitablen Wachstum, Innovation und Kundenerfolg weiter voranzubringen.“ 

          Tatsächlich hatte sich Klein von der Konzernzentrale im badischen Walldorf schon bisher um die wichtigen Weichenstellungen gekümmert, vor allem den internen Umbau der Organisation. Mit dem Kraftakt soll SAP fit gemacht werden für den Wandel in der Softwarewelt, weg von festinstallierten Programmen hin zum Cloudgeschäft, in dem Kunden die Softwarelösungen nur noch mieten und zum großen Teil gar nicht mehr selbst betreiben. 

          Keine Staatshilfe oder Kurzarbeit

          Der Umbau geht einher mit einer Verschlankung der Produktpalette und ist sowohl für die Kunden als auch die Mitarbeiter das aktuell wichtigste Projekt. Morgan, seit dem Jahr 2004 im Konzern und seit dem Jahr 2017 im Vorstand, war zwar für die gesamten Zukäufe im Cloudgeschäft verantwortlich. Zum einen aber hat SAP die Einkaufstour ohnehin gestoppt. Zum anderen lag die Verantwortung für die von den Kunden hartnäckig eingeforderte Vereinheitlichung der Datenmodell und die Integration aller Programme in das bestehende Portfolio schon jetzt vor allem bei Klein.

          Klein und Morgan im Januar 2020 während einer Bilanzpressekonferenz in Walldorf

          SAP hatte schon vor zehn Tagen von einer Epidemie bedingt starken Rückgang im Geschäft mit Neulizenzen von 30 Prozent gesprochen und deshalb die Jahresprognosen zurückgenommen. Am Dienstag bekräftige der Konzern seinen neuen Ausblick, zugleich zeigten sich Klein und Finanzvorstand Luka Mucic überaus optimistisch für die Zeit nach der Krise. SAP sei Dank des stark wachsenden Cloudgeschäftes und der dort anfallenden monatlich wiederkehrenden Erlöse widerstandsfähig gegen Krisen.

          SAP

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          Zugleich erwartet Klein nach eigenem Bekunden, dass die Unternehmenskunden nach den Erfahrungen in der  Krise stark in Informationstechnik und Digitalisierung investieren. Es gebe keine Alternative zur digitalen Transformation, das habe die Krise nun allen vor Augen geführt. SAP will sparen und nur noch selektiv einstellen. Ein neues Aktienrückkaufprogramm wird nach Mucics Worten dieses Jahr nicht mehr kommen, die höhere Dividende schon.

          Staatshilfe und Kurzarbeit seien für den Konzern kein Thema. Für das Betriebsergebnis im laufenden Jahr gibt der Vorstand jetzt eine Zielspanne von 8,1 bis 8,7 Milliarden Euro vor. Bislang war von 8,9 bis 9,3 Milliarden Euro die Rede.

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