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SAP : Hasso Plattner zieht die Reißleine

Die neue SAP-Doppelspitze: Jim Hagemann Snabe (l) und Bill McDermott Bild: dpa

Der SAP-Gründer fürchtet um sein Lebenswerk und trennt sich deshalb von dem glücklosen Vorstandssprecher Léo Apotheker. SAP wird künftig wieder von einer Doppelspitze geführt. Der Konzern hat früher schon Erfahrungen mit Führungsduos gemacht, aber unter ganz anderen Vorzeichen.

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          Wenn ein Unternehmer Jahre nach der Unternehmensgründung wieder ins operative Geschäft eingreift, ist etwas schief gelaufen. Das gilt umso mehr, je größer das Unternehmen ist. Wenn also der 66 Jahre alte SAP-Mitbegründer und Aufsichtsratchef Hasso Plattner den Vorstandschef Knall auf Fall entlässt und „weiterhin eine starke Rolle spielen will, um die neue Führung in Fragen der Technologie und der Produktentwicklung zu beraten“, dann zeigt das überdeutlich: SAP ist auch 37 Jahre nach der Gründung auf die Gründer angewiesen. Mit anderen Worten: das Unternehmen, das jahrelang zum beliebtesten Arbeitgeber Deutschlands gewählt wurde, hat ein Führungsproblem.

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Nach dem Rücktritt von Léo Apotheker kehrt SAP nach Plattner Worten zu einer Doppelspitze „zurück“. Künftig sollen der 45 Jahre alte Däne Jim Hagemann Snabe und der 48 Jahre alte Amerikaner Bill McDermot das Unternehmen als gleichberechtigte Vorstandssprecher führen. Von einer Rückkehr zur alten Doppelspitze freilich kann kaum die Rede sein. Der Konzern hat zwar Erfahrungen mit Führungsduos gemacht, aber unter ganz anderen Vorzeichen. Von 1998 bis 2003 liefen Hasso Plattner und Henning Kagermann parallel, um den geräuschlosen Übergang von einem gründergeführten zu einem Management-Unternehmen zu erreichen. Klares Ziel war die alleinige Führung von Kagermann.

          Später „begleitete“ der bei Kunden und Mitarbeitern gleichermaßen geschätzte Kagermann zwar seinen designierten Nachfolger Apotheker, das allerdings war schon eine deutliche Misstrauensbekundung der Gründer. Nach nicht einmal einem Jahr an der Unternehmensspitze hat er nun das Handtuch geworfen. Der 56 Jahre alte erfolgreiche Vertriebsmann ist im „People's Business“ Software an den Menschen gescheitert. Die Kunden brachte er mit höheren Wartungspreisen gegen sich auf, die verwöhnten Mitarbeiter mit Stellenstreichungen und Sparrunden. Vor allem das „Wie“ war sein Problem. Apotheker ist nicht über seine angestammte Rolle des hemdsärmlichen Vertrieblers hinausgewachsen. Menschen begeistern war seine Sache nicht. Schon seiner Inthronisation fehlte der Glanz. Schließlich war klar, dass Plattner schon damals am liebsten seinen Ziehsohn Shai Agassi auf den Schild gehoben hätte. Die Skepsis, vor allem von Mitbegründer Dietmar Hopp aber, einen Konzern in so junge unerfahrene Hände zu legen, überwog. So verließ das „IT-Wunderkind“ den Konzern.

          Hasso Plattner
          Hasso Plattner : Bild: dpa (Archivbild 2008)

          Die Widerstände gegen Apotheker auf Gründerseite waren offenbar einhellig. Die Ablehnung bei Kunden und bei den Entwicklern wurde einfach zu groß. Vergange Woche, als die Ergebnisse einer Mitarbeiterbefragung veröffentlicht wurden, lief das Fass über. Das Urteil über den Vorstand war miserabel. Vor allem die Entwickler zeigten sich unzufrieden. Mit einer murrenden Entwicklertruppe aber setzt der Konzern seine Zukunft aufs Spiel, das konnte Plattner nicht akzeptieren. Am Wochenende trennte sich der SAP-Mitbegründer nach 22 Jahren von seinem Mitarbeiter Nummer 3892.

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