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SAP : Ein Dienstrad für 10.000 Euro

Nach der Arbeit geht es noch einmal rauf auf’s Rad: Bei SAP darf das etwas teurer sein. Bild: Reuters

Wer will schon ein Mittelklasse-Auto, wenn man ein Luxusrad haben kann? Der IT-Konzern SAP erweitert seine Dienstwagenregelung um ein umfassendes Programm für Fahrräder.

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          Im Jahre 2011 rollte das erste „Betriebsfahrrad“ auf dem Gelände von SAP. Ein Mitarbeiter aus Indien, der für ein halbes Jahr in der Konzernzentrale ins badische Walldorf beordert wurde, verzichtete auf seinen Firmenwagenanspruch und bekam stattdessen ein Fahrrad zur freien Verfügung – „für Fahrten zur Arbeit und in der Freizeit“, wie es damals hieß.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Seit diesem Frühjahr bietet Deutschlands Informationstechnologie-Vorzeigekonzern seinen Mitarbeitern nun ein umfassendes Programm an Dienstfahrrädern an. Die 17.000 Beschäftigten in Deutschland können seit April neben Dienstwagen oder Bahncard 100 auch Dienstfahrräder bis zu einem Preis von 10.000 Euro leasen. „Seit Beginn des Programms wurden 950 Fahrräder bestellt“, sagt SAP-Mitarbeiterin Bettina Wunderle.

          Gewerkschaften sperren sich gegen Diensträder

          Das Potential für Dienstfahrräder ist ohne Frage groß: Nach Zahlen des Mikrozensus 2008 liegt die Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte bei etwa der Hälfte der Arbeitnehmer unter zehn Kilometern. Doch obwohl die Zahl der Dienstfahrräder seit der steuerlichen Neuregelung im Jahre 2012 stark gestiegen ist, bleibe der Markt nach Einschätzung von Leaserad hinter den Möglichkeiten zurück. Holger Tumat, Geschäftsführer der Freiburger Gesellschaft, die sich als Vorreiter und Marktführer versteht, macht dafür den Widerstand der großen Gewerkschaften verantwortlich.

          Die Gewerkschaften IG Metall und Verdi lehnten Fahrrad-Leasing häufig ab, sagt er. Sie sperrten sich dagegen, dass in diesem Fall Teile des Tariflohns nicht mehr in bar gezahlt würden. Bei übertariflicher Bezahlung sei das kein Problem. So aber sei Fahrrad-Leasing bei öffentlichen Arbeitgebern zurzeit de facto nicht möglich. Dennoch ist der Markt nach Tumats Worten in den vergangenen drei Jahren dynamisch gewachsen. Mehr als 1000 Arbeitgeber hätten allein mit seinem Unternehmen Verträge gemacht. Die Zahl der teilnehmenden Fahrradhändler sei von 300 im Jahr 2012 auf mehr als 2000 gestiegen.

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          Wer sich bei SAP für ein Dienstfahrrad entscheidet, kann sich bei den Vertragshändlern von Leaserad sein Wunschrad bestellen, SAP kann dieses Rad dann zu Sonderkonditionen leasen. Dem Mitarbeiter wird drei Jahre lang die Leasingrate monatlich von seinem Bruttoeinkommen abgezogen. Dadurch muss er weniger Steuern und Sozialabgaben auf das verbliebene Gehalt zahlen. Ein Prozent des Bruttopreises muss er zwar wie beim Dienstwagen als geldwerten Vorteil versteuern, trotzdem spart er nach Berechnungen von SAP zwischen 20 und 40 Prozent im Vergleich zum Privatkauf. Seit der Gesetzgeber im Jahre 2012 das sogenannte Dienstwagenprivileg auf Fahrräder ausgeweitet hat, sind Dienstwagen den Fahrrädern und Elektrofahrrädern steuerlich gleichgestellt.

          Positiver Nebeneffekt für die Unternehmen: Ihr Ruf als Arbeitgeber wird aufgewertet. Im Wettbewerb um die besten Köpfe gewinnen besonders in Hochlohnbranchen wie der Software-Industrie weiche Faktoren wie Selbstverwirklichung, Work-Life-Balance und Nachhaltigkeit an Bedeutung. Leaserad-Chef Tumat zeigt sich optimistisch: Für Arbeitgeber sei Fahrrad-Leasing eine weitere Möglichkeit, ihre Attraktivität für Mitarbeiter zu steigern. „Diese Entwicklung steht erst am Anfang.“

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