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SAP-Chef Snabe im Gespräch : „Der Aufschwung ist noch nicht vorbei“

  • Aktualisiert am

„Ein Land ist nicht anders als ein Unternehmen” Bild: Hannes Jung

Im Interview spricht der Chef des Softwareherstellers Jim Hagemann Snabe über volle Auftragsbücher, panische Börsen und seine Lehren aus den Armenvierteln von Mumbai.

          Herr Snabe, an den Börsen geht die Angst um, die Konjunktursignale drehen nach unten – ist der XXL-Aufschwung schon vorbei?

          Das glaube ich nicht. Draußen bei unseren Kunden sieht es nach wie vor gut aus. Es ist viel Schwung in den Unternehmen. Aber es gibt natürlich erhöhte Risiken.

          Schuldenkrise und panische Märkte lassen Sie kalt?

          Wenn die Unsicherheiten anhalten, kann es zur Krise kommen, klar, das ist nicht ausgeschlossen. Noch aber spüren wir davon nichts. Im Gegenteil. Wenn ich von Gesprächen mit Unternehmern komme, in denen wir über Wachstum und Investition in Innovationen reden, und schalte danach das Radio an, dann wundere ich mich häufig: Das passt so gar nicht zusammen mit unseren realen Erfahrungen.

          Jim Hagemann Snabe, 45, ist der dänische Teil der SAP-Doppelspitze

          Ihre Auftragsbücher sind voll?

          Ja, wir haben ein extrem starkes Quartal abgeliefert: Mit einem Umsatzplus von 35 Prozent im Software-Bereich, was entscheidend ist für SAP, und wir werden weiter wachsen. Wir wollen am oberen Ende unserer Jahresprognose landen, darauf deuten alle Zahlen hin.

          Und wenn weltweit die Stimmung kippt, die Dynamik auch in den Schwellenländern nachlässt?

          Wir müssen die längerfristigen Trends sehen: Das Tempo in Asien, in den BRIC-Staaten wird hoch bleiben: Wir reden da von Auftragszuwächsen von 50, 80, 100 Prozent im Jahr – nicht nur in unserer Branche. Die Bedürfnisse der Menschen dort sind sehr groß: Alle wollen mehr Wohlstand, Autos, i-Pads . . . Wir in Europa dürfen nur nicht die Zuversicht verlieren und durch unsere inneren Probleme den Bedeutungsverlust in der globalen Ökonomie beschleunigen.

          Die Euro-Krise sehen Sie als Gefahr fürs Geschäft?

          Ja. Die Politik muss helfen, eine höhere Stabilität hinzubekommen. Unsicherheit ist immer schlecht für den Unternehmer. Das mag er gar nicht.

          Braucht ein so globales Unternehmen wie SAP überhaupt den Euro? Sie können Ihre Rechnungen in jeder Währung schreiben.

          Das könnte man so sehen, in dem Sinne, dass wir unabhängig von einzelnen Märkten sind. Aber sowohl für die Weltökonomie als auch für SAP ist es sehr wichtig, mehrere große, gleich starke Währungen zu haben – nicht nur den Dollar.

          Warum hängt Ihr Herz an einer Vielfalt starker Währungen? Was bringt das dem Kaufmann?

          Ich glaube an die Kraft der Balance. Das Gleichgewicht ist wichtig, wenn man Innovationen schaffen will. Dasselbe gilt für die Stabilität in der Welt.

          Erst mal hilft Ihnen ein schwacher Euro, das macht SAP-Software auf dem Weltmarkt billiger.

          Ich denke aber immer langfristig. Und da ist mir ein starker Euro sehr viel lieber – für die Unternehmen wie für Europa.

          Ein Zerfall der Eurozone, die Rückkehr zur D-Mark ist für Sie ein Horrorszenario?

          Es wäre ein Fehler der Deutschen zu denken, wenn wir eine kleinere und stärkere Währung hätten, wäre das besser. Kurzfristig mag es Vorteile bringen, langfristig wäre der Schaden groß. Deswegen bin ich froh, dass Kanzlerin Merkel und Präsident Sarkozy jetzt deutlich gesagt haben: Wie werden die Stabilität der Eurozone verbessern.

          Ähnliches haben die Politiker schon auf etlichen Gipfeln gesagt – und die Turbulenzen gingen weiter.

          Trotzdem ist die Aussage absolut wichtig. Und bei aller Kritik an der Politik darf man eines nicht vergessen: Die Probleme begannen anderswo, im Finanzsektor, wo manche Akteure inakzeptable Risiken eingegangen sind. Die Staaten mussten die Banken retten. Und jetzt haben sie selbst ein Problem. Daraus lerne ich: Ein Land ist nicht anders als ein Unternehmen. Man muss grundsätzlich weniger ausgeben als einnehmen – dabei könnten wir der Politik helfen, ohne dass es viel kostet.

          Wie das?

          Indem wir die Effizienz der Staaten erhöhen, etwa mit Hilfe der Gesundheitskarte: ein gewaltiges Sparpotential.

          Das Projekt zieht sich seit Jahren, offenbar fehlt der politische Wille.

          Solche Ausreden zählen irgendwann nicht mehr. Wenn wir den Gesundheitssektor nicht mindestens doppelt so effizient gestalten, dann wird es düster im alternden Europa. In Indien leben 500 Millionen Menschen unter 26 Jahren; sie sprechen alle Englisch, und sie wollen den Weltmarkt erobern. Da dürfen wir nicht bequem werden. Meine Sorge ist, dass wir in Europa über viele Jahre gut verdient haben und nicht mehr denselben ‚Hunger haben wie manch andere Länder. Wir als Unternehmen müssen immer ambitioniert sein.

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