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Vor der Hauptversammlung : SAP-Aktionäre fordern Klarheit über Plattner-Nachfolge

SAP-Aufsichtsratschef Hasso Plattner Bild: dpa

Vor der Hauptversammlung des Softwarekonzerns rumort es unter den Aktionären. Es geht um die fehlende Nachfolgeregelung für SAP-Übervater Hasso Plattner und um die Managervergütung.

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          Die Aktionäre des Softwarekonzerns SAP dringen vor der Hauptversammlung auf eine Nachfolgeregelung für den langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Mitbegründer Hasso Plattner. Der Siebenundsiebzigjährige SAP-Übervater, der als „Chief Software Advisor“ noch immer stark in die Stratege eingebunden ist, wollte sich eigentlich 2022 aus dem Kontrollgremium zurückziehen. Im vergangenen Jahr kündigte er jedoch an, sein Mandat möglicherweise nochmal zu verlängern. Dem Handelsblatt sagte er damals, auf ein paar Jährchen mehr oder weniger komme es jetzt auch nicht mehr an. Er sei diesbezüglich angesprochen worden und sehe „zumindest eine gewisse Logik darin, in unruhigen Corona-Zeiten wie jetzt ein Stück Sicherheit und Kontinuität ins Unternehmen zu bringen“. 

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          Die Ankündigung wurde intern und am Kapitalmarkt als Misstrauensvotum gegen Aufsichtsrat Gerhard Oswald verstanden. Der ehemalige SAP-Vorstand und Vertraute von Mitgründer Dietmar Hopp galt als ein möglicher Nachfolger von Plattner. 

          Die Aktionäre fordern nun Klarheit. Plattner habe sich in besonderem Maße um SAP verdient gemacht, aber jetzt sei es wirklich an der Zeit, den Aufsichtsratsvorsitz in jüngere Hände zu legen, sagt Aktionärsvertreter Markus Golinski von der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment. „Der längst überfällige Wandel ist so anspruchsvoll und so tiefgreifend, dass an einer langfristigen Nachfolgelösung kein Weg mehr vorbeiführt.“ Vorstandschef Christian Klein brauche einen Aufsichtsratschef, der ihn über die gesamte Transitionsphase begleiten könne. Ähnliche Töne kommen von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka: „Es wird Zeit, den Staffelstab des Aufsichtsratsvorsitzenden zu übergeben. Wir fordern daher eine nachvollziehbare Nachfolgeregelung für Hasso Plattner und eine Verjüngung des Aufsichtsrates“, sagt Deka-Vertreter Ingo Speich. Plattner habe über den Aufsichtsrat und die Strategie- und Technologiekomitees einen immensen Einfluss. „Wir sehen die Machtkonzentration kritisch und wünschen uns einen unabhängigen Aufsichtsratsvorsitzenden, der das neue Managementteam auch im nächsten Jahrzehnt begleiten kann.“ 

          SAP

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          Fraglich ist, welche Rolle Rouven Westphal in den Überlegungen von Plattner spielt. Der 48 Jahre alte Betriebswirt soll auf der Hauptversammlung am Mittwoch als Nachfolger für den scheidenden ehemaligen Nokia-Cheef Pekka Ala-Pietilä in den Aufsichtsrat gewählt werden. Westphal ist als Vorstandsmitglied der Hasso Plattner Foundation und als Geschäftsführer des Family Offices eng mit Plattner verbunden. SAP bewertet den promovierten Betriebswirt und ehemaligen Unternehmensberater dennoch als unabhängigen Kandidaten im Sinne des deutschen Corporate Governance Kodexes. Deka-Vertreter Speich will der Wahl gleichwohl zustimmen, sagt aber: „Die Nähe zu Hasso Platter ist augenscheinlich und kontraproduktiv, weil eine ausreichende Unabhängigkeit nicht gegeben ist.“ 

          Aktionäre kritisieren Vergütungssystem

          Nicht zum ersten Mal äußern etliche Aktionärsvertreter auch deutliche Kritik an der Vorstandsvergütung,  insbesondere an der von Plattner mit Verweis auf die hohen Corona-Belastungen adhoc bewilligten Zusatzvergütung von 4 Millionen Euro für den Vorstand,  durch die alleine Vorstandssprecher Christian Klein zusätzlich 1.1 Millionen Euro in SAP-Aktien bekommt. Da im Geschäftsjahr 2020 „wohl pandemiebedingt“ die Voraussetzungen zur Auszahlung der kurzfristigen Boni nicht erreicht worden seien, habe der Aufsichtsrat flugs eine entsprechende außerordentliche Klausel im Vergütungssystem gezogen, kritisiert Speich. Nach Einschätzung der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz unterlaufe der Aufsichtsrat damit den Sinn und Zweck der kurzfristigen Vergütung. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre kritisiert die Sonderklausel ebenfalls als  „Fremdkörper“, mit dem der Wegfall der kurzfristige Vergütung unterlaufen werde. Dabei hatte SAP das Vergütungssystem nach heftiger Kritik und einer nur knappen Entlastung der Verwaltung durch die Aktionäre im Jahr 2017 runderneuert. 

          Ein neuerlicher Eklat wie damals ist am Mittwoch nicht zu erwarten:  Diesmal will „nur“ die DSW dem Aufsichtsrat die Entlastung noch einmal verweigern, weil die sehr abrupten Führungswechsel Kosten in Höhe von 23,3 Millionen Euro ohne Berücksichtigung der Ausgaben für langfristige Vergütungen verursacht hätten. Sowohl die SdK als auch die beiden Fondsgesellschaften haben vor der Hauptversammlung angekündigt, Aufsichtsrat und Vorstand für seine Arbeit im Jahr 2020 zu entlasten.

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