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Rennen der Pharmakonzerne : Sanofi kündigt klinische Studien für zwei Coronavirus-Impfstoffe an

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Eine Spritze wird gefüllt: Wann wird es einen Impfstoff gegen Covid-19 geben? Bild: ASSOCIATED PRESS

Damit haben zehn von rund hundert Impfstoffkandidaten bereits die klinische Testphase erreicht. Derweil verhandelt Gilead mit internationalen Produzenten, um die globale Versorgung mit seinem COVID-19-Medikament Remdesivir bis 2022 sicherzustellen.

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          Der französische Arzneimittelhersteller Sanofi will mit dem Start einer klinischen Studie die Wirksamkeit von zwei experimentellen Impfstoffen gegen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 überprüfen. Während“Phase-I-Impfstoffstudien in der Regel eine kleine Anzahl gesunder Probanden umfassen, sagte Sanofi, dass es sich für eine größere Zahl an Testpersonen entschieden habe, um deutlichere Ergebnisse schneller zu erzielen. „Wir stellten uns vor, dass Phase I tatsächlich mehrere hundert Probanden haben wird, also ist es wirklich eine Phase-I/II-Studie“, sagte John Shiver, Leiter der Sanofi-Impfstoffforschung am späten Dienstagabend.

          Der Pharmakonzern arbeitet derzeit an zwei aussichtsreichen Impfstoffprojekte: Eines basiert auf eine Kooperation mit GlaxoSmithKline. Sanofi bringe ein Protein-Antigen – ein Molekül, das entwickelt wurde, um eine Immunantwort im Körper auszulösen  auf der Grundlage eines Trägers ein, die es für seinen Grippeimpfstoff „Flublok“  verwendet. GlaxoSmithKline (GSK) werde eines seiner zugelassenen Hilfsstoffe beisteuern, das eine Steigerung der Immunantwort hervorrufe und infolgedessen mehr Antikörper und länger anhaltende Immunität verspreche.

          Mehrere Herstellungsmöglichkeiten würden derzeit geprüft, um die Nachfrage zu decken, falls eines der beiden Programme erfolgreich sei, teilte das Unternehmen mit. Sanofi hatte zuvor gesagt, dass es in der Lage sein werde, mehr als eine Milliarde Dosen zu produzieren. Das Projekt mit GSK wurde von dem amerikanischen Gesundheitsministerium finanziell unterstützt. Die Testphase soll im September starten, Vergleichsstudien in der Spätphase des Impfstoffs mit Placebo-Mitteln seien gegen Ende des Jahres oder Anfang 2021 geplant, so der Pharmahersteller.

          Sanofi arbeitet mit der in den Vereinigten Staaten ansässigen Translate Bio an einem weiteren Impfstoff. Der Impfstoffkandidat basiert auf der Boten-RNA-Technologie (mRNA), ähnlich wie experimentelle Impfstoffe, die von Pfizer in Partnerschaft mit BioNTech in der Entwicklung sind. Die mRNA-Technologie weist Zellen im Körper an, spezifische Coronavirus-Proteine herzustellen, die dann eine Immunantwort erzeugen. Die klinischen Studien mit diesem Impfstoff werden nach Angaben der Unternehmen voraussichtlich i vierten Quartal beginnen. Nach Angaben der kalifornischen Denkfabrik „Milken Institute“ haben bisher zehn der mehr als hundert Impfstoffkandidaten die klinische Testphase erreicht.

          Gilead verhandelt mit Firmen in Indien und Pakistan

          Unterdessen ist er amerikanische Pharmakonzern Gilead ist auf der Suche nach Chemie- und Arzneimittelherstellern für sein experimentelles COVID-19-Medikament Remdesivir. Das Unternehmen befände sich in Gesprächen über den Aufbau eines Konsortiums von Produktionspartnern, um die globale Versorgung bis 2022 sicherzustellen, teilte Gilead am späten Dienstagabend mit. Das Medikament benötige für seine Herstellung knappe Rohstoffe und spezialisierte Fertigungskapazitäten.

          Langfristige Lizenzen sollen nach Unternehmensangaben mit mehreren Generikaherstellern in Indien und Pakistan aushandelt werden, um Remdesivir für Entwicklungsländer zu produzieren. Einer der größten Arzneimittelhersteller Bangladeschs, BeximcoBPharmaceuticals, werde die Remdesivir-Produktion in diesem Monat beginnen, berichtete Reuters am Dienstag unter Berufung auf einen leitenden Unternehmensleiter. Details zu weiteren beteiligten Unternehmen gab der Arzneimittelhersteller nicht bekannt.

          Gilead erhielt letzte Woche die amerikanische Zulassung für die Verwendung von Remdesivir in Notfällen, nachdem der Arzneimittelhersteller Daten zur Verfügung gestellt hatte, die zeigten, dass das Medikament den Krankheitsverlauf bei Patienten verkürzen kann. Der Pharmakonzern hatte zuvor angekündigt, die ersten 1,5 Millionen Dosen zu spenden und das Medikament nach seiner Zulassung für so viele Menschen zugänglich und erschwinglich zu machen.

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