https://www.faz.net/-gqe-7108w

Sanifair-Toiletten : Reibach an der Raststätte

Für viele Kunden ein Ärgernis: Sanifair-Toiletten Bild: dpa

An deutschen Autobahnen wird viel Geld umgesetzt. Wohl auch dank der Sanifair-Toiletten. Aber darüber spricht niemand gerne - transparente Strukturen sehen anders aus.

          Wer heutzutage auf der Autobahn unterwegs ist und dringend mal rausmuss, landet an einem Ort, der immer gleich aussieht: grün oder blau gekachelt, sehr reinlich, nur die Werbung über den Klosetts stört die Idylle. „Sanifair“ heißen die Anlagen, was wohl frisch und anständig klingen soll. Doch für viele Kunden sind die Toiletten ein Ärgernis, denn kostenlos kommen da nur kleine Kinder hinein. Alle anderen müssen Geld in einen Automaten werfen. Früher waren das 50 Cent, und mit dem Bon, den man dafür erhielt, konnte man im gleichen Wert an der Tankstelle Waren kaufen. Heute liegt die Gebühr bei 70 Cent, einlösen lassen sich aber weiterhin nur 50 Cent. Da stellt sich die Frage, wer eigentlich mit den Toiletten Geld verdient.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          Eine einfache Frage, denkt man. Aber wer in der Sache nachhakt, stochert im Nebel eines Marktes, in dem jeder seine Pfründen zu schützen scheint, in dem es um eine Monopolstellung an deutschen Autobahnen geht, in dem kaum Zahlen veröffentlicht werden, aber dafür von horrenden Schulden die Rede ist, und in dem die Eigner in britischen Steueroasen registriert sind. Wer nach konkreten Zahlen fragt, erhält immer die gleiche Antwort: Leider könne man da nicht weiterhelfen.

          Früher ein staatliches Unternehmen

          Die Toilettenkette Sanifair ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der Tank & Rast GmbH. Das war früher ein staatliches Unternehmen und wurde 1998 privatisiert. Doch im Anschluss daran diversifizierte sich der Markt keineswegs - heute gehören mehr als 90 Prozent aller Anlagen an deutschen Autobahnen der Tank & Rast. Das sind 350 Tankstellen und 380 Raststätten. Die werden wiederum von 130 Pächtern betrieben, welche einen Teil ihrer Einnahmen an Tank & Rast abgeben müssen.

          Das Unternehmen selbst gehört mehrheitlich zwei Eignern: einerseits der Monterey Capital IV Sarl, einer Firma mit Sitz in Luxemburg, welche wiederum dem britischen Unternehmen Terra Firma gehört. Das ist einer der größten europäischen Private-Equity-Investoren und dessen Fonds für Tank & Rast hat seinen Sitz auf Guernsey, einer britischen Insel im Ärmelkanal. Der andere Anteil gehört RREEF Pan European Infrastructure Two Lux Sarl, dabei handelt es sich wiederum um eine luxemburgische Gesellschaft. Diese ist beteiligt mit dem Kapital eines Fonds, der letztlich der Deutschen Bank gehört. Der Fonds wird von einem Unternehmen mit Sitz auf Jersey geleitet - wiederum eine britische Steueroase.

          Früher kostete der Besuch der Toilette 50 Cent, und mit dem Bon, den man dafür erhielt, konnte man im gleichen Wert an der Tankstelle einkaufen. Heute liegt die Gebühr bei 70 Cent, einlösen lassen sich aber weiterhin nur 50 Cent Bilderstrecke

          Transparente Strukturen sehen anders aus, und Tank & Rast bietet auch keine detaillierten Geschäftsberichte. Zum Jahr 2011 gebe es noch keine Zahlen, sagt der Sprecher, und für 2010 wurden nur wenige Ergebnisse herausgegeben: Damals erwirtschaftete Tank & Rast einen Umsatz von 279 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen betrug 196 Millionen Euro. Das ist üppig. Zum Gewinn nach Steuern werden auch auf Nachfrage keine Angaben gemacht. Nur so viel: „Wir sind mit unserer wirtschaftlichen Entwicklung zufrieden“ - sagt der Sprecher.

          Doch auf dem Unternehmen lasten hohe Schulden, angeblich 2,2 Milliarden Euro, die nicht zuletzt von einer Sonderdividende stammen, die sich der britische Eigner Terra Firma 2006 genehmigte. Die Zahl von 2,2 Milliarden Euro Schulden will das Unternehmen nicht bestätigen. Auf Nachfrage nach der aktuellen Schuldenlast heißt es von Tank & Rast: „Wir äußern uns nicht öffentlich zu unserer Finanzierungsstruktur.“

          Weitere Themen

          Fernverkehr liegt lahm Video-Seite öffnen

          Warnstreiks bei der Bahn : Fernverkehr liegt lahm

          Die Gewerkschaft EVG hat für Montag einen Arbeitskampf angekündigt. Schwerpunkte nannte sie nicht. Mit Beeinträchtigungen müsse im ganzen Land gerechnet werden. Die Deutsche Bahn rät Reisenden ihre Fahrt zu verschieben.

          Erneute Warnstreiks bei der Bahn Video-Seite öffnen

          EVG kündigt Streiks an : Erneute Warnstreiks bei der Bahn

          Bahn-Reisende müssen sich auf Streiks in der Vorweihnachtszeit einstellen. Die EVG erklärte die laufenden Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn für gescheitert. Bereits in den nächsten Tagen ist mit erheblichen Zugausfällen zu rechnen.

          Topmeldungen

          Ein Brite protestiert gegen den Brexit.

          FAZ Plus Artikel: Angst vor Brexit : Geht London der Blumenkohl aus?

          Viele Obst- und Gemüsehändler in der Markthalle von New Spitalfields, dem größten Umschlagplatz für frische Lebensmittel in der britischen Hauptstadt, fürchten sich vor dem Brexit. Sie bereiten sich schon jetzt auf den Mangel vor.
          Unser Sprinter-Autor: Carsten Knop

          FAZ.NET-Sprinter : Hätte, wollte, dürfte

          Eigentlich sollte am Dienstag das Brexit-Votum stattfinden. Eigentlich wollte Frankreichs Präsident Macron keine Zugeständnisse machen. Eigentlich dürfte die CDU keine politische Gestaltungsverweigerung mehr üben. Eigentlich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.