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Sanierung des Autoherstellers : Teilverkauf des Opel-Entwicklungszentrums perfekt

Opel-Entwicklungszentrum in Rüsselsheim Bild: Marcus Kaufhold

Seit Anfang September wurde über einen Teilverkauf verhandelt. Nun ist er unter Dach und Fach. Der Kündigungsschutz soll erhalten bleiben. Dennoch dürfte Gewerkschaft nicht begeistert sein.

          Der Autohersteller Opel wird einen Teil seines Rüsselsheimer Entwicklungszentrums an den französischen Ingenieurdienstleister Segula Technologies verkaufen. Wie Opel am Donnerstag mitteilte, haben beide Unternehmen eine „strategische Partnerschaft“ vereinbart und einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Der Abschluss des Teilverkaufs werde für das zweite Quartal nächsten Jahres erwartet. Über den Kaufpreis haben Opel und Segula Stillschweigen vereinbart.

          Die Verhandlungen über den Teilverkauf liefen offiziell seit Anfang September. Wie damals angekündigt sollen bis zu 2000 der zuletzt 7000 Ingenieure und Techniker im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum an Segula gehen. Zudem sichert sich das französische Unternehmen Anlagen für die Fahrzeug- und Antriebsentwicklung. Vorgesehen ist, einzelne Opel-Entwicklungsabteilungen zu verkleinern und sie nicht vollständig auszulagern.

          Der bis Juli 2023 vereinbarte Kündigungsschutz für die Mitarbeiter des Entwicklungszentrums gilt laut der Mitteilung weiter. Nun würde weiter mit Arbeitnehmervertretern und Gewerkschaften verhandelt. Segula plant früheren Angaben zufolge, einen eigenen Standort in Rüsselsheim aufzubauen. Dort soll auch Entwicklungsarbeit für Branchen jenseits der Autoindustrie geleistet werden.

          Arbeitspensum geht zurück

          Hintergrund des Teilverkaufs ist die Übernahme Opels durch den französischen Konzern PSA Peugeot Citroën. Weil PSA Opel vom früheren Eigentümer General Motors übernommen hat, sinkt das Arbeitspensum im Entwicklungszentrum nach und nach. Ein Teil der dort geleisteten Arbeit fließt derzeit noch in Projekte für den amerikanischen General-Motors-Konzern.

          „Nachdem wir Opel von General Motors übernommen hatten, war vollkommen klar, dass das Arbeitspensum für den alten Eigentümer im Entwicklungszentrum Schritt für Schritt komplett zurückgehen wird“, sagte der PSA-Vorstandsvorsitzende Carlos Tavares in einem Gespräch mit FAZ.NET im September. „Als verantwortungsbewusstes Management müssen wir uns auf diesen Zeitpunkt vorbereiten und – zusammen mit unseren Sozialpartnern – eine Lösung finden. Wir dürfen vor dieser Realität nicht die Augen verschließen.“

          Gewerkschaft gegen Segula

          Die IG Metall gab sich verwundert über die Einigung. Mit dem Betriebsrat sei nicht verhandelt worden, teilte die IG Metall mit und verwies auf das Betriebsverfasssungsgesetz. Das schreibe vor, dass in solchen Fällen ein Interessenausgleich zu verhandeln sei. Nicht einmal eine erste Verhandlung habe dazu stattgefunden.

          „Die Intransparenz gegenüber IG Metall, Betriebsrat und Beschäftigten kann so nicht weitergehen“, sagte IG-Metall-Bezirksleiter Jörg Köhlinger. Nur mit Transparenz könnten die Beschäftigten überzeugt werden, in das neue Unternehmen überzutreten, da der Verkauf einen „massiven Einschnitt in die Arbeitsverhältnisse“ bedeute.

          Schon Ende Oktober sprachen sich die Vertrauensleute der Gewerkschaft IG Metall bei Opel einstimmig gegen das Vorhaben aus. Sie forderten alternative Konzepte, etwa ein Gemeinschaftsunternehmen oder die Akquise von externem Geschäft. Es müsse nicht zwangsläufig zu einer Unterauslastung im Entwicklungszentrum kommen, hieß es damals in einer Mitteilung: „Ein Verkauf ist aus unserer Sicht nicht notwendig.“ Zudem könne Opel ohne ein „vollständiges Entwicklungszentrum“ nicht erfolgreich sein.

          Der Opel-Eigentümer PSA betonte am Donnerstag, das Entwicklungszentrum werde auch nach Abschluss des Teilverkaufs im Zentrum der Forschungs- und Entwicklungsarbeit von PSA stehen. „Es wird wettbewerbsfähig aufgestellt sein und so auch weiterhin das Design und die Entwicklung der künftigen Opel-Modelle verantworten.“

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