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Unternehmen aus Braunschweig : E-Bassgitarren für Tina Turner und Rammstein

  • -Aktualisiert am

Bei Sandberg stecken Paradiesvögel bis zum Hals in Arbeit. Bild: Sandberg Guitars

E-Bassgitarren in Form eines Kuhschädels oder aus durchsichtigem Acryl: Sandberg baut auch ungewöhnliche Instrumente. Manche davon werden zerkratzt.

          „Musik ist das beste Hobby“, sagt Holger Stonjek. In seinem Büro steht vor zwei Palmen eine Ledercouch. An der Wand hängen Zeitschriftencover, die ihn mit anderen Künstlern zeigen. Abgerundet wird das gemütliche Ambiente durch einen Retro-Kronleuchter, der unter anderem ein kleines Regal mit einer Weihnachtskarte von Iron Maiden erleuchtet. Die bestimmenden Elemente sind jedoch etwa zwanzig Bässe und Gitarren, stehend oder hängend.

          Stonjek ist Inhaber des Braunschweiger Unternehmens Sandberg Guitars, dessen Mitarbeiter hochwertige E-Bässe und E-Gitarren fertigen. „Ich habe das Unternehmen im Jahr 1986 zusammen mit einem Freund gegründet“, berichtet der 55-Jährige. „Meinen Partner hat die Elektronik begeistert. Ich bin Holzfreak. Es war die optimale Verbindung.“

          Im Alter von 11 Jahren lernte Stonjek Gitarre zu spielen. Acht Jahre später verlegte er sich auf die tieferen Klänge des Basses. Nun tritt er in Musikläden, die seine Bässe und Gitarren anbieten, auf, bei sogenannten Clinics, kleinen Konzerten mit anderen Musikern. „Da bin ich viel mit Ida Nielsen, der ehemaligen Bassistin von Prince, unterwegs – eine hervorragende Musikerin!“

          Auftritt mit Tina Turners Ex-Bassist

          Im vergangenen Jahr gab es mehr als zwanzig Clinics, von Australien über Singapur und Korea bis England, Frankreich und Amerika. „Oft ist auch Reggie Worthy mit von der Partie, Tina Turners Ex-Bassist. Mit Reggie machen wir viel Impro“, erzählt Stonjek.

          In den meisten der rund 300 Geschäfte, die seine Produkte anbieten, war er schon. Oft sitzt er auch mit Künstlern, die eine Sandberg spielen, auf seiner Ledercouch. „Und wir diskutieren zum Beispiel über eine Halsform oder einen neuen Pick-Up.“ Zum Beispiel mit Oliver Riedel von Rammstein.

          Die Zusammenarbeit mit Profis kann die Qualität der Produkte stark verbessern. „Bei einem Profi, der achtzig Konzerte im Jahr spielt und auf der Bühne rumhüpft, bei dem der Bass auch mal nass wird und Temperaturunterschiede aushalten muss, wird das Material sehr stark beansprucht.“

          Nach Warwick, der Nummer eins, sei man der zweitgrößte deutsche Bassbauer. Nebenan in Hannover sitze noch Duesenberg Guitars. „Die sind größer als wir, produzieren aber hauptsächlich E-Gitarren. Die größten internationalen Konkurrenten sind Fender und Ibanez.“

          Bei Sandberg arbeiten zwanzig Festangestellte und fünf Minijobber. Man beschäftigt unter anderem Lackierer, Radio-, Fernseh- und Elektrotechniker, Klavierbauer und Schreiner. Holger Stonjek lacht. „Erst vor drei Jahren haben wir gelernte Gitarrenbauer eingestellt.“ Mit dem Wachsen des Unternehmens wurden die Arbeitsplätze spezialisierter und beinhalten nur noch fünf oder sechs Arbeitsgänge.

          Als Beispiel nennt Stonjek den Bundierbereich; dort bekommen alle Griffbretter ihre Bünde eingedrückt. „Hier werden auch Block-Inlays und Dots eingelassen und Sonderanfertigungen wie Schriftzüge oder Grafiken ins Holz eingelegt. Neben den Intarsienarbeiten bekommen Instrumente hier auch Finishs wie Versilbern oder mit Blattgold.

          Eine Million Konfigurations-Möglichkeiten

          Man produziert zwei Linien von Bässen; von der einen, 100 Prozent made in Germany, verkauft man rund 1200 Bassgitarren im Jahr. Die andere Linie wird in Korea vorgefertigt und in Deutschland zusammengebaut; das sind etwa 600 Bestellungen im Jahr. Gitarren machen nur 5 Prozent aus.

          „Was uns auszeichnet, ist unser Konfigurator“, sagt Stonjek. Damit kann man sich auf der Internetseite sein Instrument selbst zusammenstellen. „Wir haben das mal errechnet: Es gibt fast eine Million Möglichkeiten – ich war selbst erschrocken“, sagt Stonjek schmunzelnd. 80 Prozent der Bässe seien Konfigurationen von Kunden. Ungefähr 80 Prozent der Bilder des Konfigurators sind wirkliche Fotos. „Ich habe in unserem kleinen Studio über 30.000 Fotos gemacht“, sagt Stonjek.

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