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Lee Kun-hee : Samsungs Patriarch ist gestorben

Der Aufstieg der Gruppe an die Weltspitze begann spätestens mit der „Frankfurter Erklärung“. Im Juni 1993 rief Lee an die 200 Spitzenmanager aus aller Welt im Grand Kempinski in Frankfurt zusammen. Der damals gerade mal 51 Jahre alte Vorsitzende hielt eine über drei Tage dauernde Rede, um die Manager wachzurütteln und den Aufstieg Samsungs von der zweiten in die Spitzenklasse anzustoßen.

Auf einer Reise durch die Welt hatte Lee zuvor mit eigenen Augen gesehen, dass Samsungs Fernseher in den Geschäften nie die Spitzenposition innehatten, sondern hinter Sony oder Panasonic zurückstanden. Klasse statt Masse war die neue Losung. Die Frankfurter Erklärung mit den neuen Managementprinzipien wird in dem Konglomerat noch heute hochgehalten. „Ändern Sie alles, nur nicht ihre Frau und ihre Kinder“, gab Lee 1993 den Managern mit auf den Weg.

Seine Verärgerung über die qualitativ unzureichenden Samsung-Produkte verdeutlichte Lee zwei Jahre später plastisch. Vor den Augen von 2000 Mitarbeitern ließ er zehntausende Mobiltelefone, Faxmaschinen und andere Geräte verbrennen, weil sie den Qualitätsstandards nicht genügten. Lees harte Vorgaben zeigten schrittweise Erfolg. 2006 überholte Samsung den japanischen Konkurrenten Sony und wurde größter Hersteller von Fernsehern in der Welt. 2011 nahm Samsung dem amerikanischen Elektronikunternehmen Apple die Krone des größten Herstellers von Smartphones ab. Ein Jahr später überholte Samsung den finnischen Hersteller Nokia als größter Hersteller von Mobiltelefonen.

Zwei Mal verurteilt, zwei Mal begnadigt

Doch nicht alles, was der erfolgreiche Unternehmer anpackte, gelang. Der Ausflug in die Herstellung von Automobilen etwa ging schief. Samsung Motor stellte sein erstes Auto 1998 vor. Doch der Erfolg blieb aus. Zwei Jahre später übernahm der französische Autohersteller Renault die Mehrheit an dem Unternehmen.

Die Position an der Spitze eines der familiengeführten Konglomerate in Südkorea bringt eine große Nähe zur Politik mit sich und die Gefahr, in politische Skandale verwickelt zu werden. Dieses Schicksal teilte auch Lee. 1996 wurde er wegen Bestechung des früheren Präsidenten Roh Tae-woo verurteilt und ein Jahr später vom Präsidenten Kim Young-sam wegen seiner Bedeutung für die Wirtschaft begnadigt.

2009 wurde Lee wegen Steuerhinterziehung verurteilt. Die Strafe betrug 110 Milliarden Won (68 Millionen Euro) und drei Jahre Haft auf Bewährung. Wie so oft in Südkorea aber dominierten nationale Interessen und dieses Mal nicht nur, weil Samsung ein so wichtiger Wirtschaftsfaktor in dem Land ist. Noch im Jahr der Verurteilung 2009 begnadigte Präsident Lee Myung-bak den (nicht verwandten) Lee Kun-hee, weil dieser als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees gebraucht wurde, um die Olympischen Winterspiele 2018 nach Südkorea zu holen.

Die juristischen Querelen 2008/09 waren das einzige Mal seit 1987, dass Lee die Führungsfunktionen in der Gruppe niederlegte. Doch schon 2010 kam er wieder zurück, beschrieb abermals das Unternehmen in einer großen Krise und drängte die Manager zur Eile. Wenig später kündigte Samsung an, entschieden in die Bereiche Gesundheit und Solarbatterien zu investieren. 2011 wurde Samsung Biologics gegründet, mit dem die Gruppe sich ein weiteres Standbein neben der Elektronik schaffen will. Samsung Biologics ist das Unternehmen, dessen Wert Lees Sohn Lee Jae-yong laut Anklage mittels Bilanzbetrug aufgebessert haben soll.

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