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Kunstsammlung wird gestiftet : Samsungs Lee-Familie zahlt 9 Milliarden Euro Erbschaftsteuer

Wie die Erbschaft geregelt wird, ist entscheidend für die künftigen Besitzverhältnisse im größten familiengeführten Konglomerat des Landes, Samsung. Bild: AP

Von Dali über Monet bis Picasso – die Familie des verstorbenen Samsung-Vorsitzenden Lee Kun-hee stiftet die Kunstsammlung des Vaters. Doch es bleibt eine Erbschaftsteuerzahlung von fast 9 Milliarden Euro zu begleichen.

          3 Min.

          Südkorea wird teils spöttisch, teils kritisch die „Republik von Samsung“ genannt. Das ist eine Anspielung auf die große wirtschaftliche Bedeutung des Konglomerats für das Land, aber auch auf den Einfluss, den die große Unternehmensgruppe des Landes auf Politik und Gesellschaft hat. Eine ganz besondere Bedeutung des Wortspiels zeigte sich am Mittwoch. Die Hinterbliebenen des im vergangenen Oktober gestorbenen Samsung-Vorsitzenden Lee Kun-hee teilten mit, dass sie wohl mehr als 12 Billionen Won (8,9 Milliarden Euro) Erbschaftsteuer zahlen werden.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das ist eine der größten Erbschaftssteuerzahlungen in Südkorea und entspricht in etwa dem drei bis vierfachen der jährlichen Erbschaftsteuerzahlungen des Landes. Die fällige Erbschaftsteuer entspricht nach Angaben der Familie mehr als der Hälfte des Aktien- und Immobilienbesitzes des verstorbenen Samsung-Vorsitzenden. Die Lee-Familie erklärte sich kurz vor Ablauf der Frist für die erste Zahlung Ende April.

          Kunstsammlung wird gestiftet

          Die Zahlung wäre noch weit höher ausgefallen, wenn die Erben nicht die Kunstsammlung von Lee Kun-hee an Museen des Landes stiften würden. Der Wert wird auf mehrere Billionen Won geschätzt. Die Kollektion mit mehr als 23.000 Stücken umfasst bedeutende antike Werke aus der südkoreanischen Geschichte, moderne südkoreanische Kunst von Kim Whanki, Park Soo-Keun, Lee Jung-Seop oder Chang Ucchin und nicht zuletzt moderne westliche Kunst. Unter den westlichen Gemälden sind ein Teich mit Wasserlilien von Claude Monet, die Zentaur-Familie von Salvador Dali und eine Komposition von Joan Miro. Dazu gesellen sich Werke unter anderem von Marc Chagall, Pablo Picasso, Pierre-Auguste Renoir, Paul Gauguin oder Camille Pissarro.

          Die Lee-Familie will zugleich 1 Billionen Won (745 Millionen Euro) für medizinische Forschung und Versorgung spenden. Davon soll im Zeichen von Covid unter anderem das erste Krankenhaus Südkoreas zur Erforschung und Behandlung ansteckender Krankheiten gebaut werden.

          Der frühere Samsung-Chef Lee Kun-hee
          Der frühere Samsung-Chef Lee Kun-hee : Bild: Reuters

          Wer bestimmt künftig bei Samsung?

          Die Erbschaft ist ein wichtiges Ereignis für Kunst, Kultur und Gesellschaft in Südkorea. Die Stiftung der Kunstwerke und die Spenden für medizinische Zwecke dürften der Lee-Familie Wohlwollen in der Bevölkerung verschaffen. Das kommt zu einer Zeit, in der die Diskussion über eine Begnadigung des Samsung-Erben Lee Jae-yong voll entbrannt ist. Der 52 Jahre alte Vize-Vorsitzende und faktische Chef von Samsung sitzt derzeit wegen Bestechung der früheren Präsidenten Park Geun-hye und wegen Veruntreuung für zweieinhalb Jahre im Gefängnis.

          Wie die Erbschaft geregelt wird, ist entscheidend für die künftigen Besitzverhältnisse im größten familiengeführten Konglomerat des Landes. Nach Recht und Gesetz steht der Witwe des verstorbenen Lee, Hong Ra-hee, ein Drittel des Vermögens zu und den drei Kindern je zwei Neuntel. Doch die Familie kann von den gesetzlichen Regeln abweichen. Neben Lee Jae-yong sind seine beiden jüngeren Schwestern Lee Boo-jin, die Chefin von Samsungs Luxus-Hotelgruppe Chilla, und Lee Seo-hyun, die Vorsitzende der Samsung Welfare Foundation, erbberechtigt.

          Die Samsung-Familie kontrollierte das Konglomerat über ein Netz an wechselseitigen Kapitalbeteiligungen der mehr als 50 Unternehmen. Viele dieser Verflechtungen wurden auf Druck der koreanischen Wettbewerbsbehörde Fair Trade Commission in den vergangenen Jahren aufgelöst. Doch der Einfluss der Familie auf wichtige strategische Entscheidungen bleibt bestehen.

          Lee Kun-hee hielt persönlich 4,18 Prozent an Samsung Electronics, dem wirtschaftlichen Herzstück der Gruppe. Ihm gehörten auch 20,76 Prozent von Samsung Life Insurance und 2,88 Prozent von Samsung C&T, der Baugesellschaft und faktischen Dachgesellschaft des Konglomerats. Wem in der Familie diese Anteile zufallen werden ist entscheidend dafür, wie groß der Einfluss des 52 Jahre alten Vize-Vorsitzenden Lee Jae-yong auf die Gruppe bleibt.

          In der Erklärung der Samsung-Familie vom Mittwoch blieb dieses wichtige Detail offen. Die Familie will aber eine Stundungsregelung in Anspruch nehmen und die Erbschaftssteuer in den kommenden fünf Jahren in sechs Zahlungen begleichen. „Es ist unsere bürgerliche Pflicht und Verantwortung, alle Steuern zu zahlen“, erklärte die Familie. Vermutet wird, dass die Familie für die Zahlungen auf Barmittel und Bankkredite zurückgreifen wird. Ein Verkauf der Aktienbeteiligungen würde den Einfluss der Gründerfamilie auf das Konglomerat schmälern.

          Forderungen nach Begnadigung des Samsung-Erben

          Um wirtschaftlichen Schaden von dem Land abzuwenden argumentieren Wirtschaftsverbände und Politiker vor allem der konservativen Opposition seit Wochen für eine Begnadigung des Samsung-Erben Lee Jae-yong. In Südkorea ist ein solcher Schritt nicht unüblich. Auch wenn immer wieder Kritik an den großen Konglomeraten aufkommt, werden die Wirtschaftskapitäne als entscheidend für den Fortschritt der Nation angesehen. Der verstorbene Lee Kun-hee erhielt wegen seiner Bedeutung für die Wirtschaft zweimal Gefängnisstrafen auf Bewährung. Er wurde 2009 auch deshalb begnadigt, weil er als Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees seinen Einfluss geltend machen sollte, die Olympischen Winterspiele 2018 in das Land zu holen.

          Präsident Moon Jae-in hält sich in der Frage einer Begnadigung von Lee bedeckt. Ein solcher Schritt wird erschwert dadurch, dass auch die von Lee bestochene frühere Präsidentin Park Geun-hye und ihr Vorgänger Lee Myung-bak, der Lee Senior begnadigt hatte, im Gefängnis sitzen. Eine Begnadigung der beiden politischen Kontrahenten ist in der Regierungspartei der Demokraten höchst umstritten. Moon verweist bislang darauf, dass es keinen öffentlichen Konsens in der Frage gebe.

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