https://www.faz.net/-gqe-8lbxe

Galaxy Note 7 : Samsungs Alptraum wird immer schlimmer

Die Werbeanzeigen für das Note 7 hängen trotz Rückruf weltweit in den Städten. Bild: AFP

Die Akkuprobleme mit dem Note 7 machen Samsung schwer zu schaffen. In zwei Tagen hat der Technologiekonzern 22 Milliarden Dollar Marktwert verloren – und die Kosten des Rückrufs stehen noch aus.

          2 Min.

          Die Akkuprobleme rund um das Smartphone Galaxy Note 7 sind für Samsung ein Desaster – mit vielleicht weitreichenderen Folgen als bisher erwartet. Für die Koreaner werde der gegenwärtige Alptraum schlimmer und schlimmer, glaubt Bryan Ma, Vizepräsident des Analysehauses IDC.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schon jetzt untersagen einige Luftfahrtgesellschaften – darunter auch die Deutsche Lufthansa – die Nutzung des im wahrsten Sinne des Wortes brandgefährlichen Modells Note 7 an Bord.

          Statt nur dieses Gerät aus den Flugzeugen zu verbannen, könnten die Airlines sämtliche Samsung-Handys von den Flügen ausschließen, weil man die einzelnen Modelle nur schwer auseinanderhalten könne. „Wenn das Realität wird, könnte das Note 7 schließlich den Rest des Produktportfolios ebenfalls mit nach unten reißen“, orakelt Ma.

          Von diesem Schreckensszenario kann derzeit noch keine Rede sein – zumal der Konzern auf seiner Homepage versichert: „Es sind keine anderen Samsung-Smartphones betroffen. Die Angelegenheit betrifft nur das Galaxy Note 7.“ Unter Anlegern herrscht dennoch höchste Aufregung.

          22 Milliarden Dollar Marktwert verloren

          Der Kurs der Samsung-Aktie gab am Montag an der Börse in Seoul um mehr als 7 Prozent nach. Er erreichte damit den tiefsten Stand seit zwei Monaten. Im Vergleich zum Freitag errechnet sich sogar ein Minus von 11 Prozent. Binnen zwei Tagen hat Samsung damit 22 Milliarden Dollar Marktwert verloren.

          Der Rutsch liegt auch begründet in wachsenden Sorgen über die Kosten für die Rückrufaktion des Smartphones. Die Schätzungen dafür liegen im zehnstelligen Bereich. Erste Prognosen gingen von einer Milliarde Dollar aus. Am vergangenen Wochenende war sogar schon die Rede von bis zu 5 Milliarden Dollar.

          Dabei handelt es sich freilich um Spekulationen. Bekannt ist lediglich, dass bislang rund 2,5 Millionen Geräte ausgeliefert worden sein sollen. Die unverbindliche Preisempfehlung für das mit großen Hoffnungen auf den Markt gebrachte Topmodell hatte Samsung mit 849 Euro angesetzt.

          Rund 2,5 Millionen Mal verkauft worden

          Nach Warnungen von Behörden und Fluggesellschaften hatte am Wochenende auch Samsung selbst die Nutzer des Smartphones gebeten, die Geräte auszuschalten und umzutauschen. „Unseren Untersuchungen zufolge handelt es sich um eine Unstimmigkeit mit dem Akku“, lautet die offizielle Sprachregelung. „Selten“ könne es im Herstellungsprozess zu Problemen kommen, wenn Anode und Kathode in Verbindung kämen und deshalb eine Überhitzung stattfinde.

          „Wir bitten Nutzer, ihr Galaxy Note 7 auszuschalten und es sobald wie möglich umzutauschen“, riet der Chef der Mobilsparte, Koh Dong Jin, höchstpersönlich. Seinen Angaben zufolge sollen von einer Million Geräte 24 Stück von dem Akkuproblem betroffen sein. Die ersten Exemplare mit einer neuen Batterie sollen in Südkorea vom kommenden Montag an ausgeliefert werden. Bis zum Rückruf vor gut einer Woche war das Galaxy Note 7 in zehn Ländern rund 2,5 Millionen Mal verkauft worden.

          Sechsjähriger mit Verbrennungen ins Krankenhaus

          Das Problem mit den Akkus wurde bekannt, als Samsung das Smartphone in Deutschland an den Start bringen wollte. Der Konzern stoppte umgehend den globalen Verkauf und leitete die Rückrufaktion ein. Das Debakel kommt zu einem für die Koreaner denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Apple hat gerade sein neues iPhone vorgestellt; Samsung wollte dem amerikanischen Wettbewerber mit dem eigenen Spitzenmodell zuvorkommen.

          Tatsächlich erhielt es zum Teil sehr gute Kritiken, bevor die Probleme mit heißen Akkus publik wurden. Nun ist das schöne Bild des Konzerns mehr als angekratzt. „Wenn ein Kunde ein Smartphone kaufen will, kauft er sich jetzt ein iPhone 7, nicht ein Note 7“, sagte Mark Newman, Analyst bei Bernstein Research, der Nachrichtenseite „CNN Money“.

          Spannend und ungeklärt ist nun die Frage, inwieweit das Batterieproblem dem Image des Konzerns insgesamt schadet. Zumindest kommt es bei Kunden kaum gut an, wenn Medien berichten, dass sogar Kinder betroffen sind. Laut „New York Post“ kam ein sechsjähriger Junge im Stadtteil Brooklyn mit Verbrennungen ins Krankenhaus, nachdem ein Note 7 in Flammen aufgegangen sei, während er damit gespielt habe. Das Kind habe Videos auf dem Telefon geschaut, als die Batterie explodiert sei.

          Weitere Themen

          Was Libra wirklich bringt

          Mitgründer der Digitalwährung : Was Libra wirklich bringt

          Zwei zentrale Libra-Manager verteidigen das Projekt in der F.A.Z.: Facebook sei nur eine Stimmen unter vielen, Verbraucher würden durch die Digitalwährung stärker beteiligt – und die Kosten gesenkt.

          Topmeldungen

          Offensive in Nordsyrien : Erdogan verspottet Trump

          Der türkische Präsident verspottet nicht nur den deutschen Außenminister Maas, sondern auch den amerikanischen Präsidenten Trump für dessen Tweets. Verwirrung gab es über ein Treffen mit Vizepräsident Pence und Außenminister Pompeo in Ankara.
          Das Twitter-Fenster ist auch im Beruf bei vielen geöffnet.

          Die Karrierefrage : Was darf ich bei der Arbeit twittern?

          Von Trump bis zum einfachen Angestellten: Viele twittern während der Arbeit – und über sie. Das kann günstige Werbung sein oder ein PR-Albtraum. Chefs können wenig reinreden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.