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Galaxy Note 7 : Samsung hat zu viel gewollt

So sieht das Innenleben des Samsung Galaxy Note 7 aus. Bild: Reuters

Das Galaxy Note 7 sollte eine Antwort auf das neue iPhone sein. Besser hätte das Ergebnis für Apple nicht ausfallen können.

          Die Ingenieure des südkoreanischen Elektronikkonzerns Samsung haben ihren Kollegen von Apple aus dem sonnigen Kalifornien ein wahres Erntedankfest beschert: Pünktlich zur Markteinführung des neuen iPhone 7 erlaubt sich der Rivale aus dem Fernen Osten die größte vorstellbare Pleite, die einem Unternehmen zur Vorstellung eines neuen Produkts passieren kann.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Ein Gerät kommt auf den Markt, das dem iPhone Paroli bieten soll. Es bekommt beste Kritiken für seine Rechenleistung, seine Akkulaufzeit und sein Display. Und dann überhitzen die Akkus, fangen gar Feuer. Ein erster Rückruf folgt.

          Das Gerät soll danach – natürlich – wieder auf den Markt, ein neuer Akku soll die Schwierigkeiten beenden. Elektronikmärkte in Deutschland locken Vorbesteller schon mit einer Prämie von 100 Euro. Aber diejenigen, die Apple dann ab Ende Oktober mit einem neuen Gerät von Samsung zeigen wollten, wie man Handys baut, können sich ihre Anzahlung wieder abholen.

          So sollte das Note 7 funktionieren

          Denn das Gerät mit dem Namen Galaxy Note 7 hat auch in der überarbeiteten Version gebrannt. Jetzt steht fest: Es kommt nie wieder auf den Markt. Was für eine Blamage für ein Unternehmen aus einem Kulturkreis, in dem man vor allem eines nicht möchte: sein Gesicht verlieren.

          Was genau passiert ist, weiß man nicht. Denn die Informationspolitik von Samsung ist sehr zurückhaltend. Zwar wird der Produktrückruf hoch effizient abgewickelt, aber Aussagen zu den technischen Hintergründen oder zu der Zahl der in einzelnen Ländern betroffenen Geräte gibt es nicht. Um ein Bild von dem zu bekommen, was nicht funktioniert hat, lohnt ein Blick auf die technischen Details des Skandalgeräts – wie es funktionieren sollte:

          Mit einer Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll (umgerechnet rund 14,5 cm) fiel das Note 7 in die „Phablet“-Kategorie, wie die Mischung aus Smartphone und Tablet genannt wird. Die vorherigen Note-Modelle, die zugleich mit einem Plastikstift zum Schreiben auf dem Bildschirm ausgeliefert wurden, waren zur Überraschung einiger Beobachter ein Erfolg – und das Note 7 sollte diese Serie fortsetzen.

          Prozessor besonders schnell

          Immerhin kann sich Samsung schon zugutehalten, Apple auf dem Gebiet der Tablets ebenfalls zur Einführung eines Stifts zur Eingabe veranlasst zu haben – und das, obwohl der vor fünf Jahren verstorbene Unternehmensmitbegründer Steve Jobs genau das immer abgelehnt hatte.

          Mit einem Achtkern-Prozessor im technischen Herzen war es besonders schnell, die Kamera wurde gelobt, das Display lieferte leuchtende Farben. Hinzu kamen technische Finessen wie das Entsperren des Telefons durch einen Augenscan. Diese umfangreiche technische Ausstattung braucht Strom – und deshalb stattete Samsung das Note 7 mit einer Batterie mit 3500 Milliamperstunden (mAh) aus, die sich besonders schnell aufladen sollte.

          Zum Vergleich: Nach Angaben von Fachleuten steckt im größeren iPhone 7 Plus ein Akku mit 2900 mAh. Apple selbst nennt die entsprechenden Kapazitäten seiner Handys allerdings nicht. Angegeben wird lediglich eine Laufzeit in Stunden. Grundsätzlich aber gilt für alle Hersteller, dass die Geräte immer dünner, die Akkus aber immer leistungsfähiger werden sollen. Zudem freuen sich die Kunden, wenn die Ladezeiten nicht allzu lang sind.

          Ära des Note 7 zu Ende, bevor sie begonnen hat

          Das besonders schnelle Aufladen aber, das auch beim Note 7 möglich war, führt zu einer größeren Hitzeentwicklung. Nach früheren Angaben der amerikanischen Verbraucherschutzbehörde sei ein Grund für die Schwierigkeiten beim ursprünglichen, noch nicht überarbeiteten Note 7 zudem gewesen, dass Akkus etwas zu groß für den Platz im Gehäuse geraten seien und es dadurch beim Einbau zu Kurzschlüssen in den Batterien habe kommen können.

          Die Akkus waren zunächst von einer Tochtergesellschaft von Samsung geliefert worden, später von einem dritten Hersteller. Aber an den Problemen änderte das nichts: Spektakulär war der Fall eines gestrichenen Fluges in Amerika, weil ein Passagier bemerkt hatte, dass sein schon ausgetauschtes Note-7-Gerät in Flammen aufging. Der ersten Version des Geräts war auf Flügen ohnehin schon länger verboten.

          Nun aber ist die Ära des Note 7 zu Ende, bevor sie überhaupt richtig beginnen konnte. Samsung rief alle Kunden abermals auf, ihr Note 7 auszuschalten und es überhaupt nicht mehr zu benutzen – gleichgültig, ob es sich um ein Original- oder ein Austauschgerät handle. Sie sollten ihr Gerät in die Läden zurückbringen, wo sie es entweder gegen ein Smartphone eines anderen Typs tauschen oder ihr Geld zurückbekommen könnten. Der Kurs der Aktie von Samsung Electronics brach an der Börse in Seoul um 8 Prozent ein und ging mit 1,55 Millionen Won (umgerechnet 1245 Euro) aus dem Handel.

          Die Kosten für den ursprünglichen Rückruf wurden von Analysten schon auf mehr als 1 Milliarde Dollar geschätzt. Wie hoch die Belastung für den vollständigen Rückzug des Modells sein wird, lässt sich offenbar noch nicht seriös vorhersagen.

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