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Samsung-Erbe : Anklage gegen Lee Jae-yong

Der Samsung-Erbe Lee Jae-yong Bild: AFP

Marktmanipulation, Veruntreuung und Bilanzbetrug lauten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft in Seoul gegen den Vizevorsitzenden von Samsung Electronics, Lee Jae-yong.

          2 Min.

          Auf den Vizevorsitzenden von Samsung Electronics, Lee Jae-yong, kommen neue juristische Schwierigkeiten zu. Die Staatsanwaltschaft in Seoul klagte den 52 Jahre alten Lee am Dienstag der Finanzvergehen und Marktmanipulationen an. Dabei geht es um eine umstrittene Fusion von zwei Unternehmen der Samsung Gruppe im Jahr 2015, die den Einfluss Lees als Aktionär auf die Gruppe stärkte und dem Übergang von Lees Vater Lee Kun-hee in der Gruppenführung auf den Sohn diente. Lee bestreitet die Vorwürfe.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Anklage kommt überraschend, nachdem ein unabhängiges Gremium vor wenigen Wochen der Staatsanwaltschaft empfohlen hatte, die Ermittlungen einzustellen. Üblicherweise folgt die Anklagebehörde einer solchen Empfehlung. Schon im Juni hatte ein Gericht den Antrag auf Untersuchungshaft für Lee abgelehnt. Auch jetzt ist die Anklage nicht mit einem Haftbefehl verbunden. Samsung Electronics kommentierte den Vorgang auf Anfrage nicht. Auch die Anwälte Lees hielten sich zunächst mit einer Stellungnahme zurück.

          Konkret geht es in der Anklage um den Vorwurf unfairer Handelspraktiken und der Börsenkursmanipulation, der Veruntreuung und des Bilanzbetrugs. Neben Lee sind zehn weitere ehemalige und jetzige Manager von Samsung-Unternehmen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass der Börsenwert von Cheil Industries vor der Fusion geschönt und der Aktienkurs von Samsung C&T absichtlich geschwächt wurde. In dem Zusammenhang soll auch der Wert von Samsung Bioepsis aufgeblasen worden sein. Samsung Bioepsis ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Samsung Biologics, einem Tochterunternehmen von Cheil Industries, und dem amerikanischen Unternehmen Biogen.

          2019 hatte er auf einen Sitz im Verwaltungsrat verzichtet

          Lee ist formal als Vizevorsitzender in die strategische Lenkung der Gruppe und des größten Gruppenunternehmens Samsung Electronics involviert, seitdem sein Vater Lee Kun-hee 2014 einen Herzinfarkt erlitten hatte und seither ans Bett gefesselt ist. Samsung ist das größte familiengeführte Konglomerat und zugleich das Vorzeigeunternehmen Südkoreas, auf das viele Südkoreaner stolz sein. Der große Einfluss der Konglomerate oder Chaebols auf die südkoreanische Wirtschaft hat in den vergangenen Jahrzehnten oft dazu geführt, dass Untersuchungen gegen die Unternehmensspitzen eingestellt oder verurteilte Unternehmensführer begnadigt wurden.

          In einem aufsehenerregenden Schritt hatte Lee junior sich öffentlich im Mai für mögliche Vergehen entschuldigt und zugleich angekündigt, dass er seinen Kindern die Führung der Gruppe nicht übertragen wolle. Die Erklärung wurde weithin als Versuch interpretiert, ein weiteres Gerichtsverfahren zu vermeiden. Schon 2019 hatte er auf einen Sitz im Verwaltungsrat von Samsung Electronics verzichtet.

          Unabhängig von der neuen Anklage steht der Samsung-Erbe vor einem weiteren Gerichtsverfahren, das derzeit ruht. Im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen gegen die 2017 abgesetzte Präsidentin Park Geun-hye war Lee verurteilt worden, durch die Spende von Reitpferden für das Training der Tochter einer engen Vertrauten Parks die Zustimmung der Regierung zu der Unternehmensfusion erlangt zu haben.

          2015 hatte der staatliche Pensionsfonds als Aktionär der Fusion der Samsung-Gruppenunternehmen zugestimmt. Dieses Verfahren musste nach einem Beschluss des Obersten Gerichts Südkoreas neu verhandelt werden. Derzeit aber ruht es wegen Einsprüchen der Verteidigung gegen die Richter.

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