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Wegen Sammelklagen : Waldbrände treiben Energieriesen in Bankrott

Blick auf den abgebrannten Pine Grove Wohnwagenpark im kalifornischen Paradise Bild: dpa

Kaliforniens größter Stromversorger bricht unter der Last gewaltiger Schadenersatzansprüche zusammen und meldet Insolvenz an. Abgerissene Stromleitungen sollen rund zehn Prozent der Waldbrände verursacht haben.

          Die Unternehmensführung von Pacific Gas & Electric (PG&E) hat am Montag Gläubigerschutz beantragt, weil sie fürchtet, das Vermögen der Firma reiche nicht, um mögliche Schadenersatzansprüche aus Waldbränden zu decken. Das börsennotierte Unternehmen, Kaliforniens größter Energieversorger, hat binnen eines Tages die Hälfte seines Börsenwertes eingebüßt und 80 Prozent seit dem Höchststand im Oktober.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Kalifornien war 2018 und 2017 von besonders zahlreichen Waldbränden heimgesucht worden. Ermittler haben für 1500 Brände  von 2014 bis Ende 2017 PG&E als Verursacher dingfest gemacht. Für die Feuerkatastrophe, in der im Oktober 85 Menschen umgekommen und 14.000 Häuser niedergebrannt sind, ist PG&E ebenfalls verdächtig. Das Unternehmen rechnet mit Zahlungsverpflichtungen von bis zu 30 Milliarden Dollar.

          Um diese zu decken, reichen Versicherungsschutz und Vermögen des Unternehmens  nicht aus. Nach den größeren Feuern haben Anwälte, die beanspruchen, hunderte Klienten zu vertreten, jeweils Klagen  eingereicht. Es trifft nicht PG&E, sondern auch die Nummer zwei im Markt, Edison International. Energieversorgung ist kein sicheres Geschäft mehr, erfahren Anleger auf brutale Weise. Sollten die Dürren zur Regel werden, dann werden Energieversorger eher ein Thema für Wagnisfinanzierer.  

          Stromleitungen als Feuerzünder

          Energieversorger werden in Kalifornien für bis zu zehn Prozent der Waldbrände verantwortlich gemacht. Die Stromleitungen hängen in der Regel an Holzpfählen und reißen gelegentlich bei starken Winden oder wenn Bäume auf sie stürzen. Aus den losen Enden können Funken schlagen, die das in den langen Dürreperioden ausgedörrtes  Unterholz und trockenes Gras entzünden können.

          In Zonen, die in bestimmten Phasen besonders durch Waldbrände gefährdet sind, stellen Kaliforniens Energieversorger inzwischen vorrübergehend den Strom ab. Es gibt auch Überlegungen, die Stromleitungen in der Erde zu verlegen. Das ist aber fünf- bis zehnmal so teuer. Außerdem ist Kalifornien Erdbebengebiet, Überlandleitungen wären bei kleinen Beben besser geschützt als Erdkabel.  Eine neue Idee kommt aus Nordkalifornien: Dort hat der Bürgermeister der Stadt Nevada City eine Spendenkampagne auf der Plattform GoFundMe gestartet, um Ziegenherden zu finanzieren. Der Bürgermeister will von Bauern mieten und sie das trockene Gras auffressen zu lassen, das ihre Gemeinde umgibt.     

          Die Unternehmen haben in Kalifornien ohnehin schon besonders hohe Präventionsauflagen: Sie müssen die Bäume unter den Leitungen kurz schneiden und ausführliche Sicherheitspläne vorlegen. Das gilt aber erst sein 2017. Entsprechend sind die Präventionspläne noch ganz am Anfang. Doch selbst wenn die Firmen alle gesetzlichen Auflagen einhalten, können sie zur Rechenschaft gezogen werden.

          Der Energiesektor ist stark reguliert. Die Energieversorger haben das kalifornische Parlament gedrängt, ihnen Preiserhöhungen zu erlauben, um die Risiken  auf die Kundschaft überwälzen zu können. Das Parlament  hat den Unternehmen aber nur gestattet, neuen Anleihen aufzunehmen, um die Zusatzkosten aus den Waldbränden vom vergangenen Jahr decken zu können.

          Ganz leicht haben es die Energieversorger nicht. Im Bundesstaat Kalifornien ist Wohnraum knapp, und lokale Regierungen erlauben Siedlungen nahe an Waldgebieten oder gelegentlich direkt in lichten Wäldern. Das zwingt die Versorger oft Leitungen über Wälder zu führen, die nach langen Dürrephasen leicht entzündbar sind.

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