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Sabine Schmittroth : Die Seglerin der Commerzbank

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Sabine Schmittroth, zuvor Bereichsvorständin Private Kunden bei der Commerzbank, ist Personalchefin des Unternehmens Bild: dpa

Die Commerzbank wird heftig durchgeschüttelt, der Personalabbau naht. Spekuliert wird über die Streichung von mehr als 7000 Stellen. Die Personalchefin Sabine Schmittroth wird hart im Wind stehen.

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          Die Frau ist patent. Sie hat schließlich ein Segelpatent – und das nicht nur für Binnengewässer, wie sie trocken erzählt, sondern auch für die hohe See. Ihre Befähigung zum Skipper hat die gebürtige Bochumerin erlernt in Glücksburg an der Flensburger Förde beim Deutschen Hochseesportverband Hanse (DHH), damals eine der ersten gemeinsamen Aktivitäten mit ihrem Ehemann, mit dem sie mehr als 30 Jahre zusammen ist und in diesem Jahr Silberhochzeit feiert. „Wer einen Sporthochseeschifferschein vom DHH erhält, hat vorher gelernt, dass man nicht ablegt, bevor nicht alle Luken geschlossen sind und bevor nicht jedes Crewmitglied seine Rettungsweste passend eingestellt hat“, sagt Sabine Schmittroth.

          Die auf hoher See und insofern in Krisen erprobte 54 Jahre alte Schmittroth ist seit 1. Januar neu im Vorstand der Commerzbank und dort für Personal, Regeltreue (Compliance) und Kundenprozesse verantwortlich. „Es gibt Analogien aus dem Segeln, die ich für meine Führungsarbeit in der Bank nutzen kann“, sagte sie Anfang Juni im Gespräch mit der F.A.Z., kurz nachdem sie nach sechs Wochen im Homeoffice in die Commerzbank-Zentrale zurückgekehrt ist. Hier, in der Führungsetage in Frankfurts höchstem Bürohaus, lobt sie nun das Geben und Nehmen von Arbeitgeber und Belegschaft während der Pandemie. Denn die traf natürlich auch die Commerzbank überraschend wie ein Sturm.

          Als wäre sie auf hoher See, fragte sich Schmittroth mit Ausbruch von Corona, wie die Fähigkeiten ihrer Mannschaft verteilt sind, etwa wer stabil am Ruder ist und wer schnell seekrank wird, auch wie viel Proviant vorhanden ist und wie fest das Sturmsegel sitzt. Und nicht zuletzt, wie sie mit klaren Ansagen kommunizieren und gleichzeitig gute Stimmung schaffen könnte. An die Bankbelegschaft richtete sie sich aus dem Homeoffice mit Hilfe des Intranets, wo sie ihren Blog ohne die sonst übliche Mithilfe der Presseabteilung schrieb und wo sie auch Bilder von sich mit Maske postete.

          Im besten Sinne des Unternehmens

          Doch was meint die Hüterin der Regeln mit Geben und Nehmen in der Corona-Krise? Die Betriebsvereinbarung „Mobiles Arbeiten“, die das Arbeiten von zu Hause regelt, erweist sich für die Krise als nur bedingt geeignet. Darin sind für das Arbeiten von zu Hause im Schnitt höchstens zwei von fünf Wochentagen vorgesehen. Sie wurde gemeinsam außer Kraft gesetzt, so dass die Mitarbeiter uneingeschränkt von zu Hause aus arbeiten können. Zugleich hat die Bank Mitarbeitern, die kurzfristig ohne Kinderbetreuung dastanden, zum Beispiel 12 Tage bezahlt freigestellt und ihnen so mehr Zeit gegeben, um sich zu organisieren. Gesetzlich vorgeschrieben seien fünf Tage. „Bank wie Betriebsrat haben in der Corona-Krise flexibel an einem Strang gezogen, um für unsere Kunden voll einsatzbereit zu sein“, freut sich Schmittroth.

          Mit dem Betriebsrat wünscht sie sich auch weiterhin eine unpolitische, verlässliche Zusammenarbeit – im besten Sinne des Unternehmens. Dieser Wunsch wird wohl in den nächsten Monaten auf eine harte Probe gestellt werden. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, wird Finanzchefin Bettina Orlopp dem Aufsichtsrat am 1. Juli in dessen Sondersitzung weitreichende Sparmaßnahmen vorstellen – weitreichendere zumindest als diejenigen, die im September 2019 beschlossen wurden. Damals entschied der Vorstand, von gut 40.000 Vollzeitstellen brutto 4300 Stellen bis 2023 zu streichen.

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