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Ryanair-Kommentar : Absurdes Manöver

  • -Aktualisiert am

Ryanair-Chef Michael O’Leary auf einer Pressekonferenz im September 2018 in Brüssel Bild: AFP

Ryanair sollte in seinen Arbeitsverträgen geltendes europäisches Recht anwenden – und keine absurden Nebenschauplätze mit „Wettbewerbsbeschwerden“ eröffnen.

          Phantasie konnte man Michael O’Leary noch nie absprechen. Doch lässt sich die neueste Idee des Ryanair-Chefs, im Arbeitskampf mit seinem Personal per „Wettbewerbsbeschwerde“ die EU-Kommission anzurufen, kaum noch phantasievoll nennen. Sie ist bestenfalls ein Ablenkungsmanöver und wahrscheinlicher eine reine Verzweiflungstat.

          Immer wieder hat O’Leary beklagt, dass sich Vertreter des Personals von Ryanair-Konkurrenten in seine Verhandlungen mit den eigenen Arbeitnehmern einmischten. Besonders gut belegt hat er den Vorwurf nicht, und man sollte in der Tat glauben, dass Ryanair-Piloten groß genug sind, um ihre Forderungen selbst zu definieren.

          Aber selbst wenn der Vorwurf zuträfe, ist unerfindlich, warum eine solche „Einmischung“ als Verstoß gegen die europäischen Wettbewerbsregeln zu gelten hätte. Nicht alles, was Michael O’Leary eine „Verschwörung“ nennt, ist ein rechtswidriges Kartell. Es existiert schlicht kein Anknüpfungspunkt, an dem eine Wettbewerbsbehörde aktiv werden könnte.

          Wenn es um die Anwendung europäischen Rechts geht, liegt der Ryanair-Fall letztlich erheblich simpler. Für die Arbeitsverträge ist nach Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs jeweils das Recht jenes Landes anzuwenden, in dem ein Arbeitnehmer wohnt. Genau das sollte Ryanair auch tun – und keine absurden Nebenschauplätze eröffnen.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

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